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Kommentar: Wer bleibt über?

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Es wird doch tatsächlich am Überleben von großen Automarken gezweifelt.

Uns erreicht die „Global Automotive Study 2024“ der Unternehmensberatung Simon-Kucher zu allerhand automobilen Themen. Befragt wurden weltweit über 7000 Menschen, für die deutsche Ausgabe waren es 1000. Wir lernen daraus, dass 73 Prozent der Befragten gespannt auf die Zukunft des Autos sind, dass die Zuversicht hinsichtlich der eigenen Kaufkraft gestiegen ist, dass ein eigenes Auto noch immer bevorzugt wird, dass der Preis als Entscheidungskriterium doppelt so wichtig ist wie die Marke, dass 50 Prozent der Deutschen überzeugt von der Zukunft des Elektroautos sind, weltweit aber 64 Prozent, und dass 62 Prozent der Deutschen digitale Dienste im Auto als wichtig einstufen – in China oder Indien sind es über 90 Prozent. 

Und wir erfahren, dass in Deutschland in gar nicht so geringem Ausmaß an den Untergang von Automarken geglaubt wird. 28 Prozent glauben, dass Daihatsu in den kommenden Jahren „vom Markt verschwinden wird“, 18 Prozent sagen Chevrolet ein baldiges Ende voraus, 15 Prozent Fiat und 14 Prozent Suzuki. Ziemlich vorne beim Totsagen liegt Opel: 20 Prozent sehen schon Freund Hein auf den Schultern der Marke sitzen. Auch Audi hat mit 15 Prozent keine besonders erfreulichen Werte, Ford liegt bei 13 Prozent und immerhin 11 Prozent zweifeln am auch nur mittelfristigen Überleben von BMW. Wenn die das wüssten in München!

Schon klar, dahergesagt ist schnell was, wenn einer von einem Umfrage-Institut anruft. Aber die da gefragt werden, kaufen auch Autos, und wenn einer an den baldigen Tod einer Marke glaubt, greift er vielleicht zu einem Produkt einer anderen Marke. Und irgendwann entsteht eine Dynamik, ungefähr so, wie nach Monaten eines Wahlkampfs, in dem auch vernünftige Politikerinnen unaufhörlich von einer völlig desolaten Wirtschaft geredet haben, die Kauflust nicht mehr die Tollste ist. 

Und sowieso dürfte der Wert von Marken sinken, die Jungen interessieren sich, wenn überhaupt noch für irgendwas im Zusammenhang mit Auto, weniger für von Fachleuten um teures Geld zusammenkonstruierte oder sogar wahre Markenerzählungen als für Digital Intoxification. Nicht null auf hundert zählen, sondern wie schnell Carplay hochfährt, und nicht, wie viele PS drin sind, sondern wie viel KI. 

Zuweilen wirken die etablierten Marken bei ihren Bemühungen um die Jungen wie ein 50-Jähriger, der auf ein Clubbing  geht. Der gehört auch nicht mehr dazu. 

Dieser Kommentar ist in autorevue 08/24 erschienen.

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