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Facel Vega HK500 und Facel II

Einst, da kamen aus Frankreich die ganz, ganz großen Automobile. Bugatti ist sicher das schönste, berühmteste Beispiel, doch auch Namen wie Delahaye, Delage oder Talbot-Lago haben diesen wunderbaren Klang.

radical mag
Zuletzt aktualisiert am 19.03.2014

Doch nach dem 2. Weltkrieg war diese Herrlichkeit vorbei, unter anderem deshalb, weil die französische Regierung gewaltige Steuerlasten auf Luxus-Fahrzeuge legte, was es fast unmöglich machte, die Produkte auf dem Heimmarkt verkaufen zu können.

Facel-Gründer Jean Daninos

Der griechisch-stämmige französische Industrielle Jean Daninos wollte das Mitte der 50er-Jahre, als die berühmten französischen Marken endgültig verschwunden waren, wieder ändern. Daninos hatte ein Vermögen gemacht mit seinem Facel-Unternehmen, die alles produzierten von Toiletten bis zu Küchen-Möbeln. Und auch Motorenteile für Flugzeuge herstellten sowie Karosserien für die Auto-Industrie, etwa für Panhard, Simca und Ford. Als Panhard einen Großauftrag absagen mußte, sah Daninos, der einst bei Citroën gearbeitet hatte, seine Chance. Schon 1951 hatte er auf dem Fahrgestell eines Bentley ein von ihm gezeichnetes Auto bauen lassen, das er selber fuhr, doch 1953 schlug ihm sein Bruder, der Schriftsteller Paul Daninos, vor, «nach dem Sternen zu greifen», und so entstand die Automarke Facel Vega. Und Daninos ging dafür einen Weg, der später vor allem in Italien zu einigen der großartigsten Konstruktion der Sportwagen-Geschichte führen sollte: er montierte auf ein eigenes Chassis und unter eine selbst entworfene Karosserie einigermaßen günstige und vor allem problemfreie amerikanische Großserien-Technik.

Daninos Erster Facel

Der erste Facel Vega hieß FV, kam 1954 auf dem Markt, und war ein 2+2-Coupé, das von einem 4,5-Liter-V8 von DeSoto angetrieben wurde. Die sehr elegante Karosserie entstand in Paris, gezeichnet von Jean Daninos persönlich (auch wenn böse Zungen behaupten, er habe einfach den Ford Comète verlängert), und sie war auf einen ebenfalls selber konstruierten Rohrrahmen aufgeschraubt.

facel vega fvs silber front vorne seite
Facel Vega FVS

Die Modelle reiften über die Jahre und wurden immer besser

Eines der Markenzeichen von Facel Vega waren neben der extravaganten Karosse die modernistischen Cockpits,der Pilot sollte sich fühlen wie in einem Flugzeug. Sie sahen nach Holz aus – doch es war bemaltes Metall. Über die Jahre wurde dieser erste Facel Vega ständig verbessert, hieß ab 1956 dann FVS, vor allem erhielt er immer stärkere Motoren war es ein 5,8-Liter-V8 von Chrysler, der 325 PS leistete. Ein FVS erhielt am 4. Januar 1960 traurige Berühmtheit, als der Neffe des Verlegers Gallimard die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und gegen einen Baum prallte. Gallimard verlor dabei sein Leben – und mit ihm sein Beifahrer, der Schriftsteller Albert Camus.

Facel Vega FVS
Facel Vega FVS

Der HK500, Begründer des guten Facel-Rufs

1958 kam das Nachfolge-Modell des FVS auf den Markt, der HK500, der den guten Ruf der Marke begründen sollte. Zwar sah er den FV/FVS sehr ähnlich, doch mit wenigen Designer-Handgriffen – wieder unter der Ägide von Daninos persönlich – war er noch deutlich eleganter geworden.

Facel Vega HK500
Facel Vega HK500

Und unter der Haube arbeitete das Beste, was es in jenen Jahren in den USA an Technik zuzukaufen gab, ein 6,3-Liter-Chrysler-Motor mit hemisphärischen Brennräumen, der in seiner stärksten Version bis zu 390 PS stark gewesen sein soll. 489 Stück wurden gebaut, die meisten waren mit einer 3-Gang-Automatik ausgerüstet, doch die wahren Herrenfahrer bevorzugten das manuelle 4-Gang-Getriebe, das aus dem HK500 einen der schnellsten «Gran Turismo» jener Jahre machte.

Interieur des HK500.
Facel Vega HK500.

«the second best car in the world»

Auch die Qualität war auf hohem Niveau, die englische Presse bezeichnete die Facel Vega Anfang der 60er Jahre gerne als «the second best car in the world» (ein einziges Mal dürfen Sie raten, wer denn nach Ansicht der Engländer die weltbesten Autos baute). Zu den Kunden gehörten Potentaten wie der Schah von Persionoder der marokkanische König Hassan II., doch auch der berühmte Rennfahrer Stirling Moss kaufte einen Facel Vega, und Schauspielerin Ava Gardner sah in diesem französischen Luxusprodukt noch besser aus als sonst; wohl darum kaufte sie gleich drei Stück? Weitere berühmte Besitzer von Facel? Pablo Picasso, Joan Collins, Tony Curtis, Christian Dior, Herbert von Karajan, Louis Malle, Grace Kelly, Yves Montand, Anthony Quinn, Frank Sinatra, Ringo von den Beatles, François Truffaut, Maurice Trintignat. Es macht fast so ein bisschen den Eindruck, als ob die Fahrzeuge nur berühmte Besitzer hatten.

Facel II

Im Oktober 1961 lancierte das Unternehmen den Facel II, das Nachfolgemodell des HK500. Die Form wurde wieder modernisiert – und dabei vielleicht ein wenig zu sehr dem damaligen Zeitgeschmack angepasst.

facel II seite vorne front
Facel II

Aber technisch war der Facel II auf einem sehr hohen Niveau, es gab wieder die bis zu 400 PS starken Chrysler-V8 als Antrieb, der Hubraum wurde auf 6,7 Liter erhöht, als Höchstgeschwindigkeit wurde «echte» 247 km/h gemessen, dies mit dem manuellen 4-Gang-Getriebe von Pont-à-Mousson. Und von 0 auf 100 km/h war der Facel II schneller als ein Aston Martin DB4, ein Mercedes 300 SL und auch als ein Ferrari 250 GT und dies, obwohl er rund 1,9 Tonnen wog. Aber auch wenn er ganz heftig – das Adjektiv «brutal» wurde von der Fachpresse gerne benutzt – anschob, so war die englische Bedienungsanleitung mit ihren Vorschlägen doch vielleicht etwas grob: «Halten Sie das Lenkrad immer mit beiden, außer, wenn Sie den Gang wechseln – Bleiben Sie immer so nah wie möglich in der Mitte der Straße – Achten Sie ausschließlich auf die Strasse – Rauchen Sie nicht – Wechseln Sie die Radio-Stationen nicht – Sprechen Sie nicht.» Da steht tatsächlich: «Do not talk.»

Facel II motorraum
Facel II

«der Facel II war der Beste»

Daninos sagte zum Facel II: «Der HK500 war das interessanteste Auto, das wir je gebaut haben, doch der Facel II war das Beste. Er war extrem elegant.» Und richtig, richtig teuer: Er kostete in England 5.570 Pfund, einen DB4 gab es für 4.084 Pfund, ein Jaguar E-Type kostete nur gerade 2.196 Pfund. Man hätte auch ein nettes Häuschen kaufen können in der City von London für den Preis eines Facel II. Das englische Magazin «Autocar» brachte die Qualitäten des Facel II in der Ausgabe 36/1962 perfekt auf den Punkt: «Man kann die jüngsten Entwicklung brutaler amerikanischer Kraft unter europäischer Kontrolle mit englischem Luxus und französischer Eleganz geniessen.»

facel II interieur
Facel II

Auf Wunsch gab es eine Klimaanlage, die elektrischen Fensterheber waren Serie, die Servolenkung auch, zumindest bei den Varianten mit automatischem Getriebe; das Innenleben war deutlich schlichter als beim FVS und beim HK500. Wie schon vom HK500 gab es auch von Facel II eine viertürige Version mit der Bezeichnung Excellence; eine Besonderheit war die trotz des immensen Radstandes von 3,17 Metern fehlende B-Säule. Vom Facel II wurden bis 1964 nur gerade 183 Exemplare gebaut. Oder vielleicht auch nur 180, man weiss es heute nicht mehr so genau, denn Jean Daninos hatte schon im August 1961 die Führung seiner Firma abgeben müssen.

Der Abstieg begann mit den kleinen Facels

Denn leider hatte sich der Firmengründer 1959 entschieden, sein Programm nach unten zu erweitern. Der Facellia, zuerst als Cabrio, ab 1961 auch als Coupé auf dem Markt, war zwar ein hübsches Auto, doch der in Zusammenarbeit mit Pont-à-Mousson entwickelte 1,6-Liter-Vierzylinder mit einer obenliegenden Nockenwelle schaufelte das Grab für das Unternehmen, denn er machte nichts anderes als Probleme. Der Ölverbrauch war quasi mit dem Benzinkonsum identisch, die Kolben klemmten. Und Facel wurde von den Garantieleistungen erwürgt. Man versucht es mit dem Facel III (1963/64), der von einem bierernsten Volvo-Vierzylinder angetrieben wurde, doch den wollte niemand kaufen, und auch der Facel 6 (1964; mit dem 3-Liter-Reihensechszylinder aus dem Austin-Healey) schaffte die Wende nicht mehr.

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Sammlerschnäppchen

1964 wurde der letzte Facel gebaut, heute haben diese Fahrzeuge – mit Ausnahme des Facellia und dessen Nachfolgern – einen sehr hohen Sammlerwert; wir sprechen hier von 200.000 bis 250.000 Euro. Und wenn der Erstbesitzer eine Berühmtheit war, dann kann da auch eine 4 vorne stehen. Wobei, im Vergleich zu Aston Martin oder gar Ferrari sind die Facel immer noch Schnäppchen.

Vielen Dank an Peter Ruch von radical-mag.com.