Henry Ford und sein Modell T.
Henry Ford und sein legendäres Modell T.
 

Henry Ford

Das Leben von Henry Ford hat Geschichte gemacht. So umstritten heute einige seiner Ansichten und Taten sein mögen, so klar ist auch, dass Henry Ford einer jener großen Wegbereiter unserer Zeit war, wie es später beispielsweise Steve Jobs werden sollte.

13.10.2017 Online Redaktion

Tatsächlich gab es einige Parallelen zwischen diesen großen Industriedesignern. So sagte Ford einmal: „Hätte ich getan, was die Kunden wünschen, hätte ich ein schnelleres Pferd konstruiert“. Auch Steve Jobs hielt sich später an denselben Grundsatz: Kunden können dir nicht verraten, was als Nächstes zu tun ist! Dennoch gab es auch eine dunkle Seite Fords, die in Biographien gerne außer Acht gelassen wird.

Henry Fords Laufbahn

Henry Ford wurde am 30. Juli 1863 auf einer Farm in Michigan, nahe Detroit geboren. Seine Eltern waren William Ford und Mary Litogot O’Hern, zwei Einwanderer aus Irland. Er war der älteste Sohn von insgesamt sechs Geschwistern.

Ford wurde in eine Zeit geboren, in der Pferdekutschen und Fuhrwerke, das Fortbewegungsmittel der Wahl waren. Die wenigen Maschinen, wahre Ungetüme, fanden sich auf Farmen im Umkreis. Henry Ford interessierte sich schon früh für Technik. Mit dreizehn Jahren erhielt Henry von seinem Vater eine Taschenuhr. Diese zerlegte der Junge prompt in ihre Einzelteile und baute sie darauf wieder zusammen. Freunde und Nachbarn zeigten sich beeindruckt und baten ihn daraufhin, auch ihre Uhren zu reparieren. Seine Eltern förderten dieses Talent, indem sie ihm eine kleine Werkstatt im elterlichen Haus einrichteten, wo der junge Tüftler begeistert alles Technische genau unter die Lupe nahm.

Henry Ford Museum
© Bild: Keystone/Getty Images

Das Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan, dem Geburtsort von Henry Ford. (ca. 1950)

Schulisch blieb Henry eine weiterführende Ausbildung aufgrund der dörflichen Strukturen vorerst verwehrt. Sobald es ihm möglich war, brach Ford aber aus dem ländlichem Rahmen aus und zog mit sechzehn Jahren zu einer Tante nach Detroit. In der Stadt fand er Anstellung als Maschinist bei einem Schiffsbauunternehmen. Bei seiner Tätigkeit bekam er vor allem die Möglichkeit, an Motoren zu arbeiten. Somit war er seinem Traum, Ingenieur zu werden, einen guten Schritt näher gekommen.

Henry Ford wechselte mehrmals die Unternehmen. Zeitweise arbeitete er auch wieder am Land und reparierte dort Landwirtschaftsmaschinen. Immer jedoch blieb er der Technik treu.
Seine frühe berufliche Karriere gipfelte damit, dass er 1893 mit rund 30 Jahren, Chefingenieur bei der Edison Illuminating Company wurde. Dem ebenso berühmten Firmengründer und Visionär Thomas Alva Edison war Ford Zeit seines Lebens in Freundschaft verbunden.

Henry Ford und Thomas Edison
© Bild: Henry Guttmann/Getty Images

Henry Ford und Thomas Edison.

Henry Fords erste Automobile

Finanziell abgesichert durch seinen guten Job bei Edison begann Henry Ford in seiner Freizeit Automobile zu konstruieren. Damals sprach man noch von „Pferdelosen Kutschen“. Dies tat er in einem Schuppen hinter seinem Haus. 1892 konstruierte Ford schließlich seinen ersten Benzin betriebenen Wagen.

Nachbau des Ford Arbeits-Schuppen
© Bild: Keystone Features/Getty Images

Nachbau des ersten Ford Arbeits-Schuppen in der Bagley Avenue in Detroit mit dem Quadricycle.

Eines seiner ersten Modelle taufte er 1896 „Quadricycle“, denn für den Erfinder war es eine Weiterentwicklung des Bicycle, des Fahrrades also. Das Quadricycle verfügte über einen eigens von Ford entwickelten Verbrennungsmotor. Im selben Jahr konnte er seine Automobilpläne und Modelle einigen Managern und Thomas Alva Edison selbst vorstellen. Dieser bestärkte ihn ein zweites, verbessertes Modell zu konstruieren.

Henry Ford und sein erstes Automobil
© Bild: Spencer Arnold/Getty Images

1896: Henry Ford schiebt sein erstes Automobil, das Quadricycle.

Fords Rückschläge und ungebrochenes Vertrauen

Im Jahr 1899, nachdem Ford von Investoren finanziert worden war, konnte er seine Stellung bei Edison aufgeben und sich hauptberuflich seinen Automobilen widmen.

Diese erste Firma trug noch nicht den Namen „Ford“, sondern hieß „Detroit Automobile Company“ und war eine von 60 aufstrebenden Automobilherstellern in ganz Amerika. Zuerst setzte Ford auch auf LKWs, die ihm jedoch keinen Verkaufserfolg einbrachten. Schon im zweiten Jahr ging die Firma bankrott. Fords Investoren behielten aber das Vertrauen in ihn und ermöglichten einen zweiten Versuch. Diesmal unter dem Namen „Henry Ford Company“. Auch dieser scheiterte.

Das lag auch daran, dass anfangs die Menschen von Automobilen nicht wirklich überzeugt waren. Die motorisierten Gefährte galten als unzuverlässig und unsicher. Der deutsche Kaiser Wilhelm sagte zu dieser Zeit zum Beispiel: „Ich glaube an das Pferd. Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung“.

Nichtsdestotrotz versuchte es Ford erneut. Die „Ford Motor Company“ wurde 1903 geboren.

Henry Fords Rennen um Aufmerksamkeit

Schon während seiner Zeit bei der Detroit Automobile Company erkannte Ford, dass die schnellste Methode, Aufmerksamkeit zu erregen jene war, sich mit Rennsiegen einen Namen zu machen. So konstruierte er einen Rennwagen mit dem Namen „999“, getauft nach der damals schnellsten Dampflokomotive. Diesen Flitzer schickte er auf Promotions-Tour durch das ganze Land. Der Rennwagen erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 140 km/h. Unvorstellbar für die damalige Zeit. Ford selbst fuhr ein Rennen gegen den damals bekanntesten Rennfahrer, Alexander Winton, in einem anderen Rennwagen genannt „Sweepstakes“. Ford gewann das Rennen, nachdem der Motor seines Gegners überhitzte, mit über einem Kilometer Vorsprung.

Ford Motor Company

Ford wollte keinen Wagen für die Reichen bauen, wie viele seiner Konkurrenten und wie es auch viele seiner Investoren gerne gesehen hätten, sondern ein Automobil für jedermann. Bereits Wochen nach der Gründung stellte die Ford Motor Company ihr erstes Modell vor. Einen Zweisitzer mit 8PS-Motor. Sein erster Kunde war ein Zahnarzt. Innerhalb der ersten zwei Jahre konnte Henry Ford bereits mehr als 1.000 Autos verkaufen. Jeden Tag produzierte das Unternehmen 25 weitere Automobile!

Auch stellte Henry Ford die Produktionsweise radikal um. War es früher üblich, dass Autos von Hand in Teams gefertigt wurden und jedes Team ein Auto von vorne bis hinten konstruierte, führte Ford die Arbeitsteilung ein. Die Mechaniker wanderten von Fahrzeug zu Fahrzeug und bauten nur bestimmte Teile ein. Generell musste fortan jedes gefertigte Fahrzeug bis hin zur Farbe den anderen exakt gleichen. Ford leitete damit die Veränderung der Handwerksfertigung hin zur hocharbeitsteiligen Massenfertigung ein. Henry Ford: „Sie können einen Ford in jeder Farbe haben – Hauptsache er ist schwarz“. Heute wird dieser Schritt als die erste Revolution der Automobilindustrie angesehen.

Henry Ford und sein Modell T.
© Bild: Getty Images

Henry Ford und sein legendäres Modell T.

Ford Modell T

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit stellte Henry Ford im Herbst 1908 das Modell T, mit dem Spitznamen Tin Lizzie, vor. Insgesamt wurden 15 Millionen Modell Ts über die Jahre hergestellt. Ein riesiger Verkaufsschlager. Tin Lizzie blieb bis in die 70er Jahre das meistverkaufte Auto und wurde erst dann vom VW Käfer abgelöst.

Das Modell T hatte einen Vierzylinder mit einem 20PS Motor und erreichte in der Spitze knapp 70 Stundenkilometer. Es war unverwüstlich konstruiert und Ersatzteile konnte man zur damaligen Zeit in jedem Eisenwarenladen entweder gleich erwerben oder bestellen. Das Modell T ist so unverwüstlich, dass 100 Jahre später noch immer 1 Prozent der Wagen erhalten sind!

Anfangs kostete ein Modell T 850 US-Dollar, was knapp 18.000 Euro heutiger Kaufkraft entspricht und etwa gleichauf liegt mit den heutigen Kosten für einen Ford Focus.

Henry Ford und die Fließbandarbeit

Mit Umstellung auf Fließbandarbeit im Jahr 1913 konnte Ford den Preis des Modell T auf 370 Dollar senken. Erfunden hatte Ford die Fließbandarbeit jedoch nicht. Vielmehr schaute er sich diese Fertigungsmethode von den Schlachthöfen Detroits ab. Innerhalb der nächsten Jahre war jedes 2. Auto auf Amerikas Straßen ein Modell T.

Mit der Umstellung auf Fließbandarbeit, Henry Ford soll übrigens bei den ersten Versuchen persönlich die Zeit gemessen haben, sank die Montagezeit der Autos von über 12 Stunden auf nur eineinhalb Stunden. Zwar erfand Ford die Fließbandarbeit nicht, aber er perfektionierte sie. Damit revolutionierte er die Automobilindustrie ein weiteres Mal.

Ford Fertigungsstraße
© Bild: Photo by Hulton Archive/Getty Images

1913: Fords erste bewegliche Fertigungsstraße in Highland Park.

In Fords Fabrik wurden nicht alleine Automobile konstruiert. Henry Ford widmete sich, als er mit seinem Modell T zufrieden war, auch weiteren Unternehmungen. Dazu gehörten der Schiffsbau, Wasserkraftwerke, Eisenbahnbau, Immobilienbau, Radios, Flugzeugbau, Holzbau sowie Entwicklungen für den Bergbau.

Es kamen aber auch neue Probleme auf. Die Arbeiter entfremdeten sich immer mehr von ihrer Arbeit. Die oftmalige Monotonie der immer gleichen Handgriffe verfolgte manchmal die Arbeiter bis in ihre Träume. Und so war die Fluktuation in der Firma enorm. Für 100 Stellen musste Ford manchmal bis zu 1000 Arbeiter innerhalb eines Jahres neu anstellen.

Ford Fabrik mit Modell T
© Bild: Hulton Archive/Getty Images

Die Ford Motor Company Fabrik mit Reihen neuer Modell T Automobile.

5 Dollar Lohn für ein tadelloses Leben

Der Autopionier musste reagieren und so schuf er den 8 Stunden Arbeitstag, führte die 5-Tage-Woche ein und bezahlte 5 Dollar Mindest-Tageslohn, was mehr als doppelt so hoch war, wie die Löhne der anderen Hersteller.

Auch hier zeigte Ford, dass er ein Visionär war: Ein wesentlicher Hintergedanke der verhältnismäßig guten Bezahlung war, eine kaufkräftige Arbeiterschaft zu schaffen. Diese neue Arbeiterschicht, sollte sich die Produkte der Massenproduktion, und somit auch seine Autos, leisten können.

Um der monotonen Arbeit in den Produktionshallen entgegenzuwirken, wurde versucht, es den Arbeitern so angenehm wie möglich zu machen. Sie waren immer gut durchlüftet, auf Sauberkeit wurde geachtet und die Hallen wurden mit Licht durchflutet.

 

Fließbandarbeit in der Ford Fabrik
© Bild: Hulton Archive/Getty Images

Fertigungsstraße in der Ford Motor Company Fabrik in Dearborn.

Landesweit überschlugen sich die Medien mit Artikeln. Alleine die New York Times berichtete 35 Mal darüber. Jedoch war dieser Lohn keineswegs garantiert, vielmehr mischte sich Henry Ford sogar in das Privatleben seiner Arbeiter ein.

Es gab eine eigene Abteilung in der Firma, deren Angestellten die Arbeiter sogar zu Hause besuchten und ihre Lebensumstände auskundschafteten. War alles ordentlich? Lebte man nicht in wilder Ehe? Trank man nicht zu viel? Ford wollte das alles wissen, denn er wollte die Arbeiter, oftmals Immigranten, zu „guten Amerikanern“ nach seinen Vorgaben erziehen. Trotz dieser Totalüberwachung konnte Ford sich vor Bewerbern nicht mehr retten und die erste große Krise des Unternehmens war gemeistert.

 

Ford-Arbeiter
© Bild: Fox Photos/Getty Images

Fabriksarbeiter vor der Ford-Fabrik in Detroit (ca. 1930).

Henry Ford und die Medien

Ford genoss es, in den Medien zu stehen. Ruhm war ihm sicherlich sogar ein größerer Antrieb als Reichtum. Henry Ford gründete eine eigene Abteilung, die Filme als Eigenwerbung drehte, welche dann landesweit in die Kinos kamen. Ford: „Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist“ und „Wer nicht wirbt, stirbt!“.

Ford inszenierte sich als genialen Autobauer, der aber privat das einfache Leben schätzte und nicht den Boden unter den Füßen verloren hatte. Gleichzeitig zeigte er sich aber auch gerne mit Berühmtheiten.

Erster Weltkrieg und die Zeit danach

Im ersten Weltkrieg baute Henry Ford für das Militär Schiffe, die gegen U-Boote eingesetzt wurden. Er experimentierte auch mit Panzern. Modell Ts wurden zu Krankenwagen umgerüstet. Nach dem Krieg setzte das Automobil seinen Siegeszug fort. Das Straßennetz in den USA wurde immer mehr ausgebaut und das Modell T blieb das meist verkaufte Auto, obwohl es jetzt schon etwas in die Jahre gekommen war.

Während des ersten Weltkrieges überwarf sich Henry Ford immer mehr mit seinen Investoren, allen voran den Gebrüdern Dodge, die auch ein konkurrierendes Automobilunternehmen führten. Die Investoren untersagten Ford, in ein neues Fabrikgelände zu investieren und pochten auf eine höhere Dividende. Ford unterlag vor Gericht und musste seinen Investoren jeweils bis zu 20 Millionen Dollar zahlen.

Ford übergab die Leitung seiner Firma an seinen gerade einmal 25-jährigen Sohn Edsel. Dieser hatte eine elitäre Ausbildung genossen und früh auf allen Ebenen der Firma gearbeitet. Im Unternehmen erfreute er sich großer Beliebtheit. Allerdings war Edsel dennoch relativ unerfahren um ein Unternehmen mit 45.000 Angestellten zu leiten. Die Aktionäre gerieten beinahe in Panik.

© Bild: Keystone Features/Getty Images

Henry Ford zwischen dem 10-Millionsten Modell T und seinem ersten Automobil, dem Quadricycle.

Henry Ford legte nach und kündigte an, ein Konkurrenzunternehmen zu gründen, überall in den USA Fabriken zu bauen und bis zu 200.000 Mitarbeiter einzustellen. Er versprach sogar, ein Auto zu bauen, das nur 300 Dollar kosten würde und somit billiger wäre als das Modell T.

Insgeheim wies Edsel währenddessen auf Geheiß seines Vaters eine Bank an der Ostküste an, an die Aktionäre heranzutreten und ihnen anzubieten, die Aktien zu kaufen. Und tatsächlich: Einer nach dem anderen verkaufte. So waren die Fords endlich wieder die Herren im eigenen Haus.

Henry und Edsel Ford

Obwohl Edsel nun dem Unternehmen vorstand, war es immer noch Henry, der die wichtigsten Entscheidungen traf und teilweise, wie eh und je, detailversessen auf jede Kleinigkeit achtete. Auffällig wurde das beim Bau der neuen Fabrik am River Rouge, der damals größten Fabrik der Welt, wo Henry sogar die Lage der Mauer und jeder Schiene genau kontrollierte. Nur in Bereichen, die den Vater weniger interessierten, wie zum Beispiel dem Vertrieb oder verschiedenen Tochtermarken durfte Edsel eigene Entscheidungen treffen, was er auch mit großem Erfolg tat.

Henry Ford und Sohn Edsel Ford
© Bild: Herbert/Fox Photos/Getty Images

Henry Ford und sein Sohn Edsel Ford an Henrys Drehbank, die er 1894 kaufte um seine frühen Ideen umzusetzen. (ca. 1930, Eröffnung der Ford Industrial Exhibition in New York)

In den 20er Jahren war das Modell T dann endgültig aus der Mode gekommen, denn die Konkurrenten boten modernere Wägen mit mehr Extras und größeren Personalisierungsmöglichkeiten an. Auch kam es immer mehr in Mode, Autos zu finanzieren, was Henry Ford bislang ablehnte. Nach langem Hin und Her und auf Drängen Edsels konnte Henry dann doch überzeugt werden, ein neues Modell auf den Markt zu bringen. Henrys eigentliche Stärke, seine Beharrlichkeit, hatte sich hier in Sturheit verwandelt. Der Modellwechsel hätte früher von statten gehen müssen, was nun stark sinkende Verkaufszahlen mehr als deutlich unterstrichen. Das neue Automodell hieß Modell A und wurde wiederum millionenfach verkauft.

Fordlandia: Henry Fords Utopia

In den 20er Jahren kaufte die Ford Motor Company ein 10.000km² großes Stück Land im Amazonas-Gebiet um dort Kautschuk für Autoreifen anzubauen. Eine Kleinstadt für 8.000 einheimische Arbeiter entstand. Henry Ford wollte, dass die Arbeiter nach seinen Idealen ein gutes amerikanisches Leben führen sollten. So gab es z.B. ein Rauch- und Alkoholverbot. Ansonsten wurde wenig von den Versprechungen gehalten. 1930 kam es schließlich zu einem Aufstand gegen die strikten Vorschriften, der sogar vom Militär niedergeschlagen werden musste. Als dann der synthetische Gummi erfunden wurde, wurde das Projekt eingestellt. Es war eine Fehlinvestition von 25 Millionen US-Dollar.

© Bild: Henry Guttmann/Getty Images

Henry Ford (ca. 1930)

Der Ford Hungermarsch und die große Depression

Mit dem Crash der New Yorker Börse nahm 1929 die schlimmste Wirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts ihren Lauf. Millionen Menschen verloren ihre Arbeitsplätze und ihr Vermögen. Der Glaube an die Marktwirtschaft war zerstört.

Anfangs überstand Ford die große Depression recht gut, denn es hatte viele Vorbestellungen für das Modell A gegeben und die Firma reagierte auch, indem sie die Preise für seine Fahrzeuge senkte. Als dann schlussendlich auch Ford Angestellte in Massen entlassen musste, kam es am 7. März 1932 zu Demonstrationen vor der River Rouge Fabrik. Die legendäre Demonstration ist heute unter dem Namen „Ford Hungermarsch“ bekannt. Die Situation eskalierte und die örtliche Polizei griff brutal an, versprühte Tränengas und schlug auf die Demonstranten ein. Schließlich feuerten Polizei und Fords Sicherheitsbeamte sogar in die Masse. Es gab Tote und Verletzte ‒ in vielen Fällen handelte es sich um Schussverletzungen. Der Ford Hungermarsch zählt heute zu einer der bedeutendsten Auseinandersetzungen in der Geschichte der US-amerikanischen Arbeiterbewegung.

Als die Krise abflaute, setzte Ford auf die V8-Technologie. Nach den kargen Jahren der Depression wollten die Menschen luxuriöse, stark motorisierte Wagen fahren. Der Plan ging voll auf.

Fords Arbeiter erstreiken sich Gewerkschaften

In den 30er Jahren spitzte sich das Verhältnis zwischen Arbeiterschaft und Eigentümern erneut zu. Henry Ford hatte nie Gewerkschaften in seinen Unternehmen geduldet. Vereinzelt wurden Gewerkschafter sogar vom Sicherheitsdienst zusammengeschlagen, wenn sie die Fabrikgelände betreten wollten.

Aber erst 1941, als die Arbeiter der Walzstraße in Streik traten und so die Produktion ohne Stahl dastand, sah sich Henry Ford zum Handeln gezwungen und es kam zu Tarifverhandlungen. Sein Vertrauter Harry Bennett, der sich einen zweifelhaften Ruf im Umgang mit Gewerkschaftern erworben hatte, wollten jedoch stur bleiben. Erst ab 1945, als Henry Ford und Harry Bennett das Unternehmen verließen, kam es zur Gründung einer gewerkschaftlichen Organisation.

Zweiter Weltkrieg

Im zweiten Weltkrieg stellte die Ford Motor Company komplett auf Kriegsproduktion um. Man stellte unter anderem Jeeps, Panzer und sogar Flugzeuge her. Henry Ford war nun bereits um die 80 Jahre alt und wollte deshalb immer mehr an seinen Sohn Edsel abgeben. Dieser hatte aber selbst mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Edsel Ford starb schließlich 1943 mit nur 49 Jahren an Magenkrebs.

© Bild: Keystone/Getty Images

Ford Mk VI: Bewaffnete und gepanzerte Fahrzeuge in Ireland (ca. 1940).

Anfangs traute Henry Ford keinem seiner Enkelkinder zu, große Verantwortung im Familienunternehmen zu übernehmen. Erneut setzte er sich selbst an die Spitze des Unternehmens. Die US-Regierung wusste nicht, wie sie auf die Situation reagieren sollte. Immerhin war das Unternehmen Ford kriegswichtig. Es gab Überlegungen, externe Manager zu bestellen oder die Firma gleich ganz zu verstaatlichen. Schließlich entschied sich Henry Ford doch zugunsten seines Enkels Henry Ford II. Dieser wurde eigens aus dem Kriegsdienst zurückberufen um Einfluss auf den Großvater auszuüben. Allerdings übergab Henry Ford erst mit Kriegsende am 21. September 1945 den Vorsitz an seinen Enkel.

Wer war Henry Ford?

Ford war ein schlanker, beinahe hagerer Mann. Diszipliniert, im Anzug gekleidet und über die Jahrzehnte mit beinahe unveränderter Frisur, wirkt Henry Ford auf Fotos stets adrett, immerzu in sich gekehrt mit leicht abwesendem Blick.

Ford war ein Boss, der seine Mitarbeiter begeistern konnte und sie zu Höchstleistungen antrieb. Ein Mitarbeiter erinnerte sich: „Wenn ihm ein Vorschlag gefiel, sah man das an einem Flackern in seinen Augen und an einem zustimmenden Lächeln“.

Henry Ford war sehr locker und liebte den Square-Dance. Er scherzte viel mit den Arbeitern und hätte sich vermutlich am liebsten selbst unter jedes Auto gelegt. Das sah man dem so streng wirkenden Mann nicht wirklich an. Auch war er voller Ideen und so stellte die Firma alle paar Monate ein neues Modell vor und wanderte bei der Bezeichnung quer durch das Alphabet.

1888 heiratete Henry Ford mit 24 Jahren die 21jährige Clara Jane Bryant. Das Paar hatte einen Sohn, Edsel Bryant Ford, der im Jahr 1893 geboren wurde. 1915 bezogen Henry Ford und seine Frau Clara das über 500ha große Anwesen „Fair Lane“, das nicht etwa in einer Gegend der Reichen in Detroit, sondern nahe seiner Geburtsstadt lag. Die beiden lebten sehr zurückgezogen und empfingen nur wenig Besuch. Henry liebte es zu jagen oder sich als Bauer zu betätigen.

Henry und Clara Ford
© Bild: Keystone Features/Getty Images

15th August 1946: Henry Ford und seine Frau Clara fahren im ersten Ford-Auto, dem Quadricycle.

Die 59-jährige Ehe zwischen Henry und Clara soll sehr solide gewesen sein. Dennoch dürfte er auch ganze dreißig Jahre lang eine Geliebte, die temperamentvolle junge französisch-kanadische Privatsekretärin Evangeline Cote, gehabt haben. Es wird vermutet, dass Evangelines Sohn John Dahlinger, der uneheliche Sohn von Henry Ford gewesen sei.

Seinen eigenen, sehr begabten Sohn Edsel erzog Henry Ford mit dem Ziel, das Familienunternehmen später einmal zu leiten. Zusammen mit seinem Vater entwickelte er Automodelle, wobei sich Henry eher auf die Technik und Edsel mehr auf das Design konzentrierten. Generell dürfte Henry seinem Sohn Edsel ein sehr strenger und dominanter Vater gewesen sein. Während Henry ein Mann mit strikten Prinzipien und zurückgezogener Lebensweise war, bevorzugte Edsel einen sehr ausgelassenen Lebenswandel.

Obwohl Edsel inzwischen Präsident der Ford Motor Company war, schien ihm sein Vater kein Vertrauen zu schenken, weshalb Edsel trotz allem keine rechte Entscheidungsgewalt erhielt. Als Edsel das Verwaltungsgebäude wegen Überfüllung vergrößern wollte, stoppte Henry Ford die Bauarbeiten sofort. Ein Neubau sei unnötig. Henry verbot, das Loch für die neuen Fundamente zu schließen, damit Edsel dieses jeden Tag aufs Neue sehen musste.

In den späten 1920er Jahren zog die Familie Ford schließlich in den Elite-Detroit-Vorort „Grosse Pointe Shores“ um. Diese Veränderung belastete die ohnehin angespannte Vater-Sohn-Beziehung weiter.

Nicht nur seinem Sohn misstraute Henry Ford. Er duldete in der Firma keine Entwicklungen, wenn er nicht selbst an deren Spitze stand. Als Henry Ford einen Sommer in Europa verbrachte, wagte es die Entwicklungsabteilung einen Prototypen zu bauen. Als er zurückkam, zerstörte Ford den Wagen eigenhändig.

Henry Ford hatte jedoch auch eine weitere, zumindest aus heutiger Sicht der Dinge, düstere Seite. Der damals in den Vereinigten Staaten weit verbreitete Antisemitismus wurde auch von Ford verinnerlicht. So vertrat Henry Ford beispielsweise die Ansicht, dass Juden den Jazz erfunden hätten um Amerika zu korrumpieren und zu dominieren. Auch versuchte er zu beweisen, dass Juden hinter dem Lincoln-Attentat steckten.

Mit seinem Buch „The International Jew: The World’s Problem“ veröffentlichte Ford 1920 ein Buch voller antisemitischer Pamphlete, die er zuvor auch im „Dearborn Independent“ hatte veröffentlichen lassen. Darin beschuldigte er das „Weltjudentum“, sich zusammengeschlossen zu haben, um über den Wirtschaftssektor die Weltherrschaft zu erringen. Adolf Hitler bezeichnete Henry Fords Buch als große Inspiration. Bei der NSDAP erfreute sich das Buch großer Beliebtheit. Ford machte nun keineswegs Halt, sondern veröffentlichte kurz darauf unter dem Titel „Protokolle der Weisen von Zion” ein weiteres antisemitisches Werk. Darin enthalten war eine Sammlung fiktiver Protokolle, die die Weltverschwörung des „internationalen Judentums“ belegen sollten.

1938 wurde Henry Ford zu seinem 75. Geburtstag sogar vom deutschen Botschafter in Cleveland unter Beisein von 1.500 prominenten Detroitern gewürdigt. Der Botschafter Karl Knapp verlas dabei eine Pergamentrolle, die von Adolf Hitler selbst unterzeichnet worden war. Außerdem wurde Ford der höchste Orden des nationalsozialistischen Deutschland für Ausländer, das Goldkreuz des Adlerordens verliehen.

Henry Ford und die Wohltätigkeit

Viele der amerikanischen Industriellen um die Jahrhundertwende waren Philanthropen und nützten Teile ihrer riesigen Vermögen, um wohltätige Zwecke zu finanzieren oder die schönen Künste zu unterstützen. Henry Ford war hier keine Ausnahme, allerdings misstraute er jeder Form der institutionalisierten Wohltätigkeit. Für ihn sollte eine Spende ein privater und individueller Akt sein. Etwas, das spontan auf Seiten des Spenders, unerwartet auf Seiten des Empfängers und eine Geste ohne Berechnung sein sollte. Trotzdem wird geschätzt, dass Henry Ford ein Drittel seines Einkommens für wohltätige Zwecke ausgegeben haben soll. Henry spendete manchmal alles Geld, was er bei sich trug, wenn ihm persönlich menschliches Unglück begegnete.

Friesensschiff Oscar II
© Bild: Topical Press Agency/Getty Images

Das “Friedensschiff” Oscar II, das von Henry Ford gechartert wurde um Kriegsgegner zum Frieden zu bewegen.

Nichtsdestotrotz unterstützte Ford auch einige Großprojekte. Er baute ein Waisenheim und finanzierte ein „Friedensschiff“, das während des ersten Weltkrieges nach Europa aufbrach, um die Kriegsgegner zum Frieden zu bewegen. Außerdem eröffnete eine Schule für Afroamerikaner in Georgia. In Detroit finanzierte er das Henry Ford Krankenhaus, das sich speziell an Arbeiter wandte. Hier war ihm jedoch wichtig, dass auch die Arbeiter einen Teil der Behandlungskosten zahlten, um ihre Würde zu bewahren.

In Dearborn eröffnete er ein Museum amerikanischer Zeitgeschichte, in dem er viele Erinnerungstücke bedeutende Erfinder und politischer Führer ausstellte. Henry Ford hatte solche vor allem technische „Zeitzeugen“ während seines ganzen Lebens gesammelt. Das Museum ist eines der bedeutendsten des Landes und wurde 1929 von Präsident Hoover eröffnet.

Was blieb von Henry Ford?

Henry Ford starb am 7. April 1947 mit 83 Jahren in Fair Lane. Er erlag einer Hirnblutung. Er hinterließ ein unglaubliches Vermögen. Forbes listet Henry Ford auf Rang 8 der reichsten Männer in der Geschichte der USA.

Sein Einfluss auf die heutige Gesellschaft kann nicht als groß genug eingeschätzt werden. Er mobilisierte die moderne Gesellschaft, was vor allem am Land neue Möglichkeiten der Beschäftigung sowie der Freizeitgestaltung eröffnete. So führten seine Automobile für das Volk die ländliche Bevölkerung aus der Isolation. Gleichzeitig eröffnete er auch der städtischen Bevölkerung neue Möglichkeiten. So gab es durch Henry Fords Fahrzeuge erste Formen der Suburbanisierung, da sich nun Städter auch am Land niederlassen konnten obwohl sie in der Stadt beschäftigt waren.

Hohe Löhne und geregelte Arbeitszeiten halfen mit, die moderne Mittelschicht zu schaffen. Seine perfektionistischen Produktionsweisen führten die Industrie aus dem Manufakturzeitalter hinein in die moderne Massenproduktion und waren für viele Branchen beispielgebend.

Gleichzeitig war Ford ein Mann, der zwischen den Jahrhunderten wanderte. Seine patriarchale Art, mit Arbeitern umzugehen und der verinnerlichte Antisemitismus, den er zuletzt vehement widerrief, können nur aus dem Kontext des 19. Jahrhundert erklärt werden. An Ford scheiden sich die Geister. Als Prototyp des Unternehmers wird sein Lebenswerk oft nach den persönlichen Ansichten, was den ewigen Konflikt zwischen Unternehmer und Arbeiter betrifft, gedeutet.

Wie auch immer man zu Fords Ansichten und Lebenswandel stehen mag: Übrig bleibt, dass er zu jenen gehört, die unsere Geschichte maßgeblich geprägt haben. Ford war ein genialer Techniker und Erfinder dessen Visionen unser heutiges Leben mitgeprägt haben.

Henry Ford Statue
© Bild: Bill Pugliano/Getty Images

Henry Ford Statue vor dem Ford Rouge Center in Detroit.

Mit unserem Autopreisrechner alle Preise für Neu- und Gebrauchtwagen gratis berechnen!
Mehr zum Thema