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1965 Ferrari 500 Superfast / Chassis no. 6659 SF / 2011 verkauft um £ 644.000
 

Das schnellste und teuerste Auto der Welt, damals

Wir lernen woher der neue Ferrari 812 Superfast seinen Namen hat. Blicken dazu in die Modellgeschichte des Ferrari 500 Superfast und speziell auf die Serie I und II.

20.03.2017 radical mag

Das jüngste Produkt aus Maranello trägt den Namen Ferrari 812 Superfast. Die 812 ist uns weiterhin recht unklar, aber wir können das Superfast erklären. Die Geschichte vom 400 Superamerica ist bereits erzählt, jetzt kommt also auch noch der 500 Superfast.

Wie der Ferrari 500 Superfast eigentlich hätte heißen sollen

Der 400 Superamerica hatte den Rahmen gesprengt. Eigentlich war er ja als Sonderanfertigung geplant gewesen, einige ganz wenige Exemplare hätten es werden sollen, doch es wurden dann in den Jahren 1959 bis 1964 irgendwo zwischen 45 und 48 Stück – die richtiges Geld in die Kasse von Enzo Ferrari spülten. Und diesen Geldfluss wollte der Commendatore noch ein paar weitere Jahre haben, also ließ er einen Nachfolger konstruieren, der lange den Namen 500 Superamerica trug, der aber kurz vor der Präsentation auf dem Genfer Salon 1964 noch in 500 Superfast abgeändert wurde.

1965 Ferrari 500 Superfast / Chassis no. 6659 SF / 2011 verkauft um £ 644.000

Was den 500 vom 400 Superfast unterscheidet

Es war ein großartiges Fahrzeug, das da vorgestellt wurde. Im Vergleich zum Superamerica wurde der Radstand noch einmal verlängert, von 2,6 auf 2,65 Meter, was den Wagen dann stolze 4,82 Meter lang, 1,73 Meter breit und 1,28 Meter hoch machte. Trotzdem gab Ferrari das Leergewicht mit bescheidenen 1.400 Kilo an, dies dann aber wohl ohne Motor.

Die Leistungsdaten sind der reinste Wahnsinn

Der nun war ein ganz besonderes Stück. Zwar könnte man annehmen, dass der 5-Liter-V12 (Bohrung x Hub 88 x 68 Millimeter) eine Konstruktion von Aurelio Lampredi war, der bei Ferrari ja für die großen Kaliber zuständig war. Und doch ist es eine Colombo-Maschine, im 60 Grad-Winkel, zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderreihe, gefüttert von gleich sechs Weber-Doppelvergasern 40DCN3. Die Leistung gab Ferrari sehr zurückhaltend mit 400 PS bei 6500/min an, in jenen Jahren – man erinnert sich, es wurde gerade der Porsche 911 vorgestellt, mit 110 Pferdchen – ein absoluter Wahnsinn, genau wie das maximales Drehmoment von 475 Nm, die bei 4750/min anlagen. Geschaltet wurde selbstverständlich über 5 Gänge, natürlich manuell. Verarbeitet werden musste diese Kraft hinten von einer Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern, so richtig modern war das nicht. Einen Sprintwert gab es nicht, die Höchstgeschwindigkeit wurde aber mit 280 km/h angegeben.

1965 Ferrari 500 Superfast / Chassis no. 6043 SF / 2009 verkauft um € 715.000

1965 Ferrari 500 Superfast / Chassis no. 6043 SF / 2009 verkauft um € 715.000

Das Design

Insgesamt wurden 36 Stück gebaut, in zwei Serien, die erste Serie mit 24 Exemplaren, die zweite folglich mit 12 Stück. Das Design stammte selbstverständlich von Pininfarina und war eine Weiterentwicklung der schon 1960 auf dem Salon von Turin gezeigten Studie eines Ferrari Superfast II. Erstmals einen «Superfast» hatte Pininfarina schon 1956 gezeigt, einen 410 Superamerica (Chassisnummer 0483SA); es folgte 1957 der 4,9-Liter-Superfast, 1960 der schon erwähnte Superfast II, 1962 dann Superfast III und auch Superfast IV, wobei davon auszugehen ist, dass es sich bei III und IV um das gleiche, aber umgekarossierte Fahrzeug handelt. Ja, die meisten 400 Superamerica mit Pininfarina-Aufbau sahen schon fast gleich aus. Und übrigens, kleine Bemerkung am Rande: Ferrari hat unterdessen keine von Pinifarina gezeichneten Fahrzeuge mehr im Programm, mit der F12 berlinetta laufen gerade die Exemplare aus. Es folgt der Versuch einer Auflistung aller Ferrari 500 Superfast und jeweils, falls vorhanden, ein paar Informationen zu den einzelnen Fahrzeugen.

Beginnen wir mit der ersten Serie (am Anfang steht jeweils die Chassisnummer):

Ferrari 500 Superfast Serie I

  • 5951SF (eigentlich nur ein Prototyp, das Showcar von Genf, war lange in Deutschland)
  • 5977SF (war lange in der Schweiz)
  • 5979SF
  • 5981SF (ausgestellt in Paris 1964)
  • 5983SF (ausgestellt in Brüssel 1964, als Zweiplätzer konfiguriert)
  • 5985SF (mit 4-Gang-Getriebe ausgeliefert, 2016 für 2,75 Millionen Dollar versteigert)
  • 5989SF (2017 für 2,915 Millionen Dollar versteigert)
  • 6033SF (seit 1996 von der Bildfläche verschwunden)
  • 6039SF (1965 in Genf ausgestellt, verdeckte Frontlampen)
  • 6041SF (1965 in New York ausgestellt, 1967 für 8.000 Dollar eingetauscht)
  • 6043SF
  • 6049SF (Erstbesitzer: Aga Khan, 2015 für 3,025 Millionen Dollar versteigert)
  • 6303SF (gehörte einst Peter Livanos, dem auch Aston Martin gehörte)
  • 6305SF, 6307SF
  • 6309SF (soll in Deutschland sein, komplett demontiert)
  • 6345SF (in den späten 60er Jahren bei einem Unfall komplett zerstört)
  • 6351SF
  • 6605SF (gehörte dem Schah von Persien, Reza Pahlevi, soll sich weiterhin im Iran befinden)
  • 6615SF (gehört dem bekannten Ferrari-Sammler Peter Kalikow)
  • 6659SF (Bilder oben, der Silberne)
  • 6661SF
  • 6663SF (keine Rücksitze, ausgeliefert am 22.7.1965)
  • 6679SF (das letzte Exemplar der ersten Serie, einst im Besitz von Peter Sellers)

1965 Ferrari 500 Superfast Series I by Pininfarina / Chassis no. 5985 / 2016 verkauft um $ 2.750.000

1965 Ferrari 500 Superfast Series I by Pininfarina / Chassis no. 5985 / 2016 verkauft um $ 2.750.000

Ferrari 500 Superfast Serie II

Die zweite Serie kam dann ab Ende 1965, die Unterscheide sind wahrlich nur für den Kenner ersichtlich.

  • 7817SF (Erstbesitzerin Barbara Hutton, ausgeliefert am 11.11.1967)
  • 7975SF (gehörte auch dem Schah von Persien, seit 1992 verschollen)
  • 8019SF (1966 in Brüssel ausgestellt)
  • 8083SF, 8253SF, 8273SF
  • 8299SF (seit 1992 verschollen)
  • 8459SF
  • 8565SF (im Bild gleich unten)
  • 8739SF, 8817SF
  • 8897SF (ausgeliefert am 1.8.1966).

Das schnellste und teuerste Auto der Welt

Mit einem Neupreis von damals schon gut 100.000 DM war der 500 Superfast nicht nur das schnellste, sondern auch das wahrscheinlich teuerste Auto der Welt. Der Innenausbau war sehr luxuriös, denn Ferrari sah dieses Fahrzeug weniger als Sportwagen denn mehr als Gran Turismo. Es heißt, die Federung sei sehr amerikanisch gewesen, also: weich. Und trotzdem: etwas Besseres, Schnelleres gab es Mitte der 60er Jahre nicht – die Ferrari 400 Superamerica und 500 Superfast begründeten das Segment der Supersportwagen Jahrzehnte, bevor diese wieder in Mode kamen. Aber auch da war ja Ferrari führend…

1966 Ferrari 500 Superfast / Chassis no. 8565 SF / 2010 verkauft um $ 1.127.500

1966 Ferrari 500 Superfast / Chassis no. 8565 SF / 2010 verkauft um $ 1.127.500

Preise des Ferrari 500 Superfast

Die hier gezeigten Fahrzeuge wurden allesamt von RM Sotheby’s versteigert und vor allem Series I konnte eine beachtliche Summe erzielen.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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