
Nach 50 Jahren Porsche Turbo wissen wir: Es gibt kein vernünftigeres Auto. Nicht beim Fahren, nicht vom technischen Aufwand, nicht von der Wertstabilität her. Plus: eine Auswahl ganz spezieller Porsche Turbo. Ein autorevue-Dossier in drei hoch verdichteten Kapiteln.
Die Geburtsstunde des Porsche 911 Turbo
1974 waren die Straßen voller Käfer, ein Golf mit 50 PS hochmodern – keine Spur von einem GTI! – und die schnellsten Autos in der Theorie waren Ferraris oder Lamborghinis – also Exoten, weiter weg als der Mond. Und dann kam ausgerechnet Porsche, bis zu diesem Zeitpunkt eher für leichte Intelligenz bekannt als für übermäßige Power und insofern Lotus nicht unähnlich, mit dem Turbo. Selbst wenn BMW mit seinem 2002 turbo mit dem Schriftzug in Spiegelschrift dieses Thema schon ein Jahr zuvor ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hatte, war der 911 Turbo das, wovon der junge Mann von Welt träumte, wenn er groß träumte. Keine Frage: Mit diesem obszönen Arsch und dem üppigen Brett wurden ein paar Primär-Instinkte getriggert, bloß dass man heute wieder lernen muss, genauer hinzuschauen in einer Welt, in der eh alles irgendwie arg ist, voll arg. Beim Meditieren vor einem G-Modell in Bestzustand – und nur so geht es, weil sonst findet dein innerer Monk stets Optimierungspotenzial und beißt sich daran fest – vor oder in einem perfekten G-Modell erschließt sich die Magie des kompletten Dings. Sachen, die sonst nicht auffallen, wie Türgriffe, die vorn schmäler sind als hinten. Wie die schwarzen Sterne der Füchse und die schwarzen Leisten die ohnehin schon grazile Form betonen. Mit wie viel Kunst und, jawohl, Kultur Notwendigkeiten und Fisimatenten (Faltenbalg für den US-Crashtest, Scheinwerfer-Spritzer oder Blinker) ins große Ganze integriert wurden. Und dann natürlich: dieses kleine, straffe Auto, in dem selbst der fetteste Schwabe, seine Gattin und hinten ihr Hund Platz haben, sofern keiner den Fehler gemacht hat, ein Schiebedach zu bestellen.