Gefährliches “Dooring”: Ausstiegswarner im Praxistest

Unachtsam geöffnete Autotüren stellen im Stadtverkehr eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Radfahrer und E-Scooter-Fahrer dar. Ob Ausstiegswarner zur Vermeidung von “Dooring” beitragen können, haben der ÖAMTC und seine Partner untersucht.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 21.08.2019

“Dooring” ist ein nicht zu unterschätzendes Problem: 2018 haben sich in Österreich 225 Unfälle ereignet, bei denen Rad-oder E-Tretrollerfahrer gegen unachtsam geöffnete Autotüren geprallt sind. 34 Radfahrer wurden bei solchen Unfällen im Vorjahr schwer verletzt. An die Achtsamkeit der Autoinsassen zu appellieren, reicht offenbar nicht aus – deshalb bieten Audi und Mercedes zur Vermeidung von “Dooring” so genannte Ausstiegswarner an, für die die Funktionsweise des Totwinkelassistenten ausgeweitet wird. Ob diese Assistenzsysteme auch wirklich funktionieren, haben der ÖAMTC und seine Partner getestet.

Video: Ausstiegswarner im Praxistest

Verschiedene Testzenarien für Ausstiegswarner

Ein sich nähernder Rad- oder Scooterfahrer soll mit dem Ausstiegswarner rechtzeitig erkannt werden können. In der Mercedes A-Klasse werden Fahrzeuginsassen beim Öffnen der Tür audiovisuell gewarnt, im Audi A6 verzögert ein elektronischer Schließmechanismus das Öffnen der Türe um eine knappe Sekunde. “Mit drei verschiedenen Verkehrsteilnehmern – einem Auto bzw. einer Fahrzeugattrappe, einem Radfahrer sowie einem E-Tretroller – wurde getestet, ob die Systeme die herannahende Gefahrensituation rechtzeitig erkennen können”, schildert David Nosé, Unfallforscher des ÖAMTC, das Testszenario. “In allen drei Fällen wurde die Fahrertüre genau in dem Moment geöffnet, in dem eine Bremsung gerade noch möglich gewesen wäre.” In weiteren Testaufbauten wurde eine enge Parklücke simuliert, um den Einfluss auf die Reichweite des Systems zu bewerten, die generelle Funktion für die übrigen Fahrzeugtüren wurde ebenfalls getestet.

© Bild: ÖAMTC / ADAC

Klares Ergebnis: Ausstiegswarner können Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten

Das Ergebnis ist für den ÖAMTC klar: “Auch wenn in engen Parklücken die Funktion eingeschränkt ist, kann der Ausstiegswarner – sofern die nötige Sensorik eines Totwinkelassistenten am Fahrzeug bereits verbaut ist – mit wenig Aufwand einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten”, so Nosé. Der Mobilitätsclub empfiehlt daher den serienmäßigen Einbau der Ausstiegswarner.

© Bild: ÖAMTC / ADAC

Radlobby appelliert an Autofahrer

Die Radlobby Österreich begrüßt fahrzeugtechnische Innovationen zur Unfallvermeidung gründsätzlich, hält es aber für wichtiger, dass Radfahrer auf Radstreifen und Fahrradstraßen im nötigen Sicherheitsabstand von Autofahrern getrennt werden. Das berichtet die APA. Entsprechende verkehrsplanerische Umsetzungen wären die beste Maßnahme gegen Dooring-Unfälle, sagte Radlobby Österreich-Sprecher Roland Romano im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. Romano appellierte auch erneut an die Autofahrer, vor dem Öffnen der Türe auf nachkommende Radfahrer zu achten.

Auch der ÖAMTC betont im Zuge der Veröffentlichung der Testergebnisse erneut, dass “Fahrzeuglenker müssen immer und ohne Ausnahme vor dem Öffnen der Tür nach vorne und hinten schauen, ob sich ein anderer Verkehrsteilnehmer nähert. Ein Öffnen der Türe mit der türabgewandten Hand erleichtere den Schulterblick sowie den Blick in den Außenspiegel. “Es gehört außerdem zu den Aufgaben der Lenker, Beifahrer und andere Mitfahrer dazu aufzufordern, ebenfalls nach dem Verkehr zu schauen”, soder Experte.


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