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Supertest 2016: Porsche 911 Turbo S

Im 10. Teil des Supertests 2016 geht es um den Porsche 911 Turbo S. Der sie alle in Grund und Boden gefahren hat.

02.01.2017 radical mag

Peter Ruch von radical-mag war einer unserer Gäste beim Supertest 2016, wir wollen euch seine sehr lesenswerten Berichte nicht vorenthalten.

Den Porsche 911 Turbo S hatten wir ja auch schon im Test. Doch es ist dann schon noch einmal etwas anderes, wenn man den Stuttgarter a) auf der Rennstrecke und b) im Vergleich mit anderen automobilen Freudenspendern bewegen kann. Das Problem ist aber ein ähnliches, wie wir es schon im Test beschrieben hatten: er ist einfach – zu gut. Er hat sie alle in Grund und Boden gefahren beim #supertest2016, deutliche Bestzeit erzielt in den Händen vom Wendlinger Karl auf dem Salzburgring, auch auf den Landstraßen in der Gegend vollkommen überzeugt, war am Berg wunderbar – und zuckelte friedlichst, locker, souverän dann auch noch zum Wurstsemmel-Kauf (das ist eine der Traditionen beim Supertest der «auto revue», man ernährt sich tagsüber fast ausschließlich von Wurstsemmeln).

Porsche 911 Turbo S, der Tradition verpflichtet

Er ist einfach so: no nonsense. Gut, man könnte jetzt auch schreiben, dass das Innenleben des 911ers sich in den vergangenen 60 Jahren kaum verändert hat, dass sich der Reiz des Anblicks gerade im Hinblick auf die Produkte aus der Porsche-Nutzfahrzeug-Abteilung längst gelegt hat, aber dann schaut man sich «modernere» Produkte an, einen Jaguar zum Beispiel, den Audi R8, den Lexus, und dann fragt man sich: braucht es den Fortschritt wirklich – und gibt es ihn überhaupt? Selbstverständlich kann man über das Ur-Problem aller 911er jammern, die Platzverhältnisse in einem unterdessen 4,51 Meter langen und 1,88 Meter breiten Wagen, den mickrigen Kofferraum, die völlig unnütze 2+2-Bestuhlung, doch das ist so seit 1964, da kann kein Kunde mehr behaupten, er hätte mehr oder etwas anderes erwartet.

© Bild: Peter Ruch

Was Porsche besser kann als alle anderen

Aber was Porsche halt einfach besser kann als alle anderen: diese unglaubliche Konzentration auf das Wesentliche. Jeder neue 911er ist noch mehr, noch besser, ganz besonders als Turbo, der ja sowieso ganz oben angesiedelt ist, irgendwie noch ernsthafter ist als alle andern Stuttgarter, da wird die Fahrfreud‘ dann auf ein höchst seriöses Niveau gehoben. Wolfgang Hofbauer hat das in der «auto revue» sehr schön beschrieben: «Wenn wir sagen, Goethe hat nie einen Mist geschrieben über viele Jahre hinweg, dann ist der Porsche der Goethe der Autoindustrie.» Die Frage darf da aber auch sein: auch Goethe lesen wir ja mehr mit Verstand, analytisch – das Herz geht uns dabei nicht wirklich auf, oder?

Was sagt Karl Wendlinger über den Porsche 911 Turbo S

Der Wendlinger Karl sagt, wie so oft: «Vorderachse gut». Er sagt sogar: «Vorderachse sehr gut», und das ist ein hohes Lob. «Als Paket ist das in der Summe das beste», sagt er dann auch noch: «Weil du dich im Porsche sofort wohl fühlst und dich voll aufs Fahren konzentrieren kannst. Das tut so, wie du es willst. Weniger Korrekturen machen automatisch schneller». Dem gibt es eigentlich nicht viel hinzufügen, genau das ist es, der Turbo S kann mit seinem elaborierten Allradsystem, überhaupt all den elektronischen System, seiner ausgezeichneten Balance sowieso alles besser als du als Fahrer. Ein Wendlinger mag noch spüren, dass sich das «hinten einfach ein bissl» bewegt, aber unsereins kommt dorthin nicht. Außer, wir machen was falsch. Doch auch das ist unterdessen schwierig, waren frühere 911er gerade als Turbo noch eine Herausforderung, so ist die jüngste Generation quasi idiotensicher.

© Bild: Peter Ruch

Ein einziges Lächeln

«radical» ist ja nicht so sehr Rundstrecke, mehr so: Berg. Da ist der Porsche mit seinem 3,8-Liter-Biturbo, der es auf 580 PS bringt und bis zu 750 Nm maximales Drehmoment abdrückt, ja eigentlich komplett übermotorisiert. Aber es ist halt doch eine Gaudi, auch wenn man da nie über den dritten von sieben Gängen des Doppelkupplungsgetriebes hinauskommt, denn die Lenkung ist wunderbar auf dem Punkt, die Bremsen sind derart vertrauenswürdig, dass alles zu einem Spiel wird, ein einziges Lächeln. Beim Porsche wünscht man sich diese nie enden wollende Bergstraße (gut, hin und wieder braucht es Tankstelle…), Fahren, Fahren, Fahren bis in die Abendsonne, und man weiß ja eben auch, dass er das mitmachen würde. Doch er kann dann halt auch noch zum Einkaufen fürs Wochenende (sofern man alleine fährt) und sieht gut aus vor dem feinen Hotel und der Oper und halt eben auch vor dem Berghaus. Winter kann er ebenfalls. In 2,9 auf 100, 330 Höchstgeschwindigkeit soll er auch noch können, und auf dem Papier kommt er mit einem Verbrauch von 9,1 Litern aus. Wobei man da ja jetzt grad nichts Gutes liest zu diesem Thema…

Wer schon hat, dem wird auch noch gegeben

Ja, das kostet viel, viel Geld, so ein Porsche 911 Turbo S ist mit mindestens 247.489 Euro angeschrieben. Dazu kommen ja dann immer noch ein paar Extras, und die sind bei den Stuttgartern keine Schnäppchen. Aber heutzutage muss man da ja anders denken in dieser Preisklasse, auch oder gerade bei den 911ern: so ein Turbo S ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein gutes Investment, an dem kann man zweidrei Jahre viel Fahrspaß haben, ihn dann ein bisschen wegstellen – und dann mehr dafür kriegen als den Neupreis. Es ist das bekannte Spiel: wer schon hat, dem wird auch noch gegeben.

Die Supertester 2016

Alle Preise für Österreich (Stand Dezember 2016) 

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • arctic

    Das Schweizer-Messer unter den Test-Kandidaten.
    Der kann alles sehr gut und ist nie verkehrt

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