Brücke über den Ärmelkanal: Brexit Boris Brückenpläne

Eine Brücke über den Ärmelkanal soll die Verkehrsverbindung zwischen England und Frankreich optimieren. Die Idee kam ausgerechnet von Boris Johnson.

22.01.2018 Online Redaktion

Dank des Eurotunnels reisen seit 1994 Züge zwischen England und Frankreich durch drei Röhren. Die sind 50 Kilometer lang, 37 davon sind unterhalb der Straße von Dover, was den Eurotunnel zum längsten Unterwassertunnel der Erde macht. Sechs Jahre wurde an dem Projekt gebaut (von 1987 bis 1993), umgerechnet 15 Milliarden Euro haben die Arbeiten gekostet.

Brücke zwischen Calais und Dover

Geht es nach Boris Johnson, dem britischen Außenminister und Brexit-Enthusiasten, sollte diesem Projekt auch eine Brücke folgen. Hintergrund dieses Vorschlags war ein Staatsbesuch von Emmanuel Macron im Königreich. Dabei wurde unter anderem die Einrichtung einer Expertenkommission für Großbauprojekte diskutiert.

Johnson erklärte daraufhin, dass es absurd sei, dass zwei der größten Wirtschaftsnationen der Erde nur durch eine Eisenbahnstrecke verbunden seien. Laut Daily Telegraph habe Macron eher lapidar geantwortet: „Klingt gut. Lasst es uns machen.“

Die neuntlängste Brücke der Welt

Machbar wäre eine Brücke auf jeden Fall. Nimmt man den Tunnel als Basis und geht von 37 Kilometern Länge aus – also der Teil, der direkt über den Ärmelkanal gehen würde – wäre es gerade einmal die neuntlängste Brücke der Welt. Vergleichbare Projekte, also lange Brücken, die sich über Wasser spannen, wären die Hangzhou Bay Bridge (36 Kilometer über offenes Meer), der Lake Pontchartrain Causeway (mit 38,4 Kilometern die zweitlängste Brücke über Wasser) und die Jiaozhou-Bucht-Brücke (mit 42,58 Kilometern die längste Brücke über Wasser).

© Bild: Elionas2 / pixabay.com

Die Kostenfrage wäre natürlich der Knackpunkt. Ein EU-Projekt dürfte die Brücke kaum werden, schließlich steht in 14 Monaten der Brexit an. Dazu haben andere Großbauprojekte in Europa gezeigt, dass Budgetpläne wenig Bedeutung haben und solche Bauwerke nur schwer kostendeckend zu betreiben sind.

Gegenwind für Johnson

Entsprechend gab es auch gleich Gegenwind aus Frankreich. Bruno Le Maire, der Wirtschaftsminister und Macron, meinte direkt: „Alle Ideen verdienen es, erörtert zu werden, auch die abwegigsten. Wir haben große europäische Infrastrukturprojekte, deren Finanzierung komplex ist. Lasst uns diese Sachen fertigstellen, die bereits im Gang sind, bevor wir über neue nachdenken.“

Neu ist die Idee der Brücke allerdings nicht. Entsprechende Pläne gab es bereits in den 1960er Jahren – damals wurden sie allerdings von Seiten der Franzosen geschmiedet. Damals sollten fünf Autofahrbahnen, zwei Motorradpisten und zwei Bahngleise über den Ärmelkanal geschmissen werden. 164 Pfeiler im Abstand von je 600 Metern hätten das Konstrukt tragen sollen. Durch eine Höhe von 70 Metern wäre der Schiffsverkehr unbeeinträchtigt geblieben. Geplante Kosten: 2,6 Milliarden deutsche Mark.

Damals kommentierte „The Times“ aus England eher kritisch, dass eine Brücke alle Grenzen beseitigen würde und Englands Straßen und Eisenbahnstrecken damit Teil des europäischen Verkehrsnetzes werden würden. Dass ausgerechnet Boris Johnson diese (französische) Idee jetzt wieder aufgreift ist zumindest bemekerkenswert.

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