Wie oft brennen Elektroautos im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor?

Videos von brennenden Elektroautos verbreiten sich schneller als jedes Lauffeuer. Brennen Elektroautos tatsächlich öfter, als Autos mit Verbrennungsmotor? Ein Fakten-Check.

02.05.2017 Online Redaktion

Man glaubt es kaum: In den 1980er Jahren brannten laut einer Statistik der National Fire Protection Association (NFPA) in den USA über 400.000 Personenwagen jährlich lichterloh. Seit ungefähr 2010 ist das deutlich besser geworden. Es werden nur mehr rund 180.000 Vehikel jährlich ein Raub der Flammen. Ob Zufall oder nicht, seit damals gibt es auch Elektroautos in nennenswerter Zahl, und die sind trotz aller dramatischer Youtube-Videos von brennenden Teslas relativ sicher. Bis heute fingen in den USA erst sechs Tesla Modell S Feuer, außerdem zwei Chevrolet Volt, zwei Mitsubishi, ein Zotye und ein BYD, die zwei letzteren stammen aus China. Nur bei Fisker müsste man wohl echte Bedenken haben, denn von diesem nur in geringer Stückzahl produzierten Exoten (bei weitem keine 2000 Stück) endeten alleine schon zwei Stück in der Feuersbrunst.

Zwei Brände pro einer Milliarde Kilometer

Statistisch lassen sich diese Vorkommnisse noch weiter relativieren, wie dies Martin Winter vom Forschungszentrum Jülich, Helmholtz-Institut Münster, beim Wiener Motorensymposium 2017 vorgerechnet hat: Beim klassischen Verbrennungsmotor gelten 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer als normal. Rechnet man sechs abgebrannte Teslas auf ihre 3 Milliarden zurückgelegten Kilometer um, kommt man auf nur zwei Brände pro einer Milliarde Kilometer.

© Bild: Tennessee Highway Patrol

In Smyrna, Tennessee, brannte das 3. Model S aus.

Welche Lehren zieht man aus dieser Studie?

Die Ausgangslage für eine Diskussion über das Brandrisiko von Elektrofahrzeugen ist also denkbar günstig für Elektroautos, trotzdem warnt er vor allzu früher Euphorie: „Auf Grund der geringen Verbreitung von vollelektrischen Fahrzeugen und der noch schwachen Datenlage lässt sich aus dem Vergleich nicht unbedingt schlussfolgern, dass batterieelektrische Fahrzeuge sicherer sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, jedoch schon die Aussage treffen, dass die Fahrzeug ein vergleichbares Sicherheitsniveau aufweisen.“

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  • Manfred Stummer

    Heißt wohl nicht umsonst, Fahrzeug mit Verbrennungsmotor…

  • Marcus Lang

    Da muss ich die Frage stellen, welche Fahrzeugbrände da dazuzählen und welche ausgenommen sind, aus dieser Statistik!
    Wenn allein in der Steiermark auf der A9 nördlich von Graz ein Batterieauto (Tesla) ausgebrannt ist, nachdem er eine Baustellenabsperrung touchiert hatte, und ein weiterer beim Laden in der Garage ausbrannte (dabei Gott sei Dank nur die Garage, nicht aber das angrenzende Haus, Schaden nahm), dann erscheinen mir 6 Fahrzeugbrände mit Batterieautos weltweit unwahrscheinlich wenig!

    • Marcus Lang

      Anscheinend wurden die 6 abgebrannten Tesla der Statistik allein für die USA ausgewertet – anscheinend schaut die Österreich-Statistik wesentlich schlechter aus (aber wegen geringer Anzahl natürlich statistisch weniger signifikant). Es ist aber auch interessant zu sehen, das zumindest in den USA kein einziger Nissan Leaf gebrannt hat – immerhin weltweit das meistverkaufte Batterieauto. Vielleicht muss man sagen, dass die Teslas einfach sehr “speziell” sind …

    • Samuel Gall

      “Anscheinend” nur Daten aus den USA? Woher hast du diese Info? Und wo gibts die besagte Österreich-Statistik nachzulesen?

      Darf ich fragen was Du arbeitest bzw. wie deine Verbindungen zur Automobil-Industrie sind?

    • Nelkenduft / AHF

      Nicht zu vergessen, dass beim Tesla das Feuer durch die Brandschots dermaßen gut unter Kontrolle ist, dass alle Insassen die Fahrzeuge sicher verlassen konnten.
      Ich möchte gar nicht wissen wie viele Todesopfer durch Brände von Fahrzeugen mit ölbetriebenem Explosionsmotor zu verzeichnen sind. Von den unzähligen Toten durch die in unseren Lebensraum emittierten Giftgase gar nicht zu reden.

    • Marcus Lang

      @Nelkenduft: Da bin ich anderer Meinung! Zum einen würde ich kein “ölbetriebenes” (=Diesel) Fahrzeug vorschlagen, wegen NOx, sondern eher Benzin und Benzin-Hybrid. Aber bei Benziner wie Dieselmodellen sitzt der Tank so zentral im Fahrzeug, dass beim Touchieren einer Baustellenabsperrung niemals ein solches Auto ausbrennt. Zum anderen haben Sie wahrscheinlich sehr wohl ein Problem, wenn Ihr in der Garage angestecktes Auto in der Nacht Feuer fängt und die Flammen auf Ihr Haus übergreifen. Zum Glück passiert das anscheinend bei seriösen E-Fahrzeugen de facto nicht. Tesla scheint nicht zu diesen seriösen Fahrzeugen zu gehören!

    • Samuel Gall

      @Marcus Lang: Der Tesla hat die Baustellenabsperrung “touchiert”?? hast Du gesehen, wie weit der vermutlich tonnenschwere Betonklotz bei dem Unfall verschoben wurde? Ich behaupte mal, dass das Fahrzeug mit erheblicher Geschwindigkeit halbschräg aufgeprallt ist. Vielleicht wäre die Fahrerin in einem anderen Auto schwerstverletzt gewesen. Und warum sollen die 6 Brände zu wenige sein – die Medien stürzen sich doch gerade auf jeden Brand und bringen die auf die Titelseiten ;-)

      https://autorevue.at/autowelt/tirol-brennender-tesla

  • georg giglinger

    Was hier nicht beleuchtet wird: Es kommt auch stark darauf in in welcher Situation ein Fahrzeugbrand entsteht. Bei Elektroautos kam das meines Wissens nach ausnahmslos in Siutationen vor in denen die Fahrzeuge in Betrieb waren. Vor allem beim Laden an öffentlichen Schnellladestation. Bei ICE-cars (Verbrennerfahrzeuge) gibt es häufig Brände in Garagen, wodurch auch Gebäude brennen bzw. große Folgeschäden entstehen. Außerdem sind häufig Brände bei Unfällen zu sehen, da hier die brennbaren Flüssigkeiten austreten können. Ein Tesla der am Supercharger abbrennt ist halb so schlimm, weil hier wohl jeder noch die Chance hat in Ruhe auszusteigen, falls er überhaupt im Auto sitzt. Also stellt sich auch die Frage wieviele Menschen durch die Fahrzeugbrände zu Schaden kommen und wie groß die Folgeschäden waren. Und diese Bilanz geht noch besser für die E-Autos aus.
    Da sieht man wieder wie die Propaganda der letzten Jahre gegen E-Autos in sich zusammenbricht.

    • Nelkenduft / AHF

      Der Witz ist ja auch, dass man mit so einer Berichterstattung auf lange Sicht dem Wirtschaftsstandort Deutschland erheblich schadet.
      Wir sind gegenüber China und den USA eh schon ins Hintertreffen geraten, aber mit einer derart realitätsfernen Einstellung in den Köpfen mancher Menschen, da bekommen wir das Schiff nicht so schnell wieder auf Kurs.

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