Ventilspiel 2016: Lasset uns spielen

Das Ventilspiel 2016 bot wieder einmal Motorsport, völlig entrückt von Krampf und Stress. Und wenn wir jetzt noch ein bissl an der Ehrgeizreduzierung arbeiten, wird wirklich alles gut.

autorevue Magazin
Zuletzt aktualisiert am 19.10.2016

Der historische Motorsport befindet sich im Wandel und das Ventilspiel ist das beste Beispiel dafür, in welchem Tempo das abgeht. Wer in letzter Zeit einen Wagenpass beantragt hat, weiß, welch absurdes Theater die OSK bzw. FIA inzwischen draus gemacht hat, speziell für jene, die eigentlich nur hin und wieder einen lustigen, entspannten Tag auf der Rennstrecke haben wollen.

Das Ventilspiel versteht sich durchaus auch als überaus sympathischer Gegenpol zum international organisierten Behördenkrieg der FIA.

Durchaus auch als Gegenpol zum international organisierten Behördenkrieg hat Roland David vor vier Jahren das Ventilspiel ins Leben gerufen. Technische Abnahme und Vorschriften beschränken sich auf ein Minimum, bei der Fahrerbesprechung wird vor allem an die Vernunft der Teilnehmer appelliert und siehe da – es funktioniert.

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© Bild: Michael Szemes

Wie gut das Konzept funktioniert, zeigen alleine die Zahlen: Heuer durfte Roland David bereits knapp 200 Starter begrüßen, und so bot sich den Zuschauern ohne Zweifel das prächtigste Fahrerlager der Saison. Von Formelautos und Prototypen bis zum Eher-nicht-Rennwagen war alles da, aus allen Ligen, in allen Zustandsklassen, was sehr zum Charme der Veranstaltung beiträgt.

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© Bild: Michael Szemes

Die allgemeine Lässigkeit hält schon bei der Vorbereitung die Adrenalinkurve angenehm flach. Der Zweizweier-Alpina, letztes Jahr erstmals ausprobiert, dann in die Garage geschoben, wo er die gesamte Saison ruhen durfte, wird erstmals seit einem Jahr wieder angestartet. Wohlwollendes Nicken, weil er sofort anspringt und sauber läuft, auch die inzwischen wahrhaft historischen Hartgummis dürfen oben bleiben. Man denkt: Was für eine Schande. So ein großartiges Auto und steht einfach nur rum. Man gelobt Besserung fürs nächste Jahr. Werner, die Mechaniker-Seele, lacht nur mehr, wenn er so was hört.

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Da wir mit diesem 917er schon gefahren sind (AR 7/2011), wissen wir, dass es sich um eine Replica mit 911er-Technik handelt, aber trotzdem sauschnell und furchteinflößend. © Bild: Michael Szemes

Der Renntag selber ist dann ein einziger Genuss: Jeder fährt mit jedem und alle haben Spaß dabei. Und wenn der Ehrgeiz zu sehr einfährt, haust du dir am besten selber eine auf den Helm. Schließlich geht es um nix, und am Abend fährt jeder mit seiner Rundenzeit am Ring heim. Am Sonntag wird dann verglichen. Mit den Rundenzeiten aus dem Vorjahr, mit den Gegnern, die man selber als satisfaktionsfähig eingestuft hat. Und siehe da: Alle geschlagen.

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Feinste Formel-Technik, so penibel haben Engländer nie einen Rennwagen aufgebaut. © Bild: Michael Szemes
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© Bild: Michael Szemes
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© Bild: Michael Szemes
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© Bild: Michael Szemes
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© Bild: Michael Szemes
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