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Formel 1: Fahrerwechsel, Teamdynamiken und der Ausblick auf 2025 [Kommentar]

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Machen wir uns auf eine von Beginn an atemberaubende Formel-1-Saison 2025 gefasst. Es gibt viele Gründe, sich darauf zu freuen. Und für manche, sich zu fürchten. 

Teampräsentationen mit gemischten Gefühlen: Die großen Fahrerwechsel

Der erste Arbeitstag nach der längsten Formel-1-Saison aller bisherigen Zeiten (24 Grand Prix, 6 Sprints) hatte viele traurige Gesichter: Carlos Sainz nahm im Williams Platz, Nico Hülkenberg kehrte in die Sauber-Box zurück und Esteban Ocon stellte sich Haas F1 vor. Keiner wirkte so richtig glücklich – Ocon und Sainz hatten ihre Teams für 2025 gewiss nicht auf ihren Karriere-To-do-Listen und Hülkenberg verlässt Haas in einer Zeit des Aufbruchs und Aufstiegs, um bei Sauber (später) Audi zu fahren, ein Rennstall, der Ewigkeiten in einer Warteschleife gefangen ist. Vieles an diesem Audi-Einstieg ist nicht zu Ende gedacht, und abgesehen davon fragt man sich, ob es sinnvoll ist, die Jahre bis 2026 einfach abzusitzen und auf bessere Zeiten (im doppelten Sinn des Wortes) zu warten. Und ob der bei Ferrari gescheiterte Mattia Binotto der richtige Mann ist, um ein kriselndes Team in die Zukunft einzuschwören? Selbst Optimisten bei Audi rechnen im „Jahr 2030" (!) mit den ersten Siegen aus eigener Kraft. Dabei müsste man doch wissen: Zeit ist Geld. Wiederum in mehrfacher Hinsicht gedacht.

Management entscheidet: Der Trainer-Effekt in der Königsklasse

Zudem sollte man den „Trainer-Effekt" in der Formel 1 nicht unterschätzen. McLaren ist unter Andrea Stella aufgeblüht, wie es Alpine unter Flavio Briatore und Oliver Oakes tun könnte. Ferrari ist unter Fred Vasseur ins Finale der Konstrukteurs-WM gekommen, hatte bis zur letzten Runde die Chance, diese begehrte Trophäe noch zu erobern. Freilich auch dank Christian Horner und all dem Chaos, das dieser bei Red Bull ausgelöst hat. Die groteske Vertragsverlängerung von Sergio Pérez mitten in dessen Krise im Frühsommer und der darauffolgende Total-Absturz des Mexikaners war ebenso Horners Entscheidung wie seine allzu spontane Idee, Franco Colapinto, nach zwei guten Rennen, um Millionen von Williams kaufen zu wollen, statt auf die vielen eigenen Talente zu setzen. Für Colapinto wurde all das zu viel, mit seinem Crash in Las Vegas verspielte er gerade dort alles. Bis dahin fügte Horner dem eigenen (im Moment wieder durchaus vielversprechenden) Nachwuchsprogramm aber einen gehörigen Schaden zu. Auch als Weltmeister-Teamchef kann man zu den Verlierern der Saison zählen.

Übergangssaison 2025: Letzte Chance für die aktuelle Generation

Die nächste, 2025, wird eine, in der die Fans die Gewinner sein sollten. Im letzten Jahrgang der alten Technik-Gesetzgebung werden die Autos näher zusammen sein denn je. Zugleich ist es aber eine Übergangssaison, in der die Konzentration vieler Teams bereits auf den Motoren und Autos für 2026 liegt. Man kann also damit rechnen, dass alle sehr viel Energie in den Saisonstart investieren und dann, falls es nicht rennt, sehr schnell in einen Sparmodus switchen, um sich auf die Entwicklung für das nächste Jahr zu fokussieren. Wir werden also beim und unmittelbar nach dem Saisonstart sehr intensive Rennen sehen. Die nach all den Umbrüchen dieses Winters zu Standort-Bestimmungen werden. Viele heiße Fragen müssen geklärt werden: Lebt sich Lewis Hamilton bei Ferrari sofort ein? Dass er es entgegen mancher „Experten"-Ausrufe immer noch kann, hat er in Abu Dhabi ebenso bewiesen wie bei seinem grandiosen Sieg in Silverstone. Doch während er bei Mercedes die volle Rückendeckung von Toto Wolff hatte, trifft er in Maranello auf ein hochpolitisches Umfeld, mit Charles Leclerc und dem ganzen Todt-Clan als Gegner. Andererseits stieg die Ferrari-Aktie am Tag der Hamilton-Verpflichtung um zwölf Prozent. Das rote Imperium hat zu viel investiert, um Lewis jetzt nicht zu pushen. Da er aber mit Leclerc auf einen der besten Qualifying-Experten trifft, könnten wir eine Situation wie 1984 bei McLaren erleben, dass nämlich der Schnellere auf den clevereren Piloten trifft.

Schlüsselfragen der Zukunft: Verstappen, Antonelli und die Weichenstellung

Hat Max Verstappen noch Lust auf Red Bull? Nach außen hin mag es im Streit zwischen Jos Verstappen und Christian Horner ruhiger geworden sein, doch die ersten Monate 2025 werden zeigen, ob sich Max noch wohl fühlt. Der Familienmensch, der bald selbst Vater wird, ist mit erst 27 schon seit zwei Jahrzehnten im Rennsport-Getriebe, und obwohl er besser denn je ist, wirkt es zugleich, als sei all das für ihn unwichtiger denn je. Dass seine Vertrauten, die Macher des Zandvoort-GP, sich entschieden haben, den Grand Prix von Holland nach dem Vertragsende nicht mehr austragen zu wollen, könnte ein Indiz sein, dass auch sie an seinem Weitermachen zweifeln. Oder dass er sich ab 2026 weniger vielversprechende neue Optionen sucht – etwa mit einem Wechsel zu Aston Martin. Geht Totos riskanter Antonelli-Plan auf? Mit dem 18-jährigen Kimi Antonelli als Hamilton-Nachfolger zeigt Toto Wolff Mut. Doch der junge Mann mit dem Senna-Antlitz wird schnell liefern müssen. Zu viele wollen ihn (und damit Wolff) scheitern sehen. Angesichts der Zeiten, die von Kimis Tests durchsickern, könnte den Kritikern das Lachen aber schon in Melbourne vergehen.

Dieser Artikel ist in autorevue 03/25 erschienen.

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