
Viele der modernen Assistenzsysteme schießen übers Ziel hinaus, behauptet Christoph Jordan.
Da sitzt man also in der Pressekonferenz zum neuen Seat Ibiza Cupra, hört vieles über die Vorzüge des zweifelsohne lustigen, kleinen Teufels – und kriegt dann unverhofft eine mit dem Rohrstaberl auf die Finger. Die Frage, ob man denn das ESP vollständig deaktivieren könne, wird mit einem knappen: „Das ist nicht vorgesehen“ beantwortet. Ausgerechnet bei einem ausgewiesenen Sportmodell, das kraft seiner 192 PS durchaus für einen hetzigen Trackday geeignet wäre? „Aus Sicherheitsgründen“. Das lasse ich mir bei einem Familienvan à la Opel Meriva einreden, nicht aber bei einer Pocket Rocket. Wie sollen die Kinder denn die Freuden der fortgeschrittenen Fahrzeugbeherrschung lernen, wenn sich diese ganzen elektronischen Bevormunder nicht abschalten lassen – immerhin hat der Ibiza noch eine mechanische Handbremse. Nicht, dass wir jeden Tag am Limit geigen würden – aber es gibt Tage, an denen man schlicht gerne der eigene Herr im Auto sein möchte. Das Böse daran: Die Entmündigung zieht schleichend unter dem Deckmantel der Sicherheit ein und ist kaum aufzuhalten.
Das beginnt schon bei kleinen Ärgerlichkeiten im Alltag: Was hilft eine Einparkhilfe, die in einer engen Garagenspindel rundum Alarm schlägt? Stichwort Einparken: Warum lassen sich bei manchen Autos mit Automatikgetriebe keine Fahrstufen mehr einlegen, sobald die Türe geöffnet ist? Es soll nämlich Menschen geben, die ihren Abstellplatz auf den Millimeter genau erwischen müssen, wo dann sogar jede Rundumkamera als Hilfe versagt.