Martin Czwiertnia
Sequentielles Getriebe

Sequentielles Getriebe

Als sequentielle Getriebe werden automatisierte Schaltgetriebe bezeichnet. Vorläufer dieser Technik sind seit vielen Jahren bei Motorrädern bekannt.

Zuletzt aktualisiert am 08.05.2023

In der Handhabung lassen sich sequentielle Getriebe heute wie vollautomatische Getriebe nutzen. Sie haben jedoch den Vorteil, dass der Fahrer die Möglichkeit hat, selbst in das „Schaltgeschehen“ einzugreifen.

Sequentiell bedeutet übersetzt so viel wie, „in Folge“, „in Reihe“. Die Gänge werden nacheinander geschaltet. Jedoch ist ein „Überspringen“ von Gängen, wie beim manuellen Getriebe nicht möglich. Ein weiterer Vorteil ist der Wegfall des Drehmomentwandlers, der bei einem vollautomatischen Getriebe nötig ist – dieser kostet Leistung und Kraftstoff. Die Effizienz eines sequentiellen Getriebes ist somit höher.

Für eine sportliche Fahrweise mit schnellen Gangwechseln sind sequentielle Getriebe bisher nicht ausgelegt, hier kommt eher ein Doppelkupplungsgetriebe (DSG) infrage. Auch dieses ist eine Form des sequentiellen Getriebes.

Was ist ein sequentielles Getriebe?

Bei Motorrädern sind sie bereits seit langem bekannt: Die Gänge werden hier per Fußhebel nacheinander eingelegt. Ähnlich funktioniert ein sequentielles Getriebe (auch Halbautomatik oder automatisiertes Schaltgetriebe genannt). Allerdings werden die Gänge in modernen Getrieben mittels einer Zentralhydraulik oder eines Elektromotors eingelegt, ein Kupplungspedal entfällt.

Das eigentliche Getriebe ist von einem herkömmlichen Getriebe mit Kupplung abgeleitet. Ein Drehmomentwandler, wie aus vollautomatischen Getrieben bekannt, fällt weg – dadurch steigt die Effizienz des Antriebes merklich.

Ein sequentielles Getriebe vereint die Vorzüge des vollautomatischen Getriebes (komfortables, effizientes Fahren) mit der Möglichkeit, selbst in die Schaltvorgänge einzugreifen. Es ist jedoch nur möglich, in den nächsthöheren oder niedrigeren Gang zu wechseln. Eine Steigerung der Effizienz ist möglich, weil die Schaltvorgänge im Automatikmodus durch das Steuergerät ausgelöst werden. Dabei nehmen Drehzahl, Gaspedal- und Wählhebelstellung Einfluss auf den Schaltzeitpunkt. Auch weitere Parameter, wie die Motortemperatur, können einbezogen werden, um die Schaltvorgänge zum optimalen Zeitpunkt vorzunehmen.

Aktuell ist die Kontrollierbarkeit (zum Beispiel beim Rückwärtsfahren) noch etwas verbesserungsbedürftig. Hier lässt sich mit der Fußkupplung feinfühliger rangieren. Zugkraftunterbrechungen sind beim sequentiellen Getriebe oft spürbar, beim Gangwechsel kommt es zu einem Karosserienicken, welches meist auch spürbar ist. Auch die Schaltgeschwindigkeit des sequentiellen Getriebes ist, im Vergleich zu einem Doppelkupplungsgetriebe, noch steigerungsfähig.

Aus diesem Grunde werden, besonders von Sportwagenherstellern, keine sequentiellen Getriebe mehr eingesetzt – die sportlichere Variante DSG ist auf dem Vormarsch, noch sportlicher sind Multi-Clutch-Getriebe. Bisher nur in Supersportwagen eingesetzt, ermöglichen sie konkurrenzlos schnelle Gangwechsel und ein extrem sportliches Anfahren. Die aufwändige Technik vereint die Vorteile eines Wandlergetriebes mit denen des Doppelkupplungsgetriebes.

Unterschiede Automatik, Sequentielles Getriebe und DSG

  • Das Automatikgetriebe ist komplizierter im Aufbau und teurer als andere Getriebe. Nachteilig wirkt sich der Drehmomentwandler aus. Dieser sorgt beim Gangwechsel zeitweise für einen Zugkraftverlust und lässt kaum Eingriffe in das Schaltverhalten zu.
  • Ein sequentielles Getriebe ist grundsätzlich wie ein manuelles Getriebe aufgebaut. Die Gangwechsel werden jedoch nicht über Kupplung und Ganghebel vollzogen, sondern über eine hydraulische oder elektrische Betätigung. Der Kraftschluss ist nach Gangwechsel sofort voll vorhanden. Die Möglichkeit den Schaltzeitpunkt selbst zu wählen ist gegeben. Oft sind die Gangwechsel durch ein Schaltruckeln spürbar.
  • Das Doppelkupplungsgetriebe wird heute in vielen Fahrzeugen verbaut und bringt die Vorteile der Automatik und des manuellen Getriebes am besten zusammen. Ein manueller Eingriff ist ebenso möglich, wie ein automatischer Betrieb. Zudem sind kürzere Schaltzeiten möglich und die Gangwechsel sind, je nach Fahrweise, kaum spürbar.

Lässt sich ein sequentielles Getriebe nachrüsten?

Eine Nachrüstung/Umbau ist in vielen Fällen möglich. Einige spezialisierte Tuningbetriebe bieten die Umrüstung des vorhandenen Getriebes an. Das vorhandene, manuelle Getriebe wird umgebaut und die Schaltvorrichtung angepasst. Einfacher ist es, wenn der Hersteller es anbietet, das komplette Getriebe zu ersetzen. Erfahrene Tuner mit den entsprechenden Kenntnissen über die Funktionsweise können den Umbau auch selbst vornehmen. Sicherer ist jedoch die Beauftragung eines Fachbetriebes. Allerdings ist eine Nachrüstung mit hohen Kosten und großem Zeitaufwand verbunden. Vor Beginn des Umbaus sollte man sich erkundigen, ob ein sequenzielles Getriebe am vorhandenen Fahrzeug erlaubt ist. Ein neues Abgasgutachten ist ebenfalls erforderlich.

FAQ: Häufige Fragen zum sequentiellen Getriebe

Was ist ein sequentielles Getriebe?

Das Getriebe arbeitet halbautomatisch. Die Gänge werden mittels Zentralhydraulik oder Elektromotor gewechselt. Ein Überspringen von Gängen ist nicht möglich. Es kann nur der jeweils nächste Gang hoch- oder heruntergeschaltet werden. Dies passiert automatisch oder wahlweise durch simples Antippen des Schalthebels. Eine Kupplung im herkömmlichen Sinne ist nicht vorhanden. Die Vorteile eines manuellen und automatischen Getriebes werden vereint.

Was sind Vor- und Nachteile eines sequentiellen Getriebes?

Vorteile:
• Motorschonend
• Bei Automatikmodus Kraftstoffsparend
• Komfortabel
• Einfache Bedienung

Nachteile:
• Aufwändiger Umbau
• Bei Reparaturen teurer als manuelle Getriebe
• Häufig Schaltruckeln
• Wenig Feinfühligkeit beim Rangieren

Ist eine Nachrüstung möglich und erlaubt?

In vielen Fällen gibt es die Möglichkeit einer Nachrüstung oder des Umbaus des vorhandenen, manuellen Getriebes. Eine Eintragung ist nicht immer machbar oder mit hohen Hürden versehen. Eine Umrüstung ist Kosten- und Zeitintensiv. Einfacher ist es, wenn der Fahrzeughersteller passende Getriebe anbietet. Dennoch Kostenintensiv ist die Eintragung jedoch einfacher.

Fazit

Sequentielle Getriebe ermöglichen ein komfortables und kraftstoffsparendes Fahren. Jedoch ist eine Nachrüstung zeitaufwändig und mit hohen Kosten verbunden. Ein Umbau ist nicht in allen Fällen möglich oder eintragungsfähig.

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