Was sie gesagt haben: Eau Rouge mit 570 PS, um 20 mehr als bisher. Was sie dann auch gesagt haben: Es regnet so stark, dass nicht nur die Rennstrecke schwimmt, sondern überhaupt der gesamte Bezirk keinen Strom mehr hat. Gute Fahrt!


Die Belgier nehmen das recht entspannt, offensichtlich sind sie hier Wasser gewohnt. Kein Wunder, die Namen der Streckenabschnitte müssen ja auch woher kommen. Eau Rouge: Rotwasser. La Source: Die Quelle. Rivage: Ufer. Da bist du mit einem Powerboot wie dem renovierten Nissan GT-R bestens aufgestellt. Fürs Erste sind wir aber froh, Allrad zu haben, denn wenn die euphemistisch „Senke“ genannte Passage von Eau Rouge im TV bloß steil wirkt, entpuppt sie sich hinter dem neu gestalteten Lederlenkrad geradezu als Krater. Sie voll zu nehmen scheint undenkbar, selbst im Trockenen. Du hoffst bloß, das Ende der gegenüber liegenden Wand zu erreichen. Im Nassen gilt umso mehr: Sämtliche Brems-Arbeit muss vor der orangen Hütte am Streckenrand rechts erledigt sein, danach helfen nur mehr richtige Blickführung und zusammengekniffene Backen. Blick zum Ausgang des rechten Curbs, dann rüber zum linken, und sobald die weiße Linie sichtbar wird, Lenkung leicht öffnen und an der Kuppe oben die Linie der Boxen-Ausfahrt anvisieren, aber nicht berühren, weil: Glatteis. Besonders schwierig ist im Nassen die lange Bergab-Doppel-Links von Pouhon, die im Trockenen in einem Bogen gefahren wird, was bei Regen aber unmöglich ist: Zu viel Gummi auf der Ideallinie, zu rutschig bei Nässe. Und das spricht jetzt für den GT-R, ein im Grunde neun Jahre altes Auto: In keiner Sekunde fühlt man sich überfordert, man weiß bloß, dass man sauschnell ist, trotz der Reserven, die man sicherheitshalber stecken lassen hat.