Wie im Film

Eine der weltweit größten Sammlungen von Filmautos steht im Waldviertel. Die meisten davon sind auch dort entstanden, und sie spielen eine fröhliche Hauptrolle im Leben einer jungen Familie.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 27.08.2019

Ein Beitrag aus der autorevue September 2019

Das Waldviertel ist zwar keineswegs überlaufen, aber so leer ist die Landschaft auch wieder nicht, dass keine Bäume, Häuser, Hügel, Kurven oder ähnliche Hindernisse drin herumstünden. Dieser betrübliche Ausrutscher einer an sich wunderbaren Gegend hat bisher verhindert, dass Martin Hahn mit dem Batman-Motorrad eine Ausfahrt unternimmt, die über Schrittgeschwindigkeit und das eigene Grundstück hinausginge.

Wie im Film
© Bild: Andreas Riedmann
Brüder, irgendwie. Wer die gleichen Autos fährt wie ein Filmheld, will auch manchmal so aussehen.

Man muss dazu wissen, dass Batman sein Motorrad am Bauch liegend lenkte, mit den Füßen deutlich vom Bodenniveau entfernt, mit Händen weit vorne, es sah ein bissel aus wie ein Bauchfleck, aber Batman ist ja nicht im Waldviertel, sondern im Film, wo alles ein wenig leichter geht. Daher würde Batman auf die Frage, wie das Bike fährt, vermutlich nicht „Beschissen!“ sagen. Martin Hahn schon, und „man darf auch nicht vergessen: Wenn’s dich hinschmeißt, dann kannst Du etliche Teile von null weg neu anfertigen.“

Martin Hahn weiß das genau, denn er hat exakt das schon einmal gemacht, sonst würde sein kaum gefahrenes Batman-Motorrad jetzt nicht bei ihm in der Garage stehen: Dirt-Track-Reifen mit den gewünschten Proportionen fand er in den USA, und es gibt ein Bike-Modell im Maßstab 1 : 6. Also vergrößerte der Filmauto-Fan einfach alle anderen Teile des Modells maßstabsgetreu mit den Reifen, schweißte einen Alu-Rahmen und fertigte alle Verkleidungsteile aus Polyester, schliff, bis alles passte, befand einen luftgekühlten Briggs-&-Stratton-Motor als perfekt geeignet. Sollte jemand einen Salzsee ins Waldviertel bringen, dann steht der Testfahrt nichts im Wege. Im wörtlichen Sinn nicht.

Wenn aber beim Fahren etwas schief ginge, hätte Martin Hahn einen durchaus passenden Beruf fürs Ausbügeln der Folgen: Er ist selbstständiger Versicherungsagent, wiewohl eine Polizze gegen die Sturzfolgen eines Bauchlagen-Breitwalzen-Bikes vielleicht erst gebastelt werden müsste.

Wie im Film
© Bild: Andreas Riedmann

Familie macht mit

Die beste Polizze bei diesem Hobby aber ist Martin Hahns freudiges Wesen: Er pflegt den unkomplizierten, offenen Zugang zu Autos und Menschen, bleibt auch bei Höhenflügen mit beiden Beinen am Boden, und die Familie macht gerne mit. Johanna Reisinger verkleidet sich als Catwoman, wenn höchst stilvolle Auftritte gefragt sind, Armin (drei Jahre) und Leo (neun Monate) sind ohnedies in einem Alter, in dem man dem gepflegten Abenteuer nicht abhold ist, und Papas Garage ist deutlich größer als ein Smartphone-Bildschirm. Wegen der Familientauglichkeit hat Martin Hahn dem 1966er-Batmobil auch eine zweite Sitzbank einkonstruiert. Bevor die Karosserie aber völlig glatt ist, wird das Lackieren noch warten müssen, der Haufen Schleifstaub unter dem Auto ist jetzt schon üppig, und es wird noch einiges dazukommen. Weil der letzte Halbsatz aber für die gesamte Sammlung gilt, sind mittlerweile ein paar Hallen und Flugdächer gut belegt, und bei raren Autos ist natürlich auch die Ersatzteilhaltung wichtig. Ein lockerer Streifzug durchs Anwesen führt neben dem Batman-­Bike zu zwei Batmobilen (1966 und 1989), dem DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“, dem A-Team-Van, einem „Ghostbusters“-Cadillac, zwei K.I.T.T., einem Batman-Boot und allerlei Devotionalien und Kostümen, die die Sammlung nicht nur abrunden, sondern sozusagen die Zwischenräume mit Sinn füllen.

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© Bild: Andreas Riedmann
Familiensache. Johanna Reisinger, hier nicht als Catwoman gekleidet, ist ins Hobby ihres Mannes schon gut reingekippt, die Söhne Leo und Armin sowieso.

Ein langer Weg

Man sollte an dieser Stelle Martin Hahn lieber nicht nach seinem ersten Auto fragen, wiewohl auch ein sehr normaler Vierer-Golf sicher schon in manchem Film mitspielen durfte. Es folgte der übliche Aufstieg eines dynamischen Golffahrers, nach einem Fünfer kam der Sechser-GTI, „aber irgendwann war mir der VW Golf zu häufig und gewöhnlich.“ Da traf es sich gut, dass am Parkplatz der unerfüllten Träume schon lange ein K.I.T.T. parkte, wie er schnurstracks aus der „Knight Rider“-Serie in Martin Hahns Jugendjahre gefahren war. Der passende Pontiac Trans Am (nur echt mit Glasdach und 5,7-l-V8) fand sich in Dortmund, Heckspoiler, Motorhaube und Rücklichter reisten aus Mexiko, München und Holland an, die Armaturen fertigte ein begnadeter, aber nicht übertrieben hektischer Bastler in Florida. Er brauchte dazu fünf Jahre. 2009 war das Auto fertig und Martin Hahn als Versicherungsagent konkurrenzlos: Keiner seiner Kollegen konnte so auffällig vorfahren, keiner hatte bei der Anfahrt so viele freundliche Reaktionen eingeheimst, damit war auch keiner von so sonniger Grundstimmung beim Kundengespräch.

Bald danach fand die nächste Idee auf die Straße: „2010 hab ich mir in einer Sommeraktion den Bus des A-Teams gebaut“, sagt Martin Hahn, und der Bus hat den wunderbaren Vorteil, dass man keine ganz spektakulären Umbauten aushecken muss. Diese Leichtigkeit sollte den angehenden Sammler hier letztmals begleiten, denn es reifte schon der multiple Traum vom Batmobil, und zwar ordentlich: „Ich habe lieber etwas länger gespart und mir gleich beide Karosserien bestellt.“ Das Sparen ging hurtig, 2013 waren beide Karosserien im Waldviertel.

Batmobile als Mehrzahl

Man muss dazu wissen, dass das Batmobil in den USA eine rührige Liebhabergemeinde um sich schart. Marc Racop beispielsweise fertigt mit seiner Firma Fiberglass Freaks 1966er-Batmobile in allen Eskalationsstufen – vom Bausatz bis zum fertigen Auto, mit dessen Auspuff-Flammen man Polizisten das Hosenbein versengen könnte, würde man zum Pyrrhussieg-Humor neigen.

Martin Hahn hat eine unlackierte Karosserie bekommen und noch ein wenig zwecks Familientauglichkeit verfeinert, siehe oben. Außerdem hat er auch die Innenseiten der Türen aus GFK gebaut, jetzt dehnen sich alle Teile bei Temperaturschwankungen so gleichmäßig aus, dass Risse ausgeschlossen sind.

Wie im Film
© Bild: Andreas Riedmann
Aber bald! Richtig, hier fehlt noch was, aber Perfektion braucht Zeit, wenn Beruf und Familienleben nicht leiden sollen. Das 1966er-Batmobile hat jedenfalls so viele Fans, dass eine Firma von den Replikas gut lebt.

Das 89er-Batmobile ist noch nicht so wasserdicht, wie es sein sollte, es regnet im Waldviertel halt öfter als in Hollywoods Filmstudios. Erst nach finalen Dichtarbeiten wird Martin Hahn das originale Interieur montiert, das beim Filmdreh für Cockpit-Aufnahmen verwendet wurde. Es kam mit dem damals noch ziemlich zerfledderten „Ghostbusters“-Cadillac per Container über den Atlantik.

Wie im Film
© Bild: Andreas Riedmann
Sobald das 89er-Batmobil ausreichend wasserdicht ist für sein Cockpit mit Filmgeschichte, darf es aus eigener Kraft ausfahren.

Überhaupt, der Cadillac. So groß wie in echt hat das Trumm damals im Film nicht ausgeschaut, und für üppig dimensionierte Acht-Meter-Krankenwagen eines Luxusauto-Herstellers blieb der Markt überschaubar. „Rund 80 Stück wurden gebaut“, sagt Martin Hahn, „13 sind heute noch bekannt, und praktisch alle sind mittlerweile zu ‚Ghostbusters‘-Filmautos umgebaut.“

Wie im Film
© Bild: Andreas Riedmann
Volle Montur. Mit Aufbau überschreitet der Caddy die drei Meter, genau so muss es sein.

Martins Auto war eine abgebrochene Restaurierung, er hat dann einfach weitergemacht, alles zerlegt und sandgestrahlt, „aber auf mehrere Partien, auf einmal wäre sich das nie ausgegangen.“ Da ist ausnahmsweise nicht die Größe der Teile gemeint, sondern die Rechnung des Sandstrahlers. Die Mehrschicht-Lackierung hat er dann gemeinsam mit einem Freund aufgebracht, und was man für „Ghostbusters“-Aufkleber halten könnte, ist natürlich auch lackiert.

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© Bild: Andreas Riedmann
Straight from Maryland. Bis vor gut 20 Jahren war der Cadillac in den USA als Krankenwagen im Dienst, dann wollte eine Restaurierung nicht so recht klappen. Das Happy End wartete im Waldviertel.

DeLorean und noch ein K.I.T.T. 

Einmal hätte sich auch Martin Hahn fast das Schrauben erspart: Der DeLorean, die Zeitmaschine aus „Zurück in die Zukunft“, kam fertig ins Waldviertel, und er kam aus guter Hand: Erbauer Danny Botkin ist Chefmechaniker bei DeLorean in L.A., er hatte Zugang zu den Universal-Filmstudios, durfte beim Original-Filmauto Maß nehmen und Teile abmodellieren. So entstanden sieben Replikas, diese hier ist Nummer fünf. Nach seiner zweiten Scheidung brauchte Mister Botkin Geld.
„Ein paar Kabel waren in der falschen Farbe verlegt“, sagt Martin Hahn, das konnte natürlich nicht so bleiben.

Das Batman-Boot hat sich dann so ergeben, wie sich etwas ergibt, wenn eine Sammlung fröhlich ausufern darf. Es gehörte einem Briten, der seine Sammlung mit einer Marihuana-Plantage finanzierte. Konnte nicht gutgehen, vom Gefängnis aus ließ sich die Kollektion nicht beisammen halten. Sie wurde über die britische Regierung versteigert, ein paar Mitbieter musste Martin Hahn allerdings ausstechen. Und dann ein Boot von der Insel holen, wofür er aber den Landweg und einen Boots-Anhänger wählte.

Den K.I.T.T., mit dem 2009 alles begann, gibt’s natürlich noch immer: „Den habe ich mittlerweile zum bösen K.I.T.T. umgebaut, zum K.A.R.R., wie er in zwei Folgen vorkam. Da hatte eine Fehlprogrammierung eine Charakteränderung verursacht.“ Als Ersatz ist mittlerweile aber ein charakterlich einwandfreier K.I.T.T. nachgekommen, man kann ja nicht mit einem verschlagenen Auto bei Kunden vorfahren.

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© Bild: Andreas Riedmann
Gut sortiert. Ohne internationale Kontakte wäre Martin Hahns Sammlung deutlich kleiner, nur das Batman-Bike entstand praktisch ausschließlich in seiner Garage. Fehlt nur noch ein Salzsee zur Probefahrt.

Ganz oben

Spätestens hier ahnt man, dass Martin Hahn als Filmauto-Sammler schon längst in der obersten Liga mitspielt. Auf ähnlichem Level sammelt ein Japaner, der allerdings schrauben lässt und Autos lieber fertig kauft. Übertroffen wird er von einem New Yorker Sammler, der mit seinen Autos ein Museum bespielt. Der Mann schraubt nicht selbst, ist trotzdem immens reich und war nie für eine Fachsimpelei greifbar, als Martin Hahn die Autos bewunderte.

Überhaupt, die USA. „Englisch musst du mit dem Hobby schon können“, sagt Martin Hahn, und dann gibt’s da noch seine Freunde in Texas, die praktischerweise eine Ranch bewohnen, auf der sich zwischengelagerte Autoteile nicht sonderlich wichtig machen. Grad kommt er wieder von dort, mit etlichen Teilen für den Cadillac im Gepäck, und nein, da reden wir nicht von einem Reisekoffer oder dem Handgepäck.

Kann aus dem Filmauto-Hobby einmal ein Job werden? „Eher nein“, sagt Martin Hahn, „Geld kommt da kaum rein. Bei Festen werd ich aufs Essen und Trinken eingeladen, und bei Musikvideos geht’s überhaupt nur um den Spaß.“

Der wird auch daheim in der Garage noch etliche Jahre lang anhalten. Bei jedem Auto gibt’s irgendwann etwas zu optimieren, alle drei bis fünf Jahre gibt’s einen neuen Batman-Film, und kein Darsteller hat das Auto des Vorgängers übernommen. Im Studio werden die Autos zwar in rund sechs Wochen gebaut, „aber dort gibt’s keinen Anspruch auf Perfektion.“ Im Waldviertel schon.

Auch beruflich sind die vielen Filmautos natürlich hilfreich: Sollte ein anderer Versicherungsvertreter im K.I.T.T. bei Kunden vorfahren, dann wird Martin Hahn einfach ein Batmobil aus der Garage holen.