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Der Tesla mit Camaro-V8

Der Tesla mit Camaro-V8

YouTuber Rich Benoit macht ein Tesla Model S zum Verbrenner – mit dem V8 aus einem Chevrolet Camaro.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 13.05.2021

Mit seinem neuesten Projekt erregt Rich Benoit, Mastermind des YouTube-Kanals Rich Rebuilds, die Gemüter: Im Dezember 2020 veröffentlichte er das erste Video, in dem ein ungewöhnlicher Motortausch im Vordergrund steht. Benoit beschloss, einem Tesla Model S den V8 aus einem 2010er Chevrolet Camaro zu verpflanzen – genauer gesagt einen 6,2 Liter großen LS3 mit 432 PS samt dazugehörigem 6-Gang-Schaltgetriebe. Verrückt? Definitiv – aber gerade deshalb auch ziemlich spannend.

Rich Rebuilds erstes Video zum LS-V8-Tesla (Dezember 2020)

Benoit ist in der autoaffinen Abteilung des Internets kein Unbekannter: Sein YouTube-Kanal Rich Rebuilds mit über 1,1 Millionen Abonnenten widmet sich ungewöhnlichen Umbauten, darunter nicht mehr ganz frischen Teslas, die publikumswirksam wiederbelebt und modifiziert werden. Im Zuge seiner Arbeit äußert Benoit auch immer wieder Kritik an Tesla und setzt sich vehement für eine bessere Ersatzteilversorgung ein, die auch unabhängigen Werkstätten und Bastlern die Arbeit an den Elektroautos erleichtern bzw. erst ermöglichen würde. Dass Tesla die Teile nicht einfach verkauft, wirft schon Probleme auf, wenn man ein Auto einfach langfristig fahrtüchtig halten möchte – der Bau eines Custom Cars auf Tesla-Basis wird dadurch allerdings nahezu unmöglich. Also zieht Benoit den einzig logischen Schluss: Ein aus dem Abwasser gerettetes Model S bekommt einen V8 verpflanzt, und sollten während des Umbaus Probleme mit dem Motor auftauchen, werden die benötigten Ersatzteile einfach bestellt. Ganz einfach also. Nicht.

Benoit beschreibt sich selbst als einen “Benzin-Typen, der Elektroautos mag”, und bringt damit die besten Voraussetzungen mit, um ein solches Projekt wirklich durchzuziehen. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei vom Team seiner auf Elektroautos spezialisierten Electrified Garage in Florida. Als Spenderfahrzeuge für den V8-Tesla dienen den ambitionierten Herren gleich drei Model S – zusätzlich zum Camaro, dem der LS3-V8, das Getriebe und der Tank entnommen wurden. Extensive Umbauten sind notwendig, um alle Komponenten unterzubringen, die normalerweise in einem Elektroauto keinen Platz finden. Zudem müssen zahlreiche Teile spezialangefertigt werden, was in manchen Fällen – beispielsweise bei der Antriebswelle – mehrere Monate in Anspruch nimmt (und alles andere als billig ist).

Seit der Vorstellung im Dezember (siehe oben) veröffentlicht der YouTuber kontinuierlich Updates, die einen Überblick über die Fortschritte geben:

Rich Rebuilds V8-Tesla: Update 1

Ein Tesla mit 6-Gang-Schaltgetriebe

Je weiter das Projekt voranschreitet, desto mehr Probleme verlangen nach kreativen, praxistauglichen Lösungen. Ein kleiner Auszug: Um den V8 in den “frunk”, also den früheren vorderen Kofferraum des Model S zu integrieren, muss dafür erst einmal der nötige Platz geschaffen werden. Das bedeutet unter anderem, auch die Servolenkung des Teslas rauszuschmeißen und eine eigene Motorhalterung zu bauen. Mit dem Motor alleine ist es aber noch lange nicht getan – der V8 bringt weitere neue Notwendigkeiten wie ein Kühlsystem, die Kraftstoffversorgung, eine Auspuffanlage und natürlich das 6-Gang-Schaltgetriebe mit sich. Für die Kraftübertragung auf die Hinterräder braucht es spezialangefertigte Achsen, und um die strukturelle Integrität des Wagens trotz fehlender Batteriegruppe zu gewährleisten, muss der Boden verstärkt werden. Hat man für all diese Probleme eine Lösung gefunden, wurde ein weiteres Kapitel noch gar nicht aufgeschlagen: Die Elektronik, die die kreativen Köpfe zwingen wird, noch um viele Ecken zu denken.

Tesla-Technik und der Camaro-V8

Update März 2021: Wieso dauert das so lang?

Mai 2021: Der erste Start

Im Mai 2021 war es dann endlich so weit – der V8-Tesla mit dem bezeichnenden Spitznamen ICE-T (“Internal Combustion Engine Tesla”) wurde das erste mal gestartet. Der Motor läuft – angesichts des Projektstatus natürlich noch nicht so, wie er soll, aber immerhin. Von der vollwertigen Vereinigung mit dem restlichen Fahrzeug ist er aber noch meilenweit entfernt. Obwohl Benoit prinzipiell nicht an hochwertigen Komponenten spart – so kommt etwa ein Haltech Elite 2500 ECU Steuergerät zum Einsatz – ist er daher zu Testzwecken auch für vorübergehende DIY-Lösungen offen: So wurde für den ersten Start eine improvisiertes Kraftstoffsystem mit Plastikeimer als Tank und eine Reihe von Lichtschaltern für die Stromversorgung von Zündung, Benzinpumpe und Starter genutzt.

An Kreativität scheint es den Herren also ganz offensichtlich nicht zu mangeln – und auch die Motivation ist ein halbes Jahr nach dem Projektstart nach wie vor hoch. Es ist also damit zu rechnen, dass der Tesla-V8 in nicht allzu ferner Zukunft seine erste Jungfernfahrt absolvieren und so manchen Passanten fassungslos zurücklassen wird. Wenn es so weit ist, findet ihr das entsprechende Video selbstverständlich auch hier.