Hier im Bild wahrlich keine Endrohrmessung, die seht ihr im Beitrag weiter unten.
 

Wie funktioniert der neue Pickerl-Abgastest?

Künftig soll es beim Abgastest, im Rahmen des Pickerls, nur mehr eine “On-Board-Diagnose” geben. Wir haben die Infos und Argumente zusammengesammelt.

13.02.2018 Online Redaktion

Die Endrohrmessung im Rahmen der “Pickerl”-Überprüfung soll künftig bei Pkw, Lkw und Motorrädern jüngeren Baujahres (Abgasklassen 4,5 und 6) durch eine On-Board-Diagnose ersetzt werden, laut Verkehrsministerium soll die Verordnung bereits ab Mitte Februar 2018 in Kraft treten.

Die Meinungen zur Sinnhaftigkeit dieser geplanten Novellierung driften aber weit auseinander. Fakt ist: Beide Prüfverfahren weisen Mängel auf, eine generelle Ausweitung der zu überprüfenden Parameter erscheint sinnvoll – wäre aber naturgemäß mit signifikanten Mehrkosten verbunden.

Die bisherige Endrohrmessung

Bei der bisherigen Endrohrmessung im Zuge der Paragraf-57a-Überprüfung (“Pickerl”) wird das Fahrzeug hinsichtlich Fehler bei der Abgasnachbehandlung, also der Abgasreinigung, überprüft. Diese Überprüfung soll nach den derzeitigen Plänen des Verkehrsministeriums von einer reinen On-Board-Diagnose ersetzt werden, die Messung direkt am Endrohr nur mehr dann erfolgen, wenn ein Verdacht auf Manipulation besteht.

© Bild: Patrick Pleul / EPA / picturedesk.com

Was wird gemessen?

Bei der Endrohrmessung wird das Messgerät direkt über einen Schlauch an den Auspuff angeschlossen, dann der Motor insgesamt vier Mal bis Abregel-Drehzahl beschleunigt (ohne eingelegtem Gang). Gemessen wird dabei laut dem Koordinator für Technische Standards beim ÖAMTC, Andrej Prosenc, allerdings lediglich der sichtbare Rauch bzw. werden Staubpartikel aus der Umgebung angezeigt.

Feinstaub-Partikel oder auch die Funktionstüchtigkeit der SCR-Katalysatoren, die für eine Reduktion der äußerst gesundheitsschädlichen Stickoxid-Emissionen sorgen, können mit dieser Messmethode allerdings nicht gemessen werden.

Steinzeit

“Die Endrohrmessung ist Steinzeit” so das Statement dazu von Verkehrsminister Hofer im Rahmen einer Pressekonferenz, die zusammen mit Vertretern des ÖAMTC und ARBÖ Ende Jänner in Wien abgehalten wurde. Diese Messmethode stamme noch aus einer Zeit, in der “ein zweiter Rückspiegel noch Sonderausstattung war. Sie misst auch nichts, lediglich, ob ein Partikelfilter vorhanden ist”, so der Minister weiter.

Totalschäden durch Endrohrmessung

Laut ÖAMTC führt die bisherige Praxis der Endrohrmessung außerdem jährlich bei immerhin 100 Fahrzeugen zu einem Motorschaden, was meist einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt. Da aber in diesen Fällen niemandem ein Fehlverhalten vorgeworfen werden kann, da ja vorschriftsgemäß überprüft wurde, bleiben betroffene Autofahrer auf den Kosten sitzen.

Die “On-Board-Diagnose”

Bei einer reinen OBD (“On-Board-Diagnose”) sind Totalschäden durch die Messmethode nicht denkbar, da die zu prüfenden Abgaswerte rein softwarebasiert ausgelesen und nicht direkt am Auspuffrohr gemessen werden.

Allerdings warnt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) in einer eigenen Aussendung zur geplanten Novellierung dennoch eindringlich vor der geplanten Umstellung der Abgasmessung ausschließlich durch eine OBD.

Experte warnt vor Manipulation

Der Grund: Manipulationen sind laut Abgas-Experte Ernst Pucher (TU-Wien) somit noch einfacher durchzuführen – es könne durch “chip-tuning” eine neue Software am Fahrzeug eingespielt werden, die das OBD-System für gewisse Bereiche im Motor bzw. für Kontrollaufgaben lahmlegt.

Und: Auch durch die On-Board-Diagnose werden keine Stickoxid-Emissionen und auch nicht die Anzahl der Feinstaub-Partikel gemessen. Denn diese Messungen sind derzeit nur mit sehr aufwändigen und teuren (mehrere tausend Euro) Tests möglich und werden daher künftig wohl nur stichprobenartig durchgeführt, sofern die dafür in Planung stehende EU-Verordnung tatsächlich in Kraft tritt.

OBD + Endrohrmessung als Lösung?

Laut Aussendung des VCÖ (mit Expertin Ulla Rasmussen) zeigen die Erfahrungen anderer Länder, dass die OBD-Analyse nur als ergänzende Messmethode, zusätzlich zur Endrohrmessung, Sinn macht.

Wie wird in Deutschland gemessen?

So hat etwa Deutschland, das die letzten fünf Jahre auf eine reine OBD-Methode gesetzt hat, wieder die Kombination von Endrohrmessung und OBD-Analyse eingeführt (per 1. Jänner 2018). Auch Belgien und die Niederlande sind dabei, die Endrohrmessung wieder einzuführen.

Studie aus Deutschland zeigt Unterschiede auf

Als Grund wird hierzu u.a. auf eine Studie aus Deutschland verwiesen: 1.750 Fahrzeuge wurden vorerst nur mit der OBD überprüft – womit bei 1,9% der Fahrzeuge Mängel hinsichtlich Abgasnachbehandlung festgestellt wurden.

Bei der Kombination OBD mit der Endrohmessung wurden hingegen bei 7,1% der Fahrzeuge Mängel entdeckt. Das TÜV-Deutschland stellt somit fest, dass bei einer Überprüfung nur mit OBD in Deutschland bei rund einer Million PKW abgasrelevante Mängel nicht erkannt werden können.

Fazit

Der Weisheit letzter Schluss dürfte aber auch die Kombination OBD + Endrohrmessung nicht sein, denn wie bereits festgestellt: Stickoxid-Emissionen oder auch die Anzahl der Feinstaub-Partikel können durch keine der beiden Prüfmethoden erfasst werden. Gerade die Feinstaub-Partikel gelten jedoch als äußerst gesundheitsschädlich – insbesondere für Kinder, deren Organe noch im Wachstum sind. leinen Feinstaub-Partikel sind extrem gesundheitsschädlich, insbesondere für Kinder, da sich ihre Organe noch im Wachstum befinden“.

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