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Was muss man beim Auto-Pfand beachten?

Kurzfristig und relativ unbürokratisch zu Geld kommen: Das versprechen sich Autobesitzer von einer Autobelehnung bei einem Pfandhaus. Wir haben alle Infos dazu.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 13.10.2017

Welche Voraussetzungen es für eine Autopfandleihe gibt und welche Kosten auf einen zukommen? Hier der Überblick:

Sein Auto verpfänden – wie funktioniert das?

Pfandleihhäuser sind Unternehmen, die Kredite mit meist kurzer Laufzeit vergeben (in der Regel 1-3 Monate mit Option auf Verlängerung) – diese Kredite werden bei einem Pfandhaus durch einen Wertgegenstand sichergestellt. Somit kann etwa ein Auto durch ein Pfanddarlehen kurzfristig in liquide Mittel umgewandelt werden und innerhalb der vereinbarten Laufzeit durch Bezahlung sämtlicher Verbindlichkeiten (Summe aus Darlehen, Zinsen, sonstige Gebühren) wieder ausgelöst werden.

Muss der Auto-Kredit beim Kreditschutzverband (KSV) angegeben werden?

Da der Kredit direkt durch das Auto besichert ist, entfällt eine Abfrage bzw. ein Eintrag beim KSV (Kreditschutzverband), es ist auch ein Bürge aus diesem Grund nicht erforderlich.

Wieviel Geld erhalte ich für mein Auto?

Bevor es zu einer Autobelehnung kommt, wird der aktuelle Wert des Fahrzeuges entweder anhand der Eurotax-Liste oder durch eine Schätzung durch das Pfandleihhaus oder eines beauftragten Unternehmens bestimmt. Von diesem ermittelten Wert werden in der Regel zwischen 50-80% (je nach Unternehmen) als Pfand-Darlehen vergeben und ein Pfandschein an den Pfandgeber ausgegeben.

Das Auto belehnen und trotzdem weiter nutzen – geht das? Welche Voraussetzungen gibt es dafür?

Üblich ist bei vielen Anbietern in Österreich mittlerweile auch, dass das Fahrzeug trotz Belehnung weiterbenutzt werden kann – was allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden ist (siehe unten). Dafür müssen aber diese Voraussetzungen erfüllt und folgende Dokumente vollständig vorhanden sein:

  • Mindestalter 18 Jahre
  • Alter des Fahrzeuges darf bei den meisten Anbietern ein gewisses Alter nicht überschreiten (meist 10 Jahre) – Ausnahmen gibt es etwa bei einer Oldtimer-Belehnung
  • Das Auto muss Eigentum des Pfandgebers sein und auch auf diesen angemeldet sein (Eintrag Zulassungsschein und Typenschein)
  • Das Auto muss in fahrbereitem Zustand und sollte weitgehend unbeschadet sein
  • Das Fahrzeug muss in Österreich zugelassen sein
  • Ein Reserveschlüssel muss dem Pfandhaus übergeben werden
  • Erforderliche Dokumente: Gültiger “Pickerl”-Prüfbericht nach §57A, Typenschein, Zulassungsschein, gültiger Lichtbildausweis (Führerschein) und Meldezettel des Eigentümers (ordentlicher Wohnsitz in Österreich ist Voraussetzung)
  • Pfandhäuser wie z.B. das Dorotheum verlangen außerdem einen Kaufvertrag des Fahrzeuges oder die Rechnung mit Kassaquittung sowie die Versicherungspolizze inkl. letztem Zahlschein.

Die Kosten – ein guter Deal?

Die Gesamtkosten bei einer Autobelehnung setzen sich in der Regel aus einer Ausfertigunsgebühr für den Pfandschein, den Darlehenszinsen sowie einer Manipulationsgebühr bei Pfandweiternutzung zusammen. Die Ausfertigungsgebühr ist meist abhängig von der Höhe des Darlehens und wird bereits bei Aufnahme des Darlehens fällig.

Die Darlehenszinsen vom Pfanddarlehen müssen per Gesetz pro Halbmonat aufgeführt sein, ebenso die Manipulationsgebühr bei Pfandweiternutzung.

Achtung: Meist ist eine anteilige Rückerstattung der Zinsen und Gebühren bei vorzeitiger Auslösung nicht möglich – es wird also zumindest ein Halbmonat verrechnet.

Beispiel für die Höher der Kosten bei einer Autobelehnung

Hier anhand der aktuellen Gebühren und Zinsen des Pfandhauses Dorotheum in Wien:

  • Darlehenshöhe: 1000 Euro mit Laufzeit 2 Monate
  • Ausfertigungsgebühr: 15 Euro
  • Zinsen: 40 Euro (1% der Darlehenshöhe pro Halbmonat)
  • Gebühren bei Weiternutzung des Fahrzeuges: 50 Euro (1,25% pro Halbmonat)

Die Gesamtkosten für ein Darlehen in Höhe von 1000 Euro für 2 Monate betragen in diesem Fall somit 90 Euro. Das entspricht einem Zinssatz von 9% pro Monat bzw. hochgerechnet auf ein Jahr entspricht das einem Effektivzinssatz von 108%.

Weitere mögliche Kosten/Gebühren, die bei oder nach einem Pfandgeschäft auf einen zukommen können: Versteigerungsgebühren für verfallene Pfänder, Gebühr für freihändige Verwertung verfallener Pfänder, Lagergebühr für ausgelöste aber nicht behobene Pfänder, Spesenersatz für Spesen, die Pfandgeber verursacht werden, wie z.B. Begutachtung, Verwahrung/Garagierung, Lagerung etc.

Was passiert, wenn ich mein Auto nicht rechtzeitig auslösen kann?

Die meisten Anbieter bieten die Möglichkeit, die Pfandleihe auch zu verlängern. Aufgrund der anfallenden Kosten ist eine Pfandleihe aber mittel- und langfristig gesehen wohl keine geeignete Finanzierungsform. Wird die Pfandleihe nicht verlängert oder das Fahrzeug nicht rechtzeitig ausgelöst, wird das Auto vom Pfandhaus verkauft bzw. versteigert und der Erlös davon zur Abdeckung des Darlehens und der anfallenden Gebühren verwendet (z.B. auch eine Versteigerungsgebühr für verfallene Pfänder). Sollte es dabei zu einem Überschuss (nach Abzug sämtlicher Gebühren und Zinsen) kommen, wird diese dem Pfandgeber ausbezahlt. Sollte der Erlös das Darlehen sowie die Gebühren aber nicht abdecken, geht die Differenz zulasten des Pfandhauses.

Fazit

Sein Auto zu belehnen, sollte sehr gut überdacht werden – der bürokratische Aufwand mag auf den ersten Blick geringer erscheinen, die Verlockung, ohne KSV-Eintrag und Bürgen schnell an Geld zu kommen, groß sein. Nüchtern betrachtet sind die anfallenden Gesamtkosten aber sehr viel höher als bei einem Bankkredit.


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