2009: Elon Musk enthüllt das Fahrgestell des neuen Tesla Modell S.
 

Elon Musk und Tesla

Elon Musk wird gerne in einem Atemzug mit großen amerikanischen Erfindern, wie Thomas Edison oder Henry Ford genannt. Er ist angetreten, nicht nur eine Industrie zu verändern, sondern gleich mehrere. In der Automobilindustrie ist Tesla jetzt schon mehr wert als viele große Hersteller.

20.12.2017 Online Redaktion

Betritt Elon Musk einen Raum, ist es für viele so, als würde die Zukunft in Person den Raum betreten. Musk ist eigentlich kein besonderer Redner. Es braucht etwas Zeit, bis er in ein Gespräch hineinkommt. Er verliert öfters den roten Faden. Manchmal verwendet er zu viele Füllwörter. Trotzdem hängen ihm weltweit Menschen, vom Technikstudenten bis zum Politiker an den Lippen. Woran liegt diese Faszination für Musk?

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Visionär Elon Musk

Dem ua. Gründer von PayPal, Tesla und SpaceX glauben die Leute, wenn er spontan seine Einschätzung abgibt, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. Er ist sich dann sicher, dass in zehn Jahren jedes zweite produzierte Auto ein Elektroauto, autonomes Fahren die Regel und man über Lenkräder nur mehr den Kopf schütteln wird. In seinem Glauben an die Macht der Technik erinnert er stark an einen anderen großen Visionär, der vor über hundert Jahren seine Visionen in seinen Büchern verewigte: Jules Verne.

Musk hat Abschlüsse in Volkswirtschaftslehre und Physik. Das hilft vielleicht dabei, komplexe Sachverhalte systemisch zu verstehen, sie dann auf einen einfachen Kern zu reduzieren und anschaulich erklären zu können. Was Musk jedoch besonders macht, ist etwas Anderes. Anders als Verne ist Musk ein Mann der Taten und so haucht er vielen seiner Visonen sogleich Leben ein. Elon Musk verspricht den Menschen nicht nur Visionen wie aus einem Science-Fiction-Roman, er realisiert diese Visionen noch zu Lebzeiten.

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Angesprochen auf die Zukunft der Energie sagt Musk beispielsweise salopp, dass 99 Prozent der Energie auf der Erde eigentlich von der Sonne stammen. Im Vergleich dazu ist die vom Menschen für die Errungenschaften unserer Zivilisation benötigte Energiemenge verschwindend gering. Laut Musk bräuchte man „lediglich“ eine Fläche von 100km² an Solarpanels, um die gesamten USA mit ausreichend Elektrizität zu versorgen.

Elon Musk denkt in planetaren Dimensionen, während viele andere noch vor allem zurückscheuen, was über eine Kleinregion hinausgeht. Eben dieses Denken in größeren Zusammenhängen und seinen Willen, seine gigantischen Vorhaben auch tatsächlich umzusetzen, machen Elon Musk zu einem Phänomen unserer Zeit. Bei solchen riesigen Projekten gibt es zwangsläufig unvorhersehbare Probleme. Skeptikern konnte er allerdings immer wieder beweisen, dass er fähig ist, diese Probleme zu lösen.

Man muss sich nur all die Industrien und Forschungszweige ansehen, in denen Musk ganz vorne mitspielt, um zu erahnen, wie Elon Musk tickt: Automobilindustrie, Weltraumflug, Sonnenenergie, Energiespeichertechnik, Satellitentechnik, Hochgeschwindigkeitstransporte am und unter dem Boden sowie Expansion auf andere Planeten.

Weltbürger Elon Musk

Elon Musk ist ein Weltbürger, ein echter Philanthrop. Er hat drei Staatsbürgerschaften fühlt sich aber in den USA am heimischsten. Für ihn sind die USA eine Nation der Entdecker. Die meisten US-Familien haben irgendwann in ihrer Geschichte einmal das Bekannte gegen das Unbekannte getauscht.

Musk versteht die amerikanische Seele. Mit SpaceX trifft er den Kern eines amerikanischen Traums: Die Raumfahrt. An ihr hängt vielleicht Musks meistes Herzblut. Er will die Menschheit in eine multiplanetare Zukunft führen und ist überzeugt, dies noch in seiner Lebenszeit erreichen zu können. Einmal meinte er sogar, dass er dereinst gerne auf dem Mars friedlich sterben würde.

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Elon Musks Kindheit und Jugend

Elon wurde am 28. Juni 1971 in Südafrika als Sohn eines südafrikanischen Ingenieurs und eines kanadischen Models geboren. Musks Eltern waren sehr wohlhabend und so wohnte die Familie in einem großen Haus in Pretoria.

Schon früh zeichnete sich ab, dass Elon hochbegabt war. Südafrika war damals aufgrund des Apartheid-Regimes ein Land, in dem es nicht mehr nur unter der Oberfläche brodelte. Während die unterdrückte Bevölkerung ihren Unmut gegen das Apartheids-Regime auf den Straßen von Pretoria kund tat, beschäftigte sich der junge Elon mit Science-Fiction-Comics und Lexika. Besonders die Encyclopedia Britannica hatte es ihm angetan. Musk war ein Nerd. Er las viel, zuerst Fantasy-Romane und Science-Fiction, dann später Sachbücher und Enzyklopädien. Zu seinen frühen Hobbies gehörte auch der Bau von Modell-Raketen. Sein Vater ermöglichte es ihm, sich auch privat mit Computern zu beschäftigen. Elon begeisterte sich vor allem für das Programmieren. Bereits mit zwölf Jahren schrieb er „Blastar“, ein Weltraum-Computerspiel, das er für rund 500 Dollar an einen Videospieleverlag verkaufte.

So vielseitig der Junge auch war, in der Schule hatte Elon große Probleme mit seinen Mitschülern. Er war unscheinbar und zeigte kein großes sportliches Interesse. Damalige Klassenkameraden erinnern sich an andere Mitschüler eher als an ihn. Er wurde gemobbt und manchmal sogar aus nichtigen Gründen zusammengeschlagen. Es kam zu mehrmaligen Schulwechseln. Das lag aber nicht alleine an seinen Mitschülern. Der jugendliche Elon war ein Querkopf. Zwar war er begabt, aber nur wenn ihn etwas wirklich interessierte, zeigte er auch Einsatz in den Schulfächern. Das war der Fall bei Informatik – damals noch ein experimentelles Wahlfach im Bereich Technik und Naturwissenschaften.

Seine Eltern trennten sich schließlich. Zuerst lebte der Junge bei der Mutter, dann beim Vater. Dieser soll aber kein einfacher Mensch gewesen sein. Jedoch äußert sich Musk nicht im Detail zu solch negativen, privaten Themen.

Um die Armeedienst zu vermeiden und auch weil er dort Verwandte hatte, zog Musk dann mit 17 Jahren nach Kanada. Musk erklärte diesen Schritt später in einem Interview: „In der südafrikanischen Armee zu dienen und Schwarze zu unterdrücken, schien mir einfach kein guter Weg zu sein, meine Zeit zu verbringen“. Kanada sollte für ihn als Sprungbrett für sein Traumland, die USA, dienen.

Bilder aus Elon Musks Kindheit und Jugend (Manager Magazin).

Elon Musks College Jahre in Kanada

Musks Start in Kanada war geradezu naiv. Er hatte gehofft bei einem Onkel unterzukommen. Dieser war aber von Montreal nach Minnesota in den USA umgezogen und so stand er gleich zu Beginn ohne Bleibe da. Nach ein paar Tagen in Montreal kaufte er ein landesweit gültiges Busticket und versuchte bei einem Cousin zweiten Grades Unterschlupf zu finden.

Der junge Erwachsene übernahm ein Jahr lang einen Gelegenheitsjob nach dem anderen. Er arbeitete auf einer Farm, verkaufte Gemüse und reinigte Heizkessel in einem Sägewerk. Erst als sein Bruder Kimbal nach Kanada kam, fasste Elon besser Fuß und die beiden schrieben sich auf der Queens Universität in Ontario ein.

Auf dem College fühlte Musk sich wohler als in der Schule. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und fand schnell Anschluss bei einer Gruppe von Mitstudenten. Einige von Musks berühmten Charakterzügen kamen nun besser zum Vorschein. Er ist ehrgeizig, auch im Privaten. So angelte sich Elon das nach seiner Einschätzung „heißeste Mädchen auf dem Campus“. Es war seine spätere erste Frau, die spätere Fantasy-Autorin Justine Wilson. Die beiden lagen stets miteinander im Wettstreit, wenn sie gemeinsam Prüfungen absolvierten.

Musk scherte sich wenig um Konventionen. Elon und Kimbal machten es sich zum Hobby, aus Jux interessante Leute zu kontaktieren und sie um ein informelles Treffen zu bitten. Überraschenderweise hatten sie damit oftmals Erfolg. Sogar ein Praktikum bei einer Bank kam auf diesem Weg für Elon zustande.

Um während dem Studium Geld zu verdienen, verkaufte Musk selbstgebaute Computer aus seinem Studentenzimmer heraus oder reparierte defekte Computer.

Nach zwei Jahren wechselte der Visionär auf die University of Pennsylvania in den USA. Er hatte ein Stipendium bekommen. Dort schrieb er sich an der Wharton School, einer Eliteuniversität für Wirtschaft, und am Queens College für Physik ein. Justine blieb derweil in Ontario zurück und so führten die beiden eine Fernbeziehung. Wichtigster Mensch auf Elons neuer Uni sollte sein Mitbewohner Adeo Ressi werden. Auch diesen verschlug es später ins Silicon Valley.

Nach kurzer Zeit mieteten die beiden Freunde ein Haus abseits des Campus und organisierten dort am Wochenende Partys. Mit deren Einnahmen finanzierten die beiden ihr ganzes Leben. Elon war aber beileibe kein Partymensch und trank kaum mit. Die einzige Sucht, die er zu dieser Zeit hatte, waren Computerspiele. Er spielte oft tagelang. Kurz überlegte er, selbst Spieleentwickler zu werden und machte sogar ein Praktikum in dieser Richtung. Ein Leben als Gamedesigner erschien ihm aber schlussendlich nicht bedeutend genug.

In seinen College-Jahren dachte er bereits stark darüber nach, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Sein besonderer Ansatz lautete: „Was wird die Zukunft der Menschheit am stärksten beeinflussen?“. Seine Antwort war eine Liste mit fünf Punkten: Das Internet, Erneuerbare Energien, Weltraumforschung ‒ besonders in Hinsicht auf die Eroberung anderer Planeten, die Umprogrammierung des menschlichen Genoms und Künstliche Intelligenz. Musk war nicht sicher, ob die letzten beiden Punkte positive Auswirkungen hätten. Dass er je etwas mit Weltraumforschung zu tun haben könnte, wagte er nicht zu hoffen. Es blieben daher die ersten beiden Punkte, Internet und Erneuerbare Energien übrig.

Musk entschied sich anfangs für die Erneuerbaren Energien. Nach der Beendigung des Colleges mit Abschlüssen in Wirtschaft und Physik startete der 24-Jährige sein Doktoratsstudium 1995 an der renommierten Standford Universität. Hier beschäftigte er sich auch mit Superkondensatoren, also einer Möglichkeit, Elektrizität weit effektiver als mit herkömmlichen Batterien zu speichern. Bereits zu dieser Zeit wusste er, dass dies eine Schlüssel-Technologie für die Zukunft der Erneuerbaren Energien und für den Fortschritt der Elektromobilität sein würde.

Er brach das Studium aber bereits nach nur zwei Vorlesungen ab. Elon betrachtete das Studium nun doch als Zeitverschwendung. Erst wollte Elon Musk beim damaligen Internet-Riesen Netscape anheuern. Sein recht unüberlegter Versuch ist eine Anekdote wert: Er betrat uneingeladen das Gebäude, stand unsicher in der Lobby, war zu schüchtern um jemanden anzusprechen, drehte um und verließ das Gebäude wieder.

Elon und Bruder Kimbal hatten es fix sich in den Kopf gesetzt, am Internet-Hype im Silicon Valley teilzuhaben. Die Lösung war simpel, aber auch anstrengend: Die Gründung einer eigenen Internet-Firma. Elon war von Punkt Zwei auf seiner Liste also zu Punkt Eins gesprungen.

Elon Musks erste Firma: Das Startup ZIP2

Im Jahr 1995 war das Internet noch Neuland für Privatleute. Elon und Kimbal erkannten aber die Möglichkeiten, die sich auch für Kleinbetriebe mit lokalen Wurzeln boten. Ihre Idee war es, ein durchsuchbares Verzeichnis für örtliche Betriebe, wie Restaurants, Friseure etc. mit einem Kartendienst zu kombinieren. Elon kümmerte sich um die Programmierung, die ihm ja von Kindheit an vertraut war und die er bei einigen Praktika vertieft hatte. Kimbal übernahm den Vertrieb. Das Unternehmen „Zip2“ war geboren.

Das Büro mit seinen zusammengestellten Möbeln war improvisiert. Die Toiletten waren verstopft und es gab keinen Aufzug. Es wurde rund um die Uhr gearbeitet. Geschlafen wurde im Büro, gegessen wurde in Fastfood-Restaurants. Geduscht wurde, wo man unterkam. Die Brüder hatten an allen Ecken und Enden Geld eingespart und nur das Nötigste angeschafft. Trotzdem ging ihnen bald das Geld aus. Die Anbahnung bei lokalen Geschäftsleuten scheiterte zu oft.

1996 änderte sich die Situation zum Glück der Musk-Brüder. Der erste Großinvestor biss an und investierte stolze drei Millionen Dollar. Sofort wurden professionelle Mitarbeiter angeheuert. Vor allem Programmierer, die den Code den er verfasste hatte, stark überarbeiten mussten. Er selbst hatte eine bittere Pille zu schlucken, wurde er doch zum CTO, Chefmanager für Technologie, degradiert und ihm ein Geschäftsführer vor dies Nase gesetzt. Elon konnte dieser Einschränkung wenig abgewinnen.

Auch die Ausrichtung von Zip2 änderte sich. Man wandte sich nicht mehr an kleine Unternehmen, sondern verkaufte die Software an Zeitungsverlage, die unter Druck standen, ihre Anzeigen wie Immobilien und Autos, auch online positionieren zu müssen. Zu den Kunden zählten u.a. die New York Times.

Während dieser Zeit lernte Elon Musk viel über das Geschäftsleben. Vor allem was Mitarbeiterführung und Teamarbeit anbelangt. Das war wichtig für ihn, denn er konnte oft sehr undiplomatisch und direkt sein, was einige Mitarbeiter vor den Kopf stieß.

Das Geschäft mit den Zeitungen florierte, jedoch platzte eine Fusion mit dem Konkurrenten CitySearch über ein Volumen von 300 Millionen Dollar. Schlechte Presse folgte. ZIP2 stand nun an der Kippe und außerdem wurde die Konkurrenz ähnlicher Dienste immer größer. Als Compaq dann über 300 Millionen Dollar für die Firma bot, schlug man natürlich zu. Elon erhielt 22 Millionen vom Kuchen, Kimbal immerhin noch 15 Millionen Dollar.

Elon Musks PayPal-Revolution

Musk war nun mit 27 Jahren Selfmade-Multimillionär und in den USA eine kleine Berühmtheit. Elon kostete seinen Reichtum in vollen Zügen aus. Unter seinen ersten großen Anschaffungen gönnte er sich auch einen McLaren F1 für eine Million Dollar. Bei der Anlieferung des Automobils wurde Musk vom CNN begleitet. Musk fuhr das Luxusauto nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern nutzte es für alle alltäglichen Fahrten.

Neben einigen anderen Extravaganzen investierte Musk auch Geld in seine nächste Firma: X.com, das später zu PayPal werden sollte. Manche hielten ihn für verrückt 12 Millionen in eine Online-Bank zu stecken. Musk hatte aber in einem seiner Praktika gelernt, dass traditionelle Banken langsam und träge waren und das Risiko scheuten. Er sah die überragende Chance für ein schnelles, bewegliches Internetunternehmen, den langsamen, starren Bankensektor zu revolutionieren.

Als quasi Untermieter hatte X.com ein anderes Startup namens Confinity, geleitet von Max Levchin und Peter Thiel. Auch bei diesem Unternehmen ging es um Zahlungen allerdings für Handheldcomputer und über eine Infrarotschnittstelle. Schon bald schwenkte Confinity aber auch auf Zahlungen über Web und E-Mail um und nannten ihren Dienst PayPal. Anfangs waren die beiden Unternehmen hemmungslose Konkurrenten. Man kupferte die besten Funktionen voneinander schamlos ab und versuchte alles, um schneller zu wachsen als der andere.

Irgendwann sah man aber ein, dass es besser war zu fusionieren, denn jeder hatte Stärken, die dem anderem fehlten: PayPal war das bessere Produkt. X.com hatte mehr Kapital in der Hinterhand. Das neu zusammengeschmiedete Unternehmen hatte diverse Probleme. Es gab immer wieder Betrugsattacken. Man wusste nicht so recht, wie man Geld verdienen sollte. Zudem mussten hohe Gebühren an Banken und Kreditkartenfirmen gezahlt werden.

Als Musk gerade seine Hochzeitsreise mit Justine nachholte, fand ein Staatsstreich im Unternehmen statt. In Abwesenheit wurde Elon durch Peter Thiel als Geschäftsführer ersetzt und der Name von X.com auf PayPal geändert. Elon nahm zwar sofort den nächsten Rückflug, konnte an der Situation aber nichts mehr ändern. Musk arrangierte sich zum Erstaunen vieler mit der neuen Situation. Er blieb größter Anteilseigner.

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Screenshot von PayPal im Jahr 2000

Gesamtwirtschaftlich ging die Dotcom-Blase nun ihrem Ende entgegen und viele Internetunternehmer wollten ihre Unternehmen noch schnell zu Geld machen. Musk und die anderen pokerten aber gut, als das Unternehmen eBay Angebote für PayPal abgab. Als 2002 eBay 1,5 Milliarden bot, nahmen die jungen Firmengründer schlussendlich an. Musks Anteil daran betrug 250 Millionen Dollar.

SpaceX: Elon Musk will nach den Sternen greifen

Ebenfalls 2002, noch bevor der PayPal-Deal besiegelt wurde, beschäftigte Musk sich bereits mit Raketen-Technologie. Noch im selben Jahr startete er mit 100 Millionen Dollar das Unternehmen „SpaceX“. Die Aufgabe von SpaceX sollte es sein, die Raumfahrt zu revolutionieren und die Kosten so stark zu senken, dass die Menschheit neue Planeten des Sonnensystems kolonisieren könne. Im besonderen Fokus stand die Besiedelung des Mars.

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Bereits 2008 war SpaceX soweit um die ersten „Falcon 1“ Raketenmodelle zu testen. Die Falcon 1 ist eine zweistufige Rakete, die bis zu 80% wiederverwendbar sein sollte. Die Rakete ist für ein kostengünstiges Erreichen einer niedrigen Erdumlaufbahn für unter 6,7 Millionen Dollar konzipiert. Die ersten drei gestarteten Raketen schafften es nicht, den Orbit zu erreichten. Es war nur noch genug Budget für einen einzigen Raketenstart übrig. Am 28. September 2008 fand der vierte SpaceX-Raketenstart statt und er war erfolgreich. Die NASA zeigte sich begeistert und unterzeichnete einen Milliarden-Auftrag mit Musks Unternehmen. Bereits der fünfte Flug am 14. Juli 2009 beförderte nun eine kommerzielle Nutzlast ins All. Damit war die Falcon 1 die erste privat entwickelte Rakete, die Nutzlasten in einen stabilen Orbit befördern konnte. SpaceX stellte das Falcon 1 Programm nun ein um sich der Weiterentwicklung der Technologie zu widmen.

Inzwischen (2017) ist SpaceX mit der Falcon 9-Rakete ein Sinnbild für bahnbrechenden Erfolg geworden. Kein anderes privates Raumfahrt-Unternehmen fliegt so regelmäßig und erfolgreich Fracht und Passagiere ins All. Anfang 2018 soll die erste „Falcon Heavy“-Rakete in den Orbit starten. Die Falcon Heavy soll Nutzlasten bis zu 54 Tonnen ins All befördern können. Damit soll die Falcon Heavy die heute stärkste Trägerrakete sein. In der Geschichte wird diese maximale Nutzlast nur von der Energija (Nutzlast von bis zu 96 Tonnen bis in einen erdnahen Orbit) und der Saturn 5 (Nutzlast von bis zu 120 Tonnen bis in den Erd-Orbit) übertroffen.

TESLA: Elon Musk und das Elektroauto

Die Marke Tesla ist eng mit vier Namen verbunden. Zum einen Martin Eberhard und Marc Tarpenning, die mit einem der ersten E-Book Reader reich geworden sind. Die beiden sind die Gründer von Tesla Motors. Zum anderen Elon Musk, der der größte der ersten Wagniskapitalgeber war, sowie Aufsichtsratspräsident wurde. Zu guter Letzt J.B. Straubel, ein genialer Ingenieur, der auf der Stanford Universität alles über Elektroautos gelernt hatte.

Gute Elektroautos hatten schon immer Potential. Dieses konnten sie aber aufgrund der schlechten Energiespeichermöglichkeiten nie über längere Distanzen entfalten. Erst als sich die Lithium-Ionen-Akkutechnologie stark weiterentwickelte, begann sich das zu ändern.

Die vier genannten Herren waren unter den ersten, die das erkannten. Sie hatten das hehre Ziel, den Bau von Elektromobilen mit Lithium-Ionen-Akku zur kommerziellen Fertigung weiter zu entwickeln.

Ein Vorläufer von Tesla war die Firma AC Propulsion, die erste ganz unterschiedliche Elektroautos fertigte und von deren Modell „tzero“ alle vier begeistert waren. Musk hatte sich regelrecht verliebt in den Sportwagen, der in unter fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigte. AC Propulsion gab es schon seit 1992, also bereits mehr als 10 Jahre vor Tesla. Die Vier sahen hier das Potential, Elektroautos von ihrem Golfwagen-Image zu entfernen. Obwohl sowohl Musk als auch Eberhard und Tarpenning die Entwicklung des Sportwagens bis zur Serienreife finanzieren wollten, lehnten die Leute von AC Propulsion ab.

So musste man eine neue Firma von Grund auf neu aufstellen. 2003 wurde Tesla gegründet. Es gab viele Zweifler, denn das letzte wirklich erfolgreiche Startup in der amerikanischen Automobilgeschichte war Chrysler im Jahr 1925. Es war geradezu ein unmögliches Unterfangen. Die Automobilbranche ist hoch arbeitsteilig. Viele der Komponenten werden von Zulieferfirmen gefertigt. Es handelt sich um eine hochentwickelte Industrie und es ist sehr schwer, dort von Null zu beginnen.

TESLAs Roadster

Das Team wuchs schnell. Straubel warb Ingenieure und Studenten, die teilweise sogar gratis arbeiteten, von der Stanford Universität ab. Es war an der Zeit, sich nach einem größeren Gebäude umzusehen. Dieses fand sich schließlich in einer 900m² großen Halle in San Carlos. Hier wurde mit der Fertigung des TESLA Roadster begonnen.

Das Team hatte sich für einen Sportwagen entschieden, weil man sich sicher war, dass die hohe Beschleunigung von Elektroautos ein entscheidendes Kaufkriterium sein würde. Auch hatten Marktstudien gezeigt, dass Käufer des z.B. Toyota Prius ein Jahreseinkommen von 200.000 Dollar hatten und sich so auch einen teuren Sportwagen leisten könnten.

Der Roadster sollte zuerst den Antriebsstrang des tzero bekommen und die Karosserie sowie das Fahrgestell eines Lotus Elise. Wirklich entscheidend waren aber die Akkus, denn niemand hatte zuvor versucht, tausende Lithium-Ionen-Akkus parallel zu schalten. Bei den Akkus bestand zudem das Risiko, dass sie bei einem möglichen Brand rasch Feuer fangen würden. Es waren zahlreiche Versuche nötig, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die Mühen hatten sich gelohnt: Ein technologisches Alleinstellungsmerkmal wurde geschaffen.

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Arnold Schwarzenegger, Elon Musk und ein Tesla Roadster (2008)

Bald zeigten sich die Ingenieure mit der Wahl der Lotus-Karosserie unzufrieden. Die Akkus ließen keinen Platz für einen Kofferraum und das Ein- bzw. Aussteigen war schwierig. Eine eigene Karosserie wurde entworfen, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen.

2006 war ein wichtiger Zwischenschritt. Der Prototyp mit der Bezeichnung EP1 war fertiggestellt. Die Investoren waren mehr als zufrieden. Auch Musk beteiligte sich an der weiteren Finanzierung mit 12 Millionen Dollar. Bereits im selben Jahr wurde der Roadster der Presse vorgestellt. Es kamen viele Prominente, darunter Arnold Schwarzenegger, um das Elektro-Auto zu testen. Die Google-Gründer Brin und Page fanden sich unter den ersten Käufern ein und orderten jeweils ein Exemplar.

Tesla besuchte auch Automessen im ganzen Land. Deren Veranstalter verzichteten sogar teilweise auf die Standgebühren, da die neue Automobilsensation ein Besuchermagnet war. Interessenten fanden sich ein, die den Tesla-Mitarbeitern Schecks über 100.000 Dollar in die Hand drückten, nur um sich einen Roadster zu sichern.

Probleme bei Tesla

In dieser Zeit kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Eberhard und Musk. Eberhard wurde von der Belegschaft dafür gefeiert, dass er schnelle Entscheidungen treffen konnte. Musk dagegen trieb mit seinen Sonderwünschen und ständigen Verbesserungen am Wagen, vor allem was den Komfort betrifft, alle in den Wahnsinn.

Die Roadster Prototypen hatten mit Getriebeproblemen zu kämpfen. Es handelte sich um Standard-Bauteile, die zugekauft wurden und eigentlich keine Probleme bereiten sollten. Die verschiedenen Teile des Tesla Roadster wurden wie im Automobilbau üblich weltweit hergestellt, vor allem in Asien. Auch hier kam es zu Problemen. So sollte in Thailand eine Batteriefabrik entstehen, wo man aber keinerlei Erfahrung mit derlei sensiblen Komponenten hatte.

Überdies war die Annahme, wieviel man durch Masseneinkauf sparen könnte, hoffnungslos überzogen. Der anvisierte Verkaufspreis von 85.000 Dollar hätte in manchen Phasen und bei Verarbeitung der gewünschten hochwertigen Materialien, für Tesla ein Minusgeschäft bedeutet.

All diese Probleme fielen schlussendlich auf Eberhard als CEO zurück und so wurde er zum Präsidenten für Technologie degradiert. Dies spaltete die Loyalität der Belegschaft. Daher schied Eberhard später gänzlich aus dem Unternehmen aus.

Aber auch 2007 wollten die Probleme nicht abreißen. Die Karosserie aus Kohlefaser war schwierig zu lackieren und es gab Unregelmäßigkeiten bei den Spaltmaßen. Viele Mitarbeiter waren nach der jahrlangen Anstrengung, bei der sie ihr Privatleben zugunsten des Unternehmens vernachlässigt hatten ausgebrannt. Musk selbst wurde immer dünnhäutiger und entließ Angestellte aufgrund von Nichtigkeiten. Musk verlangte seinen Mitarbeitern totale Hingabe für das Produkt ab. Einmal schreib er einem Angestellten eine wütende E-Mail, weil dieser es gewagt hatte, wegen der Geburt seines Kindes nicht zur Arbeit zu erscheinen. Viele der dienstältesten Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Durch den innovativen Ruf von Tesla kamen aber unentwegt junge, talentierte Kräfte nach.

Elon Musk macht Furore

Als Tesla bekannter wurde, erhöhte sich auch die Bekanntheit von Musk. Er gehörte jetzt zur High Society von Hollywood. Die Musks waren zur Hochzeit von Google Mitbegründer Sergej Brin eingeladen, wo sie auch auf das Who is Who der berühmtesten Musiker und Schauspieler trafen.

Musk diente als Vorlage für die fiktive Figur des Multimilliardärs und Playboy Tony Stark aus dem Film Iron Man. Regisseur Favreau und Hauptdarsteller Robert Downey Junior werden nicht müde, diesen Aspekt zu betonen. In Tony Starks Garage wurde im Kinofilm auch ein Tesla Roadster werbewirksam platziert. Der Film erschien vor dem offiziellen Verkaufsstart des Autos. Man wollte so die besondere Stellung von Tony Stark herausheben, umgekehrt war der Werbewert für den Roadster enorm.

Anfangs feierte die Presse Musk regelrecht. Er war einfach eine zu gute Story. Ein Selfmade- Internetmillionär, der jetzt den Weltraum eroberte und ein futuristisches Elektroauto baute. Sein extrovertierter Lebensstil, wie beispielsweise seine ausgesuchte Autosammlung machten die Story noch besser. Auch Justine genoss den Lebenswandel sichtlich. Sie führte sogar einen Blog, wo sie Einblicke in das Leben des Paares gab.

Elon Musk und seine Frauen

Ende 2006 bekamen Elon und Justine Drillinge. Anstatt sich am Kindersegen zu erfreuen, verschlechterte sich die Ehe des Paares. Justine sah sich von anderen Menschen nur als Anhängsel ihres Mannes behandelt, obwohl sie selbst eine Karriere als Schriftstellerin vorzuweisen hatte. Sie stellte Elon zur Rede, der sie fortan nicht nur als seine Frau, sondern auch als Schriftstellerin vorzustellen hatte.

2007 und 2008 verschlimmerte sich die Situation für Elon sowohl beruflich als auch privat immer mehr. Tesla musste Lieferverzögerungen zulassen und Musk ging Gerüchten zufolge langsam das Geld aus. Um den Verzögerungen bei Tesla entgegenzuwirken verbrachte er immer mehr Zeit im Unternehmen, worunter sein Privatleben zusätzlich litt. Mitte 2008 beantragten die beiden schließlich die Scheidung. Justine machte das auch auf ihrem Blog öffentlich. Sie schrieb ihre Version von den Ereignissen dort nieder. Musks Exfrau trat sogar mehrmals im Fernsehen auf. Dies und der Blog bescherten Elon Musk einen PR-Supergau. Die Öffentlichkeit stellte sich auf Justines Seite.

Elon Musk war zu dieser Zeit nicht liquide. Sein gesamtes Vermögen war in seinen Unternehmen gebunden. So konnte er zuerst die Scheidungs-Forderungen von Justine nicht erfüllen. Man musste sich auf einen geringeren Betrag einigen, wobei geringer immer noch eine Millionenabfertigung bedeutete.

Elons Ehen danach waren schnelllebig. Nach der Scheidung brauchte Elon nicht lange, bis er Trost bei einer hübschen, aufstrebenden Schauspielerin namens Talulah Riley fand. Er hatte sie bei einem Geschäftsausflug nach London kennengelernt. Talulah sollte 2010 seine zweite Frau werden. Die Ehe hielt bis 2012, endete in einer Scheidung 2012, flammte in einer neuerlichen Hochzeit 2013 erneut auf und wurde 2014 neuerlich aufgelöst. 2015 wurde die Scheidung rückgängig gemacht. 2016 trennte sich das Paar zum dritten Mal. Noch 2016 verheiratete Musk sich mit dem Model Amber Heard, von der er sich 2017 bereits wieder scheiden ließ.

© Bild: Jason Merritt/Getty Images

Talulah Riley und Elon Musk (2012)

Tesla in einer großen Krise

Ende 2008 waren sowohl Tesla als auch SpaceX finanziell am Ende. SpaceX hatte zwar den ersten erfolgreichen Raketenstart absolviert, allerdings gab es 2009 Probleme, die Gehälter zu zahlen. Die Rettung kam sprichwörtlich in letzter Sekunde, als eine Firma seiner Cousins von Dell aufgekauft wurde. Er hielt Anteile an diesem Unternehmen und so wurden ihm 15 Millionen Dollar ausgezahlt.

Insgesamt konnte Musk 20 Millionen zusammenbringen. Zusammen mit Investoren erhielt er so 40 Millionen Dollar Kapital für Tesla. SpaceX erhielt einen Auftrag über 1,6 Milliarden Dollar, um Flüge für die NASA zur Internationalen Raumstation ISS durchzuführen. Wegbegleiter von Musk bestätigen, dass sie kaum jemand anderen kennen, der einer vergleichbaren Krise standgehalten hätte. Elon Musk soll trotz aller Probleme stets einen klaren Kopf behalten haben und konzentriert gearbeitet haben.

Auch die nächsten Jahre verliefen nicht spannungsfrei. Es gab zwei (allerdings freiwillige) Rückrufaktionen. Einmal wegen einer schlecht angezogenen Schraube und einmal wegen eines scheuernden Kabels. Es waren jeweils nur einige hundert Autos betroffen.

Teslas Modell S

Erste Designs des Tesla Modell S entstanden bereits im Jahr 2007. Musk hatte die Zusammenarbeit mit Henrik Fisker gesucht. Fisker, ein berühmter dänischer Autodesigner, hatte unter anderem für Aston Martin Modelle gestaltet. Die Kollaboration mit Fisker lief allerdings nicht gut. Musk warf Fisker vor, nicht mit ganzem Herzen bei der Sache gewesen zu sein. Es zeigte sich, dass Fisker plante, ein eigenes Autounternehmen zu gründen. Der Verdacht stand im Raum, dass er die besten Designs für sich behalten hatte. Tatsächlich brachte Fisker ein eigenes Hybridauto, den Fisker Karma, auf den Markt. Tesla reichte zwar eine Klage gegen Fisker ein, verlor diese jedoch.

Musk hatte Tesla ein Budget von lediglich 130 Millionen Dollar bereitgestellt. Das ist nur ungefähr ein Zehntel von dem Budget, das große Automobilhersteller üblicherweise in die Entwicklung eines neuen Modells investieren. Musk war überzeugt, dass Tesla über die besseren Ingenieure verfügte und so die fehlenden Millionen wettmachen zu können.

Als Basis für das Modell S baute man vorerst Autos von Mercedes für interne Tests auf elektrischen Antrieb um. Der Designer Franz von Holzhausen wurde damit beauftragt, die Arbeit Fiskers fortzuführen. Holzhausen hatte bei VW maßgeblich am New Beetle mitgearbeitet und auch für Mazda Autos designt.

© Bild: Bryan Mitchell/Getty Images

2012: Elon Musk und das Tesla Modell S auf der North American International Auto Show in Detroit.

Tesla produzierte lediglich 15 Prototypen, sogenannte Alpha-Autos. Traditionelle Automobil-Hersteller stellen üblicherweise weit mehr Prototypen her. Einen Prototypen fuhr Musk selbst. Bereits über das erste Wochenende hatte er 80 Anmerkungen für die Ingenieure zusammengetragen. So kamen über die ersten Wochen unzählige Änderungswünsche- und Vorschläge zustande. Sogar eine schlecht verarbeitete Sonnenblende konnte Elon intensiv beschäftigen. Für Musk war selbst dieses Detail wichtig und so erhielten die Ingenieure den Auftrag, herauszufinden, wie die bislang beste Sonnenblende der Welt konstruiert sein müsste.

Im Juni 2012 war es dann soweit. Die ersten Tesla Modell S wurden in einer feierlichen Zeremonie in der Fabrik in Fremont an die Kunden übergeben. Viele Mitarbeiter, vor allem die altgedienten Mitarbeiter aus der traditionellen Automobilbranche, hatten Tränen in den Augen. Elon Musk hatte abgeliefert. Zwar mit Verzögerungen, aber trotzdem besserte sich jetzt sein Image in der Presse.

Nun hieß es, die zigtausenden Bestellungen, die bereits auf der Warteliste standen, in tatsächliche Verkäufe umzuwandeln. So gut das Modell S auch war, ihm fehlten einige Funktionen anderer Luxusautos. Auch die Verarbeitungsqualität war alles andere als makellos. Am Börsenparkett wurden Wetten gegen Tesla abgeschlossen. Es wurde spekuliert, dass Tesla entweder die Vorbestellungen nicht erfüllen könne oder dass die Nachfrage rasch nachlassen würde.

Beinahe wären sich in dieser Zeit die Freunde Musk und Google-Gründer Page über eine Übernahme einig geworden. Diese sollte Tesla aus der Bredouille bringen. Elon fand in letzter Minute je doch einen Ausweg durch klassisches Telefon-Marketing: Verkäufer wurden eingestellt, die telefonisch die langen Wartelisten abarbeiteten und Interessenten in tatsächliche Käufer umwandelten.

Tesla-Käufer waren keine bloßen Kunden. Tesla schaffte etwas, das nur sehr wenige Marken bislang erreichen konnten. Ähnlich wie Apple es unter Führung von Steve Jobs mit seinen Produkten gemacht hatte, wurden auch Musks Tesla-Elektroautos zu Kultobjekten und Kunden zu eingefleischten Fans der Marke.

Zwar gab es noch einige Fehler am neuen Modell S auszubügeln, doch vieles ließ sich über die Software erreichen. Mittels Fernwartung verschwand ein Problem nach dem anderen mittels Updates über Nacht. Oftmals kamen auch neue Funktionen hinzu, was die Nutzer zusätzlich erfreute. Es zeigte sich auch, dass wie von Musk prognostiziert, Elektroautos seltener einer Wartung bedürfen als vergleichbare Autos mit Verbrennungsmotor.

Im ersten Jahr verkaufte Tesla 2.650 Modell S.

Teslas wirtschaftliche Trendwende

Das Budget, das Musk für das Modell S bereitgestellt hatte reichte nicht. Mit Fleiß und einer guten Portion Glück konnte Tesla sich dennoch helfen. Die zukunftweisende Akkutechnologie schlug weite Kreise in der Automobilbranche. Alle wollten davon profitieren. So beteiligte sich Daimler an Tesla und erwarb 10 Prozent der Anteile für 50 Millionen Dollar. Die Deutschen orderten große Mengen an Batteriepacks für eigene Modelle. Auch Toyota beteiligte sich mit fünf Prozent an Tesla und stellte eine nicht mehr benötigte Fabrik günstig zur Verfügung. Vom Energieministerium wurde ein Kredit in der Höhe von 465 Millionen Dollar gewährt. So gut hatte es bei Tesla schon lange nicht mehr ausgesehen.

Mitte 2010 ging Tesla an die Börse. Elon Musk hatte sich lange dagegen gesträubt. Er wollte die Kontrolle über das Unternehmen nicht verlieren. Tesla nahm über 200 Millionen Dollar ein und der Kurs stieg am ersten Tag um satte 41 Prozent.

© Bild: Max Whittaker/Getty Images

4. September 2014: Elon Musk spricht vor dem Nevada State Capitol vor der Presse um seinen Plan, eine Tesla “Gigafactory” für Batterien und Elektroautos, anzukündigen.

Tesla in den letzten Jahren

Produktion und Absatz des Modell S vergrößerten sich in den kommenden Jahren rapide auf zuerst 22.500 Exemplar, dann 35.000 und schlussendlich stolze 50.000 Exemplare. Hinzu kam 2015 das Modell X, eine Kombination aus SUV und Van. Das Tesla Modell X sollte sich vor allem an Familien richten und die Bindung von Frauen an die Marke stärken. Eine Besonderheit des Modell X sind die Flügeltüren, die ein bequemes Ein- und Aussteigen, sowie die Platzierung von Kindersitzen oder ähnlichem angenehm gestalten sollen. Auch das Modell X hat sportwagenähnliche Beschleunigungswerte. Von ihm wurden im Jahr 2016 weltweit 25.000 Fahrzeuge ausgeliefert.

Im März 2016 wurden erste Prototypen des Modell 3 vorgestellt, das seit 2017 allerdings erst in geringen Stückzahlen produziert wird. Tesla kämpfte mit Verzögerungen im Ausbau der Fertigung, wofür große Investitionen getätigt werden mussten und wodurch Tesla in einen Rekordverlust schlitterte. Das Modell 3 ist der etwas günstigere Einstieg in die Welt von Tesla mit einem Verkaufspreis von 35.000 Euro. Bereits Hunderttausende ließen sich auf eine Vormerkliste setzen.

Musk sieht in der manuellen Arbeit an der Fertigungsstraße eines der größten Probleme, das für die Verzögerungen beim Bau des Modell 3 verantwortlich ist. Daher schickte sich Tesla an, die wohl größte Revolution seit Henry Fords Einführung der Fließband-Fertigungsstraße in der Automobilbranche umzusetzen: Die vollautomatische Fertigungsstraße. Es gibt bereits ein erstes Video der Fertigungsstraße auf dem nur noch Roboter bei der Arbeit und kein einziger Mensch zu sehen sind.

The Model 3 body line slowed down to 1/10th speed

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Aktuell lag der Höchststand des Börsenwertes von Tesla bei 65 Milliarden Dollar. Somit war Tesla mehr wert als Ford, GM oder BMW. Tesla konnte inzwischen seinen Vorsprung 2017 auf dem US-Markt für Luxusautos vor anderen Herstellern wie Mercedes, Porsche und BMW behaupten. In der hohen Bewertung von Tesla stecken aber nicht nur Fakten, sondern auch viele Erwartungen in die Zukunft.

Im November 2017 landete Elon Musk einen weiteren Coup, der vielleicht auch von seinen Problemen bei der Ausweitung der Serienfertigung des Modells 3 ablenken soll. Er präsentierte einen Elektro-LKW mit auf dem Papier erstaunlichen Werten. Er soll eine Reichweite von 800 Kilometern haben, 40 Tonnen ziehen können und in 30 Minuten fast vollständig geladen sein. Auch zu den Wurzeln der Marke Tesla will Musk zurückkehren. Überraschend präsentierte er zeitgleich einen neuen Roadster. Der 200.000 Dollar teure Elektro-Sportwagen soll in unter 2 Sekunden auf 60 Meilen/h beschleunigen und um die 400 km/h schnell sein.

Tesla ist erneut an einem Scheidepunkt angelangt: Schafft man es, durch den Ausbau der Produktion des Modell 3 zu einem Massenhersteller zu werden? Kann man auch ein „günstiges“ Elektroauto mit Gewinnen produzieren? Kann man den technologischen Vorsprung gegenüber den traditionellen Herstellern halten und auch die Strahlkraft der Marke Tesla bewahren? Diesen Fragen muss sich Elon Musk stellen. Die Zukunft von Tesla bleibt somit spannend.

Weitere Projekte von Elon Musk

Als wären Tesla und SpaceX nicht genug ist Elon Musk in einer Reihe von weiteren, kaum weniger innovativen Projekten involviert. Schlagzeilen haben in neuerdings Hyperloop und die Boring Company gemacht.

PowerWall und Solar Roof von Tesla sind Projekte von Musk, die mittlerweile ebenfalls bestellt werden können. Die PowerWall ist nichts anderes, als ein kompakter und leistungsfähiger Akku, um den Strom von zB. Photovoltaik-Anlagen speichern zu können. Das Solar Roof sind neuartige Solar-Dachschindel und Dachziegel, die optisch nicht als Photovoltaikzellen erkennbar sind. So kann man einfach einen gewissen Prozentsatz der Dachziegel gegen Photovoltaik-Ziegel ersetzen, ohne dass es auffällt.

Der Hyperloop geht auf ein Konzept Musks aus dem Jahr 2013 zurück. Menschen sollen in Transportvehikeln in einer Vakuumröhre ähnlich wie bei einer Rohrpost entweder unterirdisch oder auch oberirdisch auf über 1.000 km/h beschleunigt werden. Zuerst beschäftigte Musk hausintern ein Dutzend Entwickler, die die Rohfassung ausarbeiteten. Eigentlich aber soll es ein Open Source Projekt sein, ähnlich wie die Software Linux. Bei diversen Wettbewerben zu Thema nahmen Teams aus der ganzen Welt teil. Siegreich war schon zweimal ein Team der Technischen Universität München. Deren Prototypen an Transportkapseln erreichten in schon bestehenden Teststrecken die höchste Geschwindigkeit.

Die Boring Company wiederum beschäftigt sich damit, unterirdisch die benötigten Tunnel zu bohren. Die Firma ist noch relativ jung, denn sie wurde erst 2016 gegründet. Musk will die Grabungskosten für Tunnel radikal senken. Nur so ist Musks Vision einer Revolution des öffentlichen Verkehrs auch finanziell realistisch.

SolarCity geht auf eine Idee Musks aus dem Jahr 2006 zurück, die er seinen Cousins überließ. SolarCity ist einer der größten Firmen im Solarbereich in den USA. Insgesamt hat das Unternehmen schon über 300 000 Häuser mit Solarzellen ausgestattet. 2016 schluckte Tesla SolarCity dann ganz um 2.6 Mrd. US Dollar.

OpenAI will das Thema künstliche Intelligenz zum Wohle der Menschheit erforschen. Der Non-Profit-Organisation steht dafür 1 Milliarde Dollar zur Verfügung. Ein Teil davon kommt von Musk selbst. Elon Musk ist hier involviert, da er Künstliche Intelligenz als eine große Gefahr für die Menschheit sieht, falls sie falsch verwendet wird. Er will auf diese Art seinen Einfluss geltend machen. Auch OpenAI verfolgt einen Open Source- Zugang.

Neuralink ist auch ein relativ junges Forschungsprojekt von Musk, das sich mit der direkten Verbindung des menschlichen Gehirns mit Computern beschäftigt.

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