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Überblick: Motorsport 2025

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Mit dem Bau des zweiten Autos war der Rennsport erfunden. Ein weltweites Massenphänomen, das aus einer Sache ein -Wesen machte, für das man -Gefühle entwickelte, das man bewunderte, begehrte und liebte. Die Konzerne fuhren sonntags Rennen, verkauften montags Autos und schufen so Marken für die Ewigkeit. Bis der Klimawandel die Beziehung zwischen Auto und Sport in Gefahr brachte. 2025 aber geben (fast) alle Hersteller wieder Vollgas. 

Die globalen Herausforderungen des Rennsports

Die Strategie „No Sports" hat nicht funktioniert, sie ist gescheitert. Als ob all die Ereignisse nicht miteinander verknüpft wären und sich in parallelen Universen abspielen würden, lesen wir dieser Tage auf den Wirtschaftsseiten von den Problemen der Auto-­Industrie und zeitgleich im Sport von deren Hoffnungen, verbunden mit neuen Projekten und Engagements im Bereich Rennsport. Nur dreimal im vergangenen halben Jahrhundert war der Motorsport global in den Fahrzeuge produzierenden Konzernen ernsthaft hinterfragt, zum Teil auch geächtet: 1973 in der Ölkrise nur für einen kurzen Moment, zu populär und zu sehr im Boom war der Rennsport in jener Zeit, in der die Formel 1 zum globalen Ereignis geworden war und viele heutige Randsportarten wie Rallyecross regen Zulauf hatten.

Die Transformation der Formel 1

Zum zweiten Mal ins Schleudern kam der Sport synchron zur Finanzkrise 2008/09. Honda, Toyota und BMW stiegen überhastet aus der Formel 1 aus – und bereuten es schnell. Honda sah, wie das um einen (!) Pfund an Ross Brawn verschleuderte und danach noch reichlich subventionierte Team Monate später mit dem Schriftzug „powered by Mercedes" und dem von Honda gebauten Auto Weltmeister wurde. Es war das Jahr, als der teuerste Sport der Welt plötzlich von den Privatteams Brawn und Red Bull dominiert wurde und man dachte, die Königsklasse des Motorsports könnte eine Art Privatisierung erleben, wie in den großen 60er- und 70er-Jahren, als Marken wie Tyrrell, Lotus, Brabham und McLaren mehr als nur einmal gegenüber Ferrari und Co. triumphiert hatten.

Herausforderungen durch Klimawandel und Pandemie

Dachte man bei der zweiten großen Krise des Motorsports also, dass private Teams die Autokonzerne verdrängen würden, so hatte man bei den jüngsten Turbulenzen in den Jahren 2020 bis 2022, geprägt von Coronawellen und Klimaprotesten, eine andere Prognose: Vor allem angesichts der schwierigen Verträglichkeit zwischen Klimaschutz-PR und Rennsport rechnete man mit dem kompletten Rückzug der Volumenhersteller aus dem Sport oder mit deren Wechsel in die Formel E. Die Formel 1 schien zu einer Meisterschaft der Sportwagen-Supermarken zu werden – mit Ferrari, Aston Martin, Porsche, Alpine und ähnlichen Kalibern.

Die Zukunft des Motorsports

Heute wissen wir: „No Sports" ist gescheitert. Wie kaum zuvor in der Geschichte wird der Winter bei so vielen Autoherstellern auch von der Vorbereitung auf die Rennsportsaison geprägt sein, längst strömt man wieder auf die Rennstrecken. Durch die technischen Reglement-Änderungen, die (zumindest in der Theorie) auf Nachhaltigkeit und ökologische Innovation setzen, ist es außerdem gelungen, die Abwanderung hin zur Formel E zu stoppen. Niemand kommt heute noch auf die Idee, die Formel E als Nachfolger der Formel 1 zu sehen, der Grand-Prix-Sport hat den Angriff von Alejandro Agag und Co. mit Bravour abgewehrt.Wie kaum zuvor in der Geschichte wird der Winter bei so vielen Autoherstellern auch von der Vorbereitung auf die Rennsportsaison geprägt sein, längst strömt man wieder auf die Rennstrecken.

Der Einfluss von Netflix auf die Formel 1

Wie konnte das passieren? Wenn man diese Frage von oben nach unten beantwortet und in der Königsklasse Formel 1 beginnt, dann war der Turnaround des Grand-Prix-Sports ein entscheidender Antrieb für das Umdenken in den Chefetagen. Dieser wiederum hat zwei voneinander weitgehend unabhängige Ursachen: Rund um die höchst erfolgreiche Netflix-Doku „Drive to Survive", die für viele Puristen ein Grauen ist, wurde eine völlig neue Fan-Klientel in ebenso neuen Ländern erobert. Diese neuen Formel-1-Freaks leben in den USA oder Asien, sie sind Alterskollegen der „Letzten Generation" und nichtsdestotrotz von Lando Norris, Charles Leclerc oder George Russell angetan. Sie investieren in Merchandising wie kein Anhänger-Jahrgang zuvor, sie sind divers, erstaunlich stark weiblich geprägt und sie sind schon vor dem Kauf des ersten eigenen Autos mit allen Marken, die im Grand-Prix-Sport sind, bestens vertraut. Das macht sie begehrt.

Neue Reglements und wirtschaftliche Perspektiven

Noch entscheidender war etwas, das in abgedunkelten Zimmern in Genf oder London entschieden wurde: Das erneuerte Reglement Richtung 2026 war das richtige Signal zur rechten Zeit: Mit einer teilweisen Elektrifizierung, E-Fuels und vor allem einem Cost-Cap ist die Formel 1 zum ersten Mal in ihrer Geschichte für quasi alle teilnehmenden Teams rentabel – der berühmte Satz „Wenn du Millionär werden willst, dann kauf dir als Milliardär ein Formel-1-Team" ist derzeit nicht gültig. Mit ein Grund, warum sich die Rennställe so sehr gegen ein elftes Team (Andretti) gewehrt hatten, um nun doch Cadillac-Andretti auf Druck der FIA und nach Einstiegs-Zahlungen in der Höhe von 200 bis 600 Millionen Dollar zähneknirschend zu akzeptieren. Niemand teilt gerne durch elf, wenn er auch durch zehn teilen kann.

Die Abwehr der Formel E-Konkurrenz

Durch die technischen Reglement-Änderungen, die (zumindest in der Theorie) auf Nachhaltigkeit und ökologische Innovation setzen, ist es außerdem gelungen, die Abwanderung hin zur Formel E zu stoppen. Niemand kommt heute noch auf die Idee, die Formel E als Nachfolger der Formel 1 zu sehen, der Grand-Prix-Sport hat den Angriff von Alejandro Agag und Co. mit Bravour abgewehrt. Auch ein bisschen mit Unterstützung der Pandemie, die das Formel-E-Konzept mit den Rennen in Innenstädten so lange zum Erliegen gebracht hatte, bis der (kurze) Run auf diese Serie längst schon wieder Geschichte war. Interessant aber, dass sich nun mit Porsche, Jaguar, Maserati in erster Linie traditionelle Sportwagen-Marken dort tummeln.

Teamstrategien und Herausforderungen

Dass Porsche nicht mit Red Bull in der Formel 1 gelandet ist, tut dieser weh. Der Deal war zwischen Porsche-Chefverhandler Fritz Enzinger und Dietrich Mateschitz/Helmut Marko unter Steirern bereits per Handschlag besiegelt und mit Zirbenschnaps zelebriert, ehe das Schicksal dieser faszinierenden Verbindung trotz bereits formulierter Presseaussendung noch das Garaus bereitete: Mateschitz wurde krank, Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der um seine Macht fürchtete, nutzte die Zeit, um Stimmung gegen das Projekt zu machen, und am Ende war ein höchst misslungener, da arroganter Auftritt einer englischen Porsche-Managerin der ideale Anlass für die Horner-Seite, die Zusammenarbeit zu stoppen, ehe sie begonnen hatte. Ab 2026 hat er nun Ford als Partner, das aber kaum im Tagesgeschäft mitreden wird. Investoren wie diese sind, nach dem Erfolgsbeispiel Mercedes F1 (mit u. a. Toto Wolff und Ineos als Teilhaber) für viele Marken der Ausweg, wenn es darum geht, trotz der schwierigen eigenen Finanzlage in den Sport zu investieren.

Wer macht was und wo

Alfa

Einst Auto des ersten Formel-1- Weltmeisters, zuletzt in einem etwas unglaubwürdigen PR-Deal nur mit dem Namen im Grand-Prix-Sport. Es gibt WEC-Gerüchte, aber ob Stellantis Alfa gegen Peugeot ins Rennen schicken wird? Eher nicht. 

Lancia

Die Rallye-Kultmarke kehrt mit der Trofeo Lancia und dem RallyHF1 und dem Ziel Nachwuchs- förderung in den Sport zurück.

Alpine

Der Sport ist das wichtigste Marketing-Instrument bei der Belebung der starken Marke – deshalb ist man in der Formel 1 und in der WEC (mit Habsburg und Schumacher) aktiv. In beiden Serien geht es nach Start-Problemen nun gut voran. In der F1 künftig mit Mercedes- Power statt Renault-Antrieb.

Lexus

Vor allem in den USA (IMSA) aktiv, immer wieder auch als DTM-Kandidat gehandelt.

Aston Martin

Ein weiteres Beispiel, wo der Sport die Marke als Ganzes beleben soll – Lawrence Stroll gönnt sich dafür Adrian Newey als Designer. Zudem steigt man in die WEC ein.

Lotus

Der einstige Formel-1-Gigant ist aktuell am ehesten im GT4-Sport zu finden.

Audi

Nach dem Kauf des Sauber-Teams läuft noch nicht viel, Binotto/Wheatley sind die neuen Bosse, frisches Geld kommt aus Katar. Das Kundensportprogramm ist weg, damit auch die DTM. Rallye und Le Mans, die Events, die diese Marke großgemacht haben, sind längst Geschichte.

Maserati

Ist in der Formel E, seit man das Venturi-Team gekauft hat.

BMW

Die Münchner setzen auf WEC und IMSA (Philipp Eng), sie sind auch in der DTM aktiv. 

Mazda

Fans hatten auf ein Le-Mans-Comeback gehofft, doch seit dem IMSA-Ausstieg ist Sport kein großes Thema.

Cadillac

Gemeinsam mit der Familie Andretti ab 2026 in der Formel 1. Die Motoren kommen vorerst von Ferrari, eigene Aggregate kommen in einigen Jahren. 

Mercedes

Formel-1-Top-Team, ab 2025 auch in der GT-Klasse der WEC und in diversen GT-Serien wie der DTM und der GTWC (Meister 2024: Lucas Auer).

Chevrolet

Unter dem Motto „The Science of Speed” vor allem in den USA unterwegs, zuletzt Indy-Sieger, dazu NASCAR & Co.

Mini

Mit X-Raid bei der Rallye Dakar.

Citroën

 Der einstige Rallye-Serienweltmeister setzt aktuell auf die WRC2, andere Stellantis-Marken nehmen Sport wichtiger.

Mitsubishi

Eine der vielen großen Rallye-Marken, die kaum noch aktiv sind.

Cupra

„Mutter“ Seat, einst Tourenwagen-Meister, ist kaum noch im Sport, Cupra setzt auf ein Formel-E-Engagement bei Kiro.

Nissan

In der Formel E Fixstarter.

Dacia

Dass selbst die als „Billigmarke“ definierte Renault-Tochter 2025 bei der aufwändigen Rallye Dakar startet (mit dem Dreamteam Loeb/Al Attiyah/ Christina Gutierrez), das zeigt: Niemand scheint mehr am Sport vorbeizukommen. 

Opel

Der Rally Electric Cup gilt als Pionier in seinem Segment, heuer ist ein Ex-Racing-Rookie vorne.

DS

Seit zehn Jahren in der Formel E (meist erfolgreich) engagiert.

Peugeot

Im Mittelpunkt steht das WEC-Projekt, das einen ebenso mutigen (ohne Heckflügel) wie schwierigen Start hatte. Stellantis-Motorsportchef Jean-Marc Finot ist ein großer Fan der WEC: „Der Motorsport ist das beste Technologie-Labor. Viele Komponenten, etwa im Bereich Hybrid, werden im Rennsport für die Serienproduktion unter extremen Bedingungen weiterentwickelt.“

Ferrari

In der Formel 1 so nah wie schon lange nicht mehr am Konstrukteurs-WM-Titel, 2025 mit dem Wunderteam Hamilton/Leclerc, in der WEC siegreich, dazu viele Marken-Cups: Ferrari setzt mehr auf Sport denn je.

Porsche

Sport ist und bleibt hier auch ohne Formel 1 enorm wichtig – in der WEC, in der Formel E, in der IMSA. Zudem ist Porsche höchst aktiv im Kundensport und mit diversen Porsche-Cups auf der ganzen Welt.

Fiat

Die große Motorsport-Geschichte ist nur mehr – Geschichte. 

Renault

Mit dem Wechsel von Alpine auf Mercedes-Motoren droht Renault endgültig aus den Sportseiten zu verschwinden – freilich auch, weil man intern hier ganz auf die Marke Alpine setzt. 

Ford

Sport ist aktuell sehr gefragt. Ab 2026 ist man mit Red Bull in der Formel 1 (allerdings wird der Großteil der technischen Arbeit von Red Bull Powertrain geleistet), 2025 ist Ford (mit Carlos Sainz) bei der Rallye Dakar Mitfavorit, auch in der DTM sehen wir 2025 zwei Mustangs, eingesetzt von Haupt Racing. 

Skoda

Der Fabia Rally2 ist aus den Rallye-Meisterschaften nicht wegzu-

denken. Mit ihm arbeitet man auch an einem Tourenwagen-Konzept.

Honda

Die (meist erfolgreiche) On-off-Beziehung mit der Formel 1 wird wieder intimer, 2026 rüstet Honda die von Adrian Newey gebauten Aston-Martin-Boliden aus. Bis dahin bleibt man noch Partner von Red Bull. 

Subaru

Lange schien man sich für die große Rallye-Geschichte fast zu schämen, doch die Zeichen mehren sich, dass das Thema Motorsport wieder eine größere Rolle spielen könnte.

Hyundai

Mit Thierry Neuville eben Rallye-Weltmeister geworden, setzen die Koreaner künftig auch auf die Anziehungskraft von Le Mans und der WEC.

Suzuki

Während alle über das mögliche MotoGP-Comeback reden, startet Suzuki 2025 mit einem Wasserstoff-Prototyp bei der Rallye Dakar in der Auto-Klasse. Der lange so erfolgreiche Suzuki-Swift-Cup in Österreich ist derzeit leider nicht unterwegs.

Jaguar

Voller Fokus auf die Formel E, in der man konstant ein Top-Team ist.

Toyota

Team-Weltmeister in der WEC und in der WRC, Gazoo Racing leistet ganze Arbeit. Dazu bringt ein Technik-Abkommen mit Haas F1 ein „sanftes“ Comeback in der Formel 1 – mehr könnte folgen.

Kia

Diverse Picanto-Cups gelten als lustiges und preiswertes Vergnügen für Amateure.

Volkswagen

Das Thema Sport ist hier derzeit durch. 

Lamborghini

Aus der WEC ist man aktuell raus, dafür feierten die Italiener 2024 mit dem Wiener Mirko Bortolotti den ersten DTM-Titel. Zu den wichtigsten Einsatzteams zählt Grasser Racing aus Knittelfeld (Daytona-Sieg, DTM).

Volvo

Sport ist kaum noch Thema. Cups mit alten 240er etwa haben aber in einigen Ländern Kultstatus. 

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