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Nahezu in Vergessenheit geraten

Der Matra-Bonnet Djet 5S war wohl der erste Sportwagen mit Mittelmotor. Es war eine glorreiche Konstruktion mit einem klaren Schwachpunkt.

11.02.2018 radical mag

Manchmal, da fliegt tatsächlich etwas unter unserem Radar durch (in diesem Fall: quasi buchstäblich – aus offensichtlichen Gründen…). Gerne hatten wir bislang behauptet, dass der ATS 2500 GT der erste serienmäßig hergestellte Mittelmotor-Sportwagen gewesen sei – da ließen wir uns wohl etwas blenden von den großen, geschätzten Namen Giotto Bizzarrini, Carlo Chiti, Conte di Volpe und so. Oder war es doch der deTomaso Vallelunga? Wie auch immer, denn dann war ja auch noch der Franzose René Bonnet.

Die Geschichte von Bonnet

Bonnet, geboren 1904, war ein anständiger Rennfahrer – und kaufte sich 1932 bei der damals bekannten französischen Karrosserieschneiderei Deutsch ein. Zusammen mit Charles Deutsch konstruierte er ab 1938 leichte Rennwagen, die auf Panhard-Technik basierten – und als Deutsch-Bonnet einigen Erfolgen hatten. 1950 stieg DB auch ins Geschäft mit Serienfahrzeugen ein, doch das Business lief nur so lauwarm; 1961 war dann Ende Feuer, unter anderem auch deshalb, weil Deutsch weiterhin auf Panhard setzen wollte, Bonnet aber lieber Renault-Technik verwendet hätte. Man ging getrennter Wege, denn René Bonnet hatte einen Plan: Gleichzeitig mit einem Formel-3-Rennwagen konstruierte er auch eine Straßenversion genau jenes Geräts. Und weil der Motor beim Rennwagen ja mittig, also hinter dem Fahrer, aber vor der Hinterachse platziert war, entstand quasi zwangsläufig der erste Mittelmotor-Sportwagen, genannt Djet. Djet deshalb, weil Bonnet seinen französischen Landsleuten nicht zutraute, das englische Jet einigermaßen korrekt aussprechen zu können, als Djet war es aber anscheinend klar.

Glorreiche Konstruktion, mit einem klaren Schwachpunkt

Es war eine glorreiche Konstruktion, nicht nur, weil der 1,1-Liter-Vierzylinder von Renault mittig eingebaut war. Der Djet verfügte außerdem über vier einzeln, über doppelte Dreiecklenker mit je zwei Schraubenfedern und zwei Stoßdämpfern aufgehängte Räder sowie Scheibenbremsen rundum, was Anfang der 60er noch sehr selten war; die von Jacques Hubert entworfene Fiberglas-Karosse wurde direkt auf den Zentralrohrrahmen, einer Gitterkonstruktion aus Vierkantrohren, genietet. Das nur gerade 600 Kilo schwere Wägelchen, 3,8 Meter lang, 1,4 Meter breit und 1,15 Meter hoch, wurde 1962 vorgestellt, Mitte 1963 wurden die ersten Exemplare ausgeliefert. In der Rennversion mit dem Gordini-Tuning kam der Djet auf 94 PS und war bis zu 190 km/h schnell. Schwachpunkt war allerdings das Getriebe, das aus dem Lieferwagen Renault Estafette stammte. Immerhin waren die Djet leicht zu reparieren, die große Heckklappe ermöglichte einen guten Zugang zur filigranen Technik. Ach ja, Rennerfolge gab es trotzdem, sogar einen Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans.

Das traurige Ende

Bis 1964 baute Bonnet knapp 200 Exemplare seine Djet. Das war einmal mehr kein gutes Geschäftsmodell, obwohl die Djet rund 20.000 Francs kosteten und damit teurer waren als etwa ein Facelia. Und so musste Bonnet verkaufen, an seinen Lieferanten Matra. Dort wurde der Djet noch bis 1968 quasi unverändert weiter gebaut, es entstanden weitere 1.491 Exemplare, von denen wir hier ein schönes aus dem Jahr 1965 zeigen können. Es ist unverkennbar, dass auch der Matra 530 auf der Bonnet-Konstruktion basierte, doch das ist dann eine andere Geschichte. Die Geschichte von René Bonnet und den Autos endete drei Monate nach der Übernahme durch Matra – frustriert zog er sich aus dem Geschäft zurück und ließ es bleiben mit den Eigenkonstruktionen.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

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