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Der Sportwagen im Schafspelz

Wie fährt sich der Audi Avant RS2 von 1994? Was sagte Walter Röhrl über den RS2? Wir haben die Antworten.

27.04.2018 radical mag

Wir schreiben das Jahr 1994, im Februar entsteht in Zusammenarbeit mit Porsche das erste Audi-RS-Modell. Der bei Audi weiterhin so hoch geschätzte 2,2-Liter-Fünfzylinder kam auf eine Leistung von 315 PS, der High-Performance-Kombi auf ein Leistungsgewicht von 5,1 kg/PS. In 5,4 Sekunden schaffte er – vielleicht – den Sprint von 0 auf 100 km/h, damals gab es noch keine elektronisch abgeriegelten 250-km/h-Höchstgeschwindigkeit, daher durfte er 262 km/h schnell werden, der RS2.

© Bild: Audi

Walter Röhrl über den ersten Audi RS2

In der Pressemitteilung von 1994 stand, dass Walter Röhrl so urteilte: “Das Auto ist sehr gutmütig und wunderbar einfach zu fahren. Du gibst Gas und der RS2 mit seinem permanenten Allradantrieb fährt sauber der Lenkung nach.” Da geben wir dem großen Meister Recht (wie immer…), eben. Im Gegensatz zu elektronisch geregelten aktuellen Fahrzeugen macht dieser RS2 tatsächlich das, was man will, fährt so schnell dorthin, wie man ihn ebendort haben will. Röhrl: “Der Avant RS2 untersteuert im Grenzbereich leicht. Dann nimmt man einfach das Gas weg und das Auto ist wieder auf Kurs.” So haben wir es doch auch gelernt, oder?

Wo wir Röhrl heute nicht mehr Recht geben

Was wir von den Röhrl-Kommentaren heut nicht mehr unterschreiben mögen: “Das Ansprechverhalten des Turbotriebwerks ist sensationell, vor allem aus dem unteren Drehzahlbereich heraus.” Nein, so richtig abgehen tut der RS2 nicht, es waren wohl eher 315 Ponys als Pferde. Aber das sind die Zeichen der Zeit: was sind wir verwöhnt unterdessen mit gewaltigem Drehmoment und Wahnsinnskräften. Auf dem Papier sind die 410 Nm bei 3000/min des RS2 zwar schon großartig, auch die 400 Nm, die zwischen 2800 und 4000/min immer bereitstehen, klingen nach viel. Sind sie aber nicht, der RS4 etwa geht da ganz anders zur Sache. Auch die Bremsen packen ganz anders zu als die einstigen Porsche-Hochleistungsdinger, es liegen eben Welten dazwischen. Wenigstens da…

© Bild: Audi

Lohnt sich der Kauf eines RS2?

2.200 Stück wollte Audi einst bauen und zum Preis von happigen 98.900 Mark verkaufen. Es wurden dann bis 1996 insgesamt 2.891 Exemplare; vor allem die Schweizer kauften das Teil wie blöd, Allrad, Kombi, teuer, das sind halt die Insignien, auf die die Eidgenossen stehen. Heut sind sie selten geworden, die RS2, manch einer endete an der Wand oder im Tal, deshalb sind die Gebrauchtwagenpreise – erstaunlich tief, für 22.000 Euro gibt es anständige Exemplare. Man darf davon ausgehen, dass so ein RS2 eine gute Investition ist, noch tiefer werden die Preise nicht sinken.

Der Sportwagen getarnt als Familienauto

Wir wollen ihn empfehlen, den Avant RS2 (Hand aufs Herz: der Autor dieser Zeilen kennt das Fahrzeug ja schon seit seiner Premiere, er hat damals, 1994, auch einen Test geschrieben; den er leider nicht mehr findet). Röhrl hatte in seiner Einschätzung recht: «Ich sehe in der heutigen Zeit einen der größten Vorteile dieses Modells darin, dass es mehr wie ein normales Familienauto ausschaut, jedoch die Fahrleistungen eines reinrassigen Sportwagens bietet. Der RS2 ist eine echte Sportwagenalternative mit viel Platz für Personen und Gepäck. Motorleistung, Fahrverhalten, Bremse – das ist ein homogenes Ganzes, da passt alles zusammen.» Er mag nicht so grob abgehen wie ein RS4, aber dafür kann mit ihm noch: Auto fahren.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-classics.com

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