Tunnelphobie – die Angst vor dem Tunnel

Woher kommt die Angst davor durch einen Tunnel zu fahren, wann wird sie zur Phobie und damit zur Gefahr und was hilft dagegen?

05.03.2016 Online Redaktion

Beinahe jeder zweite Autofahrer hat Angst im Tunnel – so das Ergebnis einer Umfrage der deutschen Prüforganisation DEKRA, die 2012 unter 1.200 Autofahrern durchgeführt wurde. Mehr als ein Drittel der befragten Männer gaben an im Tunnel Angstgefühle zu haben (36 Prozent), unter Frauen war dieser Wert knapp doppelt so hoch (67 Prozent). Steigert sich diese Angst bzw. entwickelt sie sich zu einer Störung, wird im Allgemeinen von Tunnelphobie gesprochen. Schauen wir uns diese Angst/Phobie einmal gründlich an.

Was ist eine Tunnelphobie?

Tunnelangst ist eine Sonderform der Klaustrophobie, also der Angst vor/in engen Räumen bzw. wird auch mit der Agoraphobie verbunden, also der Angst vor Orten und Situationen, in denen eine „Flucht“ nicht möglich erscheint. Die (notwendige) Angst, uns vor realen Gefahren zu schützen wird bei der Tunnelphobie zu einer irrationalen Angst – also zu einer Angststörung, bei der die verspürte Angst nicht mehr den realen Gefahren entspricht und deutlich überhöht ist. Eine Phobie im Allgemeinen, und somit auch die Tunnelphobie, kann sehr vielfältige Ursachen haben.

ASFINAG: Richtiges Verhalten im Tunnel

Woher kommt sie?

Sie ist eine „erlernte“ Angst, z.B. durch tatsächlich erlebte, negative Situationen in einem Tunnel, aber auch durch Situationen, die nicht auf den ersten Blick als Ursache für eine Tunnelphobie erkennbar sind. Auch andere phobische Störungen können dabei ineinandergreifen und eine irrationale Angst vor Tunnelfahrten auslösen.

Wie äußert sich eine Tunnelphobie und welche Auswirkungen hat sie?

Autofahrer, die an Tunnelangst leiden, fühlen sich in einem Tunnel (scheinbaren) Gefahren hilflos ausgesetzt – und sind gestresst davon, nicht „entkommen“ zu können. Das äußert sich z.B. durch Beklemmungsgefühle, starkes Schwitzen oder einer verkürzten Atmung.

Was passiert im schlimmsten Fall?

Das Bemerken dieser äußeren Stresssymptome kann die Angst (und auch das Adrenalin im Körper) weiter erhöhen – also zu einem Kreislauf führen, der im schlimmsten Fall in eine Panikattacke mündet, die einen fahrunfähig macht. Wenn es soweit kommt, wird aus der scheinbaren Gefahr tatsächliche, reale Gefahr – für den Betroffenen selbst als auch für alle anderen nachkommenden Autofahrer im Tunnel.

ADAC: Tunnel-Test 2015

Wie kann man eine Tunnelphobie überwinden?

Die gute Nachricht: Die Tunnelphobie kann unter Anleitung eines darauf spezialisierten Psychotherapeuten überwunden oder zumindest eingedämmt werden. In der Psychologie gilt aber der Grundsatz: Eine Phobie kann nur überwunden werden, wenn man sich ihr stellt. Was aber nicht bedeutet, dass man sich todesmutig in den nächsten Tunnel „stürzen“ soll.

Welche Therapien helfen?

Durch eine kognitive Verhaltenstherapie bzw. der Konfrontationstherapie kann die Angst Schritt für Schritt auf ein angemessenes Maß reduziert werden. Dabei werden z.B. unter Anleitung und Begleitung längere Bahnunterführungen und kleinere Tunnels durchquert um dann Schritt für Schritt mit immer längeren Tunnels konfrontiert zu werden – und man so lernt mit der Situation umzugehen. Bei einer leichten Ausprägung der Phobie bzw. wenn diese nicht zu Panikattacken führt, ist nicht zwangsläufig eine Therapie notwendig.

Tunnelüberwachung

Ein Asfinag Mitarbeiter beobachten in der Asfinag Zentrale das österreichische Strassennetz während einer Übung im Rahmen der Asfinag „Einsatzübung im Tunnel Vösendorf auf der S1“:

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© Bild: APA/ HERBERT P. OCZERET

5 Tricks die bei Tunnelphobie helfen

Ein paar kleine Tricks können dabei helfen, mit der Situation besser umgehen zu können:

  • „Tunnelblick“ vermeiden: Wichtig ist, sich nicht auf den Tunnelausgang, also auf das Licht am Ende des Tunnels zu konzentrieren, sondern mit der Aufmerksamkeit im Sichtbereich rund um das Auto zu bleiben.
  • Im Tunnel die Geschwindigkeit leicht reduzieren, um den allgemeinen Stresspegel zu senken
  • Ruhig und tief durchatmen um dem Körper ausreichend Sauerstoff zuzuführen
  • Sich bewusst machen, dass es gerade in einem Tunnel Videoüberwachung, Hilfe und auch Notausgänge gibt
  • Auch beruhigende Musik oder etwas „small talk“ mit dem Beifahrer kann dabei helfen, dass sich der Stresspegel im Rahmen hält
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