Der V12-Granada von Ferrari

Es ist wohl die günstigste Möglichkeit um einen Ferrari mit V12-Motor zu erwerben, Designansprüche müssen jedoch beim 365 GT4 2+2 in den Hintergrund rücken.

radical mag
Veröffentlicht am 26.08.2017

Ende der 1960er Jahre hatte Ferrari drei Zwölfzylinder-Modelle im Angebot, den 365 GTB/4, besser bekannt als Daytona, den 365 GTC/4, der den Übernamen «der Bucklige» trug, und auch noch den 365 GT 2+2, der gerne als «Queen Mary» bezeichnet wurde. Dies deshalb, weil dieses Modell mit einer Länge von fast 5 Metern einer der größten Ferrari aller Zeiten, auch nicht wirklich sportlich zu fahren war. Eigentlich war auch der GTC mehr als «Gran Turismo» denn als Sportwagen gedacht, doch sein Platzangebot war halt nicht wirklich überragend. Doch Enzo Ferrari wollte nun ein «seriöseres» Modell, er sah, dass Aston Martin und Lamborghini mit Limousinen-ähnlichen Fahrzeugen Verkaufserfolge erzielten, und er rechnete sich aus, dass sich ein solcher Ferrari gerade in den USA bestens verkaufen lassen könnte.

Hier im Video ein 1974 Ferrari 365 GT4 2+2

Das Design, “zu sehr Ford Granada”?

Der Design-Auftrag ging an Pininfarina und dort an Paolo Martin. Sergio Pininfarina war sehr zufrieden mit den Entwürfen (von Enzo Ferrari weiß man es nicht so genau, er hielt Design genauso wie Aerodynamik für völlig überschätzt), bezeichnete sie als «unaufdringlich eindringlich». Doch als der neue Ferrari 365 GT4 2+2 dann im Herbst 1972 auf dem Pariser Salon erstmals gezeigt wurde, hielt sich die Begeisterung des Publikums in doch eher engen Grenzen. Als «zu sehr Ford Granada» wurde er beschrieben, als zu wenig spektakulär. Dabei gab es schon feine Details, etwa die «Pininfarina-Sicke», die rund um den Wagen lief und ihn optisch tieferlegte (und später bei vielen Pininfarina-Entwürfen verwendet wurde). Auch der Innenraum war sehr komfortabel ausgelegt – und bot erstaunlich viel Platz sowie einen tauglichen Kofferraum. Trotzdem wurden vom 365 GT4 2+2 in vier Jahren nur gerade 470 Stück verkauft – was aber auch daran gelegen haben könnte, dass der Ferrari deutlich teurer war als vergleichbare Aston oder Lambos.

Günstige Möglichkeit, um einen V12-Ferrari zu fahren

Ab 1976 ging es dann aber ein bisschen aufwärts – der 400 GT kam auf dem Markt. Optisch gab es keine großen Veränderungen, der Motor hatte nun 4,8 statt 4,4 Liter Hubraum – und erstmals gab es einen Ferrari serienmäßig mit automatischem Getriebe. Das passte der Kundschaft anscheinend, denn zwei Drittel der 400er Ferrari wurden mit der Automatik ausgeliefert. An der aber kritisiert wurde, dass sie die Fahrleistungen schon etwas gar arg kastrierte – heute gehören diese Automatik-Ferrari zu den günstigen Möglichkeiten, einen Ferrari mit zwölf Zylindern zu fahren. Aber auch die Handschalter gehen nicht durch die Decke. Der hier gezeigte 1974 Ferrari 365 GT4 2+2 (Handschalter) wurde im Jänner 2016 von Mecum Auctions um 60.000 US-Dollar versteigert.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com


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