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Autofahren im Alter: Diskussionen um verpflichtende Überprüfung der Fahrtauglichkeit

Autofahren im Alter: Diskussionen um verpflichtende Überprüfung der Fahrtauglichkeit

Wäre die Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem gewissen Alter sinnvoll? Aus aktuellem Anlass flammt die Debatte derzeit wieder auf.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 13.07.2021

Nach einem Unfall in Oberösterreich, bei dem ein 86-Jähriger mit seinem Auto in einen Marktstand gefahren ist und dabei 13 Personen verletzt hat, ist das Thema “Autofahren im Alter” wieder Gegenstand von Diskussionen. Ein möglicher Ansatz zur Verringerung des Unfallrisikos wären verpflichtende Überprüfungen der Fahreignung ab einem gewissen Alter. An der Frage, ob das wirklich sinnvoll wäre, scheiden sich allerdings die Geister.

“Ältere Pkw-Lenkende verursachen überproportional oft Pkw-Unfälle. Die meisten der tödlichen Unfälle (92 Prozent, 2015 – 2019), an denen über 84-jährige Pkw-Lenkende beteiligt waren, wurden auch von ihnen verursacht”, heißt es in der Verkehrssicherheitsstrategie 2021-2030 des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Klar ist: Mit fortschreitendem Alter gehen oft auch gesundheitliche Probleme einher. Häufig lassen die Sehkraft und/oder das Hörvermögen nach, aber auch eine verminderte Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit sowie Einschränkungen der Beweglichkeit können die Fahrtauglichkeit negativ beeinflussen. Dazu kommt das erhöhte Risiko für verschiedene Erkrankungen, die die Sicherheit am Steuer beeinträchtigen können.

Eigenverantwortung laut StVO

In der StVO (§ 58, Abs. 1) ist festgehalten, dass ein Fahrzeug nur lenken darf, “wer sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, in der er ein Fahrzeug zu beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften zu befolgen vermag”. Die Verantwortung dafür trägt der Lenker selbst. In der Praxis setzen sich trotzdem auch Menschen ans Steuer, die diese Voraussetzungen nicht (mehr) erfüllen. Dahinter steht nicht unbedingt ein Vorsatz: Es ist anzunehmen, dass vielen ihre Fahruntauglichkeit gar nicht bewusst ist oder sie sich diese zumindest nicht eingestehen möchten.

Abweichende Regelungen in europäischen Ländern

Ein ärztliches Gutachten, das die Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen nachweist, brauchen in Österreich alle Führerscheinwerber. Danach wird die Fahrtauglichkeit in den Klassen AM, A1, A2, A, B und BE im Normalfall nicht mehr überprüft.

Anders ist das bei den Klassen C, CE, C1, C1E, D, DE, D1, D1E oder anderen befristeten Lenkberechtigungen: Hier ist bei jeder Verlängerung ein ärztliches Gutachten vorzulegen. Diese Regelungen entsprechen der EU-Führerschein-Richtlinie RL 2006/126/EG. In einigen europäischen Ländern sind darüber hinaus auch für Pkw- und Motorrad-Lenker verpflichtende ärztliche Untersuchungen ab einem gewissen Alter und in bestimmten Intervallen vorgeschrieben.

Auch in Österreich wurde die Einführung von Fahrtauglichkeits-Überprüfungen oder “Altersgrenzen” beim Führerschein immer wieder diskutiert. Aus aktuellen Anlass flammt die Debatte aktuell wieder auf – dass die regelmäßige Überprüfung der Fahreignung für Führerscheinbesitzer ab einem gewissen Alter in naher Zukunft verpflichtend werden, ist aber unwahrscheinlich.

Geplante Maßnahmen

In der eingangs erwähnten “Verkehrssicherheitsstrategie 2021-2030” des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie werden die in vielen EU-Ländern verpflichtenden Fahrtauglichkeits-Überprüfungen als “ineffizient und fehleranfällig” bezeichnet. Stattdessen finden sich in dem Papier mehrere andere Maßnahmen, die das Unfallrisiko für ältere Verkehrsteilnehmer verringern sollen. Dazu zählen etwa die “Entwicklung und Testung noch treffsicherer Maßnahmen für die Erkennung von Demenz und anderen kognitiven Einschränkungen am Steuer”, Online-Angebote zum Selbstcheck, Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige, die an der Fahrtüchtigkeit eines Familienmitglieds zweifeln oder auf freiwilliger Basis durchgeführte Test zur Überprüfung der eigenen „Fitness to drive”. Auch müsse insbesondere am Land sichergestellt werden, dass die Mobilität älterer Menschen durch alternative Angebote auch nach der Führerscheinabgabe sichergestellt ist.

KfV gegen verpflichtende Checks

Auch das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) spricht sich gegen verpflichtende Gesundheits-Checks für ältere Autofahrer aus: “Das Unfallrisiko zwischen 27 und 81 Jahren ist annähernd gleich”, sagte Klaus Robatsch, Leiter des Bereichs Verkehrssicherheit im KfV. Ab 82 Jahren würde das Risiko allerdings ansteigen. Dieses Manko würden ältere Autofahrerinnen und Autofahrer aber oft durch sicheres Fahrverhalten ausgleichen. “Sie fahren etwa kaum schnell”, sagte Robatsch. Unter 27 Jahren sei das Unfallrisiko zudem ebenfalls höher. Zudem sei die Effektivität von medizinischen Überprüfungen nicht erwiesen: In Ländern, in denen diese vorgeschrieben sind, sei die Unfallstatistik bei Senioren trotzdem ähnlich, so das KfV. Stattdessen wird an die Eigenverantwortung appelliert.

Für ältere Verkehrsteilnehmer gibt es die Möglichkeit, an speziellen Fahrsicherheitstrainings oder Kursen zur Stärkung der Verkehrskompetenz teilzunehmen. Auch beim Arzt kann man überprüfen lassen, ob die Fahrtauglichkeit noch gegeben ist.