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Kommentar: Bestraft die Übergewichtigen!

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Aber wer sind die überhaupt? Beziehungsweise: Wer sind die nicht?

Also schon wieder die SUVs. Anfang Oktober lasen wir, dass Besucher von Paris, die mit einem SUV kommen, das mehr als 1,6 Tonnen wiegt, oder mit einem Elektro-SUV, das schwerer ist als zwei Tonnen, künftig für eine Stunde parken im Zentrum 18 statt wie bisher sechs Euro zahlen müssen, und für sechs Stunden 225 Euro. Abgesehen einmal davon, dass man schon auf der Suche nach einem Parkplatz in Paris locker Benzin um 225 Euro verfährt, also ohnehin nur Millionäre mit viel Tagesfreizeit das Parken dort überhaupt in Betracht ziehen – abgesehen davon war natürlich allen sofort klar, dass es sich um eine schwachsinnige Regelung handelt. Weil SUVs verbrauchen weder mehr Grundfläche noch sind sie schwerer als vergleichbare Nicht-SUVs. Also wird rein die Höhe bestraft, die immerhin etwas mehr Verbrauch mit sich zieht: Ein 150-PS-Tiguan mit Diesel, wie er knapp über die 1,6-Tonnen-Grenze fährt, verbraucht mit 5,3 bis 6,5 Liter nicht sehr viel, aber doch erkennbar mehr als ein gleich motorisierter, exakt gleich schwerer Passat Variant (4,9 bis 5,7 Liter).

Aber genau lesen hilft wieder einmal: Die neuen Parkgebühren gelten für alle Autos der genannten Gewichtsklassen. Fünfer- oder Siebener-BMWs sind davon genauso betroffen wie eine E-Klasse oder ein Porsche Panamera. Somit sind wir der Gerechtigkeit zumindest einen Schritt näher. Allerdings ist die 1,6-Tonnen-Grenze vielleicht etwas tief gegriffen. Verbrenner werden erst ab zwei Tonnen so richtig dumm im Sinne einer unintelligenten Ressourcenverwendung. Entsprechendes gilt für E-Autos.

Der Kurier ließ der Nachricht eine Umfrage in Österreich folgen, und um das Durcheinander bloß nicht aufzulösen, war das dann so zu lesen: „Höhere Parkgebühren für SUVs in Städten? Große Autos brauchen mehr Platz. Sollen deren Besitzer deshalb auch mehr fürs Parken zahlen?“ Also was jetzt? SUVs oder große Autos? Oder schwere Autos? Müssen die unbedingt SUVs sein? Bleibt alles offen. 

Als Fred Sinowatz damals sagte, es ist alles so kompliziert, haben die Dummen sich nicht mehr eingekriegt vor Lachen, aber in Wahrheit ist das eine der im ganzen Universum gültigen Aussagen mit nur ganz wenigen Ausnahmen. Eine davon ist: Leichte Autos sind intelligenter als schwere (egal, ob SUV oder nicht). Jede Maßnahme, die da irgendwie versucht, steuernd einzugreifen, genießt von Haus aus einen Vertrauensvorteil. Und wenn sie doof wirkt, hat man vielleicht nur nicht genau hingeschaut. 

Dieser Kommentar ist in autorevue 07/24 erschienen.

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