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Sommerreifen-Test 2019: Ergebnisse zu 32 Reifen für Vans und Kleinwagen

Beim von ÖAMTC, ADAC und Partnern durchgeführten Sommerreifen-Test 2019 wurden 16 Modelle der Dimension 215/65 R16C T und 16 Modelle der Dimension 185/65 R15 H/V getestet.

19.02.2019 Autorevue Magazin

Beim Sommerreifen-Test von ÖAMTC, ADAC und Partnern wurden insgesamt 32 Modelle auf Herz und Nieren geprüft. Erstmals wurden auch Sommerreifen der Dimension 215/65 R16C T getestet. Diese werden im gewerblichen Bereich bei Transportern eingesetzt, aber auch im Privatbereich kommen die “C-Reifen” (das C steht für Commerical oder Cargo und zeigt eine höhere Tragfähigkeit an) beispielsweise bei Vans, Campingmobilen oder Kleinbussen zum Einsatz. Hier ist das Testergebnis alarmierend: Von den 16 überprüften Modellen fielen neun mit “nicht empfehlenswert” durch. Zwei Reifen erreichten ein “bedingt empfehlenswert”, fünf bekamen immerhin ein “empfehlenswert”.

Die Ergebnisse des Sommerreifen-Tests 2019 im Überblick

Zum Vergrößern der Tabelle ins Bild klicken, oder hier als .pdf-Datei herunterladen.

Sommerreifen-Test 2019: 9 von 16 Modellen der Dimension 215/65 R16C T “nicht empfehlenswert”

Wie es zu diesen drastischen Ergebnissen kommt, erklärt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel: “Wir haben es hier mit einem klassischen Zielkonflikt der Reifenentwicklung zu tun: Viele der getesteten Transporterreifen sind offensichtlich auf möglichst lange Einsatzdauer und geringen Kraftstoffverbrauch ausgelegt”, so der Experte.. Die guten bis sehr guten Werte in diesen Bereichen werden allerdings mit teils deutlichen Schwächen bei den Nassgriffeigenschaften erkauft. Lange Bremswege und instabile Seitenführung bei Nässe sind die Folge.” In unterschiedlichem Ausmaß gilt das für alle “C-Reifen” im Test. Den besten Kompromiss finden Apollo Altrust, Goodyear Efficient Grip Cargo, Pirelli Carrier, Nokian cLine und Continental ContiVanContact 200.

Video: Sommerreifen für Vans mit deutlichen Schwächen

Pkw- oder SUV-Reifen als mögliche Alternative für einige Vans

Jeder, der C-Reifen montiert hat, muss sich jedenfalls der deutlich schwächeren Nassgriffeigenschaften bewusst sein. Alternativ ist bei einigen Vans oder Transportern die Nutzung von Pkw- oder SUV-Reifen möglich. “Zumindest bei privat genutzten Fahrzeugen kann das die bessere Option sein”, so Eppel. Die in den Genehmigungsdokumenten eingetragenen Last- und Geschwindigkeitsindices müssen aber unbedingt eingehalten werden. Übrigens: Auch C-Reifen sind in Österreich mit dem Reifenlabel, das Ende 2012 eingeführt wurde, gekennzeichnet. Wie bei normalen Pkw-Reifen gibt es Auskunft über einige wenige Eigenschaften, sagt aber nicht alles über tatsächliche Stärken und Schwächen aus. Ein direkter Vergleich zwischen Pkw- und C-Reifen ist über das Label allerdings nicht möglich, weil sich Testprozedur und Grenzwerte bei der Einstufung dieser beiden Reifentypen unterscheiden.

Zufriedenstellende Ergebnisse für Kleinwagen-Reifen beim Sommerreifen-Test 2019

Im Sommerreifen-Test 2019 wurden zudem 16 Modelle der Kleinwagendimension 185/65 R15 H/V umfassend geprüft. Das Ergebnis ist insgesamt zufriedenstellend, wie Eppel erläutert. “Zwar wurden nur zwei der Testkandidaten mit ‘sehr empfehlenswert’ beurteilt, es gab aber keinen Ausreißer nach unten. 14 Modelle sind ’empfehlenswert’, den Konsumenten steht also eine breite Auswahl an guten Sommerreifen zur Verfügung”, so der ÖAMTC-Reifenexperte.

Video: 16 Kleinwagen im Sommerreifen-Test 2019

“Bestnote” im Test nur für zwei Sommerreifen

“Sehr empfehlenswert” und damit rundum überzeugend sind für die Autofahrerklubs allerdings nur der Bridgestone Turanza T005 und der Vredestein Sportrac 5. “Bridgestone hat in dieser Dimension den Reifen mit den besten Nassgriffeigenschaften am Start. Und auch auf trockener Fahrbahn ist der Turanza T005 – gemeinsam mit dem Firestone Roadhawk – der Stärkste”, fasst Eppel zusammen. Der Vredestein Sportrac 5 punktet hingegen mit sehr guten Werten beim Verschleiß (die auch der Falken Ziex ZE310 Ecorun erreicht und die der Michelin CrossClimate + sogar noch übertrifft).

Große Unterschiede beim Verschleiß

Überhaupt ist der Verschleiß – wie bei den parallel getesteten Transporterreifen – ein auffälliger Aspekt beim aktuellen Sommerreifen-Test. In der Dimension 185/65 R15 H/V sind die Testergebnisse in diesem Bereich sehr unterschiedlich: Das Schlusslicht in punkto Verschleiß ist der Linglong Green-Max HP010, der nur 50 Prozent der Laufleistung des Michelin CrossClimate + erreicht – rund 26.000 Kilometer stehen hier 57.000 Kilometern gegenüber. Bei diesem Verschleißtest wurden alle Modelle in einem Konvoi-Versuch auf der Straße 15.000 km abgefahren und daraus die Laufleistung bis 1,6 mm Profiltiefe errechnet. Die exakt vorgegebenen Bedingungen solch eines Konvoi-Versuchs garantieren, dass alle Reifenmodelle gleich stark belastet werden.

Nassgriffeigenschaften als häufigste Schwachstelle im Sommerreifen-Test 2019

Der häufigste Grund für die Abwertung eines Modells von “sehr empfehlenswert” auf “empfehlenswert” ist einmal mehr in den Nassgriffeigenschaften zu finden. Hier überzeugen nur vier der 16 Sommerreifen – neben Bridgestone und Vredestein sind das der Michelin CrossClimate + und Continental ContiPremiumContact 5.

© Bild: ÖAMTC

Rudolf Skarics fasst die Ergebnisse des Sommerreifen-Tests 2019 zusammen:

Diesmal haben europäische Konsumentenschützer und Autofahrerclubs unter der Leitung der deutschen Autofahrervereinigung ADAC Sommerreifen für Kleinwagen und für Vans unter die Lupe genommen. Dabei hat es doch einige Überraschungen gegeben. Und die sehen im Wesentlichen so aus:

Für Kleinwagen: Dimension 185/65 R 15

Kleinwagen werden immer größer, so auch ihre Räder. So handelte es sich diesmal um die Dimension 185/65 R 15, eine Größe, die bis vor kurzem noch Kompaktwagen vorbehalten war. Kein Wunder, denn der VW Polo, auf dem die Tests durchgeführt wurden, ist ja ungefähr so groß wie ein VW Golf vor zwei Jahrzehnten. Das ist aber noch nicht die Überraschung, die sieht anders aus. Erstmals wurde nämlich ein Ganzjahresreifen mitgetestet, und zwar ein Michelin, nämlich aus zwei Gründen: Erstens spricht Michelin selbst dezidiert von einem wintertauglichen Sommerreifen und zweitens lässt Michelin den reinen Sommerreifen dieser Dimension offenbar gerade auslaufen. Das erklären Experten damit, dass es billiger ist, von einem einzigen Reifentyp möglichst hohe Stückzahlen zu erzielen anstatt sich in Modellvielfalt zu verzetteln. Und nun wirklich zur Überraschung: Dieser Michelin CrossClimate+ verfehlte die Note sehr empfehlenswert nur knapp und liegt damit als wintertauglicher Reifen auch unter den Sommer-Spezialisten an dritter Stelle.

Für Vans: Dimension 215/65 R 16 C

Erstmals in der Geschichte der Reifentests wurden auch Reifen für Vans getestet, und zwar solche mit erhöhter Traglast mit dem Kennbuchstaben C (von „Commercial“). Dimension: 215/65 R 16C. Das Ergebnis ist alarmierend. Da dieser Reifentyp vorwiegend bei Transportern eingesetzt wird, wird er nach völlig anderen Kriterien entwickelt als bei Pkw-Reifen üblich. Was im gewerblichen Bereich zählt, sind fast ausschließlich die Kosten, und die hängen wiederum ganz entschieden von der Laufleistung ab. Da Reifenbauen immer einen Zielkonflikt bedeutet, versagen diese Reifen mit der enormen Laufleistung aufs Gröbste beim Bremsen vor allem auf nasser Fahrbahn.

Das ist deshalb so besorgniserregend, da Kleintransporter heutzutage locker Pkw-Fahrleistungen erreichen und nicht selten sogar schneller als das Autobahnlimit unterwegs sind, und das womöglich auch noch vollgeladen. Während normale Pkw-Reifen in der Regel eine Laufleistung von 30.000 bis 35.000 Kilometer erzielen, kamen einige Transporter-Reifen auf das Doppelte. Rekordhalter Sava mit 80.000 km. Auch ist die Kennzeichnung dieser Reifen laut Reifenlabel nicht mit Pkw-Reifen vergleichbar, da die Transporter-Reifen nach den Kriterien der Lkw-Reifen eingestuft werden. Ein Gegencheck mit einem Pkw-Reifen der gleichen Dimension (ohne das „C“) auf dem Testfahrzeug, einem VW-Bus, ergab ganz normale Pkw-übliche Bremswege. Am Fahrzeug selbst kann das Versagen der Transporter-Reifen also nicht gelegen sein. Ein Problem ist auch, dass man nicht einfach Pkw-Reifen nehmen kann, wenn das „C“ im Zulassungsschein vermerkt ist. Einzige Chance: Das so genannte CoC-Dokument, das dem früheren Typenschein entspricht, vom Autohersteller anfordern. Dort sind nämlich mitunter noch weitere Reifendimensionen angeführt.

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