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Supertest 2016: Chevrolet Camaro V8 Coupé

10 Supercars sind beim Supertest 2016 anzutreffen, eines davon ist das Chevrolet Camaro V8 Coupé, frisch gekürt zum „König der Herzen“.

25.12.2016 radical mag

Peter Ruch von radical-mag war einer unserer Gäste beim Supertest 2016, wir wollen euch seine sehr lesenswerten Berichte nicht vorenthalten.

Es gibt da beim Supertest der «auto revue» jeweils auch den «König der Herzen». Bei der diesjährigen Austragung, im Netz auch unter #supertest2016 zu finden, gewann der Chevrolet Camaro diese ausgesprochen prestigeträchtige Auszeichnung, die wohl nur noch vom Amt des österreichischen Bundespräsidenten an Ehr‘ und Rum übertroffen werden kann. Allerdings, und da müssen wir nun Wolfgang Hofbauer von der «auto revue» zitieren: «Diesmal wurde der König der Herzen so ermittelt, dass ich jeden Teilnehmer am Supertest gefragt habe, was denn sein/ihr König der Herzen wäre, mir dabei aber keine Notizen gemacht habe. Da dies niemandem aufgefallen ist, ging ich anschließend zu meinem Computer und schrieb folgenden Satz auf: König der Herzen ist der Chevrolet Camaro.»

Ohne jeden Anflug von wissenschaftlich-statistischer Basis

Gut, das ist natürlich eine Methode ohne wissenschaftlich-statistische Basis. Und so schreibt das auch der Hofbauer: «Das ist natürlich eine Methode ohne wissenschaftlich-statistische Basis, im Gegensatz zu früher.» Und von früher schreibt er weiter im großartigen «Premium»-Heft der «auto revue»: «Da haben wir den König der Herzen durch Rumbrüllen beim letzten Abendessen ermittelt. Nach dem Rumbrüllen hat der Chefredakteur entschieden: der wird es.» Das österreichische Demokratieverständnis war schon immer etwas – anders? Aber wir beugen uns natürlich der Mehrheit in Form von Wolfgang.

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Chevrolet Camaro von 335 bis 649 PS

Erst grad kürzlich haben wir ja die unterdessen 50 Jahre währende Geschichte des Camaro länglich ausgebreitet. Und da lernen wir auch, dass es sich beim jüngsten Produkt bereits um die sechste Generation handelt, die seit Ende 2015 in den USA im Verkauf ist und so langsam auch Europa erreicht. Unser Proband war mit dem 6,2-Liter-V8 ausgerüstet, sprich: 453 PS, 617 Nm maximales Drehmoment. Da gehen sich mit der 8-Gang-Automatik die 0 auf 100 in 4,6 Sekunden aus – und oben soll erst bei 290 km/h Sendeschluss sein (wir nehmen mal an, diesen Wert hat ein Computer errechnet). Es gibt den Camaro auch mit einem 2-Liter-Vierzylinder (275 PS) und mit einem 3,6-Liter-V6 (335 PS, nicht für Europa) und bald auch noch als ZL1 mit dem 649 PS und 868 Nm maximalem Drehmoment und optionalem 10-Gang-Automatikgetriebe. A horse is a horse is a horse, of course.

Ausladende Hüften am Highschool-Ball

Die «auto revue» sieht im Camaro «die amerikanische Vorstadt-Schönheit, die mit Minirock und Bierdose beim Highschool-Endspiel auftaucht und Stimmung macht, und die jeder haben will». Nun denn – «radical» sieht das etwas anders. Die Schminke ist weiterhin etwas gar dick aufgetragen, die Hüften ausladend, obwohl der Camaro doch 90 Kilo abgenommen hat, sie hat eine Riesen-Klappe – und die inneren Werte bestehen aus Plastik. Gut, mit dem V8 gibt es den Camaro ab 44.454 Euro (Nettopreis für Deutschland. Das bedeutet, dass man sich ein halbes Dutzend dieser 6,2-Liter-V8 anschaffen kann für den Preis nur eines Bentley Continental GT Convertible V8 S mit nur gerade 4 Liter Hubraum, der ja manchmal auch nur vier Zylinder hat. Auf der Rennstrecke in den Händen vom Wendlinger Karl hat der Camaro den Conti übrigens geplättet.

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Und da kommt der Blumentopf

Andererseits: Geiz ist ja auch nicht nur geil (bei der Wahl zum König der Herzen hat das preisgünstigste Auto allerdings meist die besten Chancen). Man mag ja gewisse Fortschritte erkennen im Interieur des neuen Camaro, aber das ist halt immer noch der Wettbewerb in Sachen Plastikverformungen, an dem nur noch gewisse amerikanische und asiatische Hersteller teilnehmen wollen. Man erkennt zwar die beiden Cockpit-Buckel, die seit fünf Jahrzehnten typisch sind für den Camaro, Retro, doch es gibt auch sonst ganz viele ledergezierte Wucherungen – und irgendwie ist die Sicht in alle Richtungen eingeschränkt. Interessant auch, wie man es schafft, in fast 4,8 Meter Auto so wenig Raum zu bringen. Chevrolet hat auch einen Screen über die Mittelkonsole hineingearbeitet, aber trotzdem ist das Interieur viel mehr 90er Jahre als aktuell. Und eben, die Materialien: sorry, irgendwie sind diese Zeiten vorbei, als wir den Amerikaner so manches verzeihen konnten, weil sie sich auf das Wesentliche zu konzentrieren wussten. In Sachen Ergonomie und Haptik gewinnt der «König der Herzen» keinen Blumentopf. Die Sitze sind weich und breit, für einen Sportwagen nicht unbedingt passend, doch im Alltag, aus dem unser Leben ja hauptsächlich besteht, überzeugen sie dafür mit angenehmem Komfort.

Wo bleibt der Sound?

Mit seinen 453 PS ist der Camaro übrigens der schwächste Konkurrent in diesem Supertest. Wer nun erwartet, dass der 6,2-Liter-V8 schön friedlich vor sich brabbelt und dann bei höheren Drehzahlen röhrt wie ein brünstiger Hirsch, den müssen wir enttäuschen. Das ist schon auch eine ziemlich hochgezüchtete Maschine, die maximale Leistung fällt erst bei 5.700/min an, für das maximale Drehmoment braucht er auch 4.600/min, und deshalb ist der Sound leider ziemlich weit entfernt von den guten alten Zeiten, als uns so ein amerikanischer V8 noch Gänsehaut zu bescheren vermochte. Die 8-Gang-Automatik sucht recht hektisch nach der passenden Stufe, und so richtig ruckfrei kann sie das auch nicht. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass Chevrolet nur ein begrenztes Budget für den preisgünstigen Camaro zur Verfügung gestellt hatte, und dass die Entwicklung vor der Feinabstimmung abgeschlossen werden musste; er hat da Schwächen, wie wir sie von der in vielen Bereichen bauähnlichen Corvette nicht kennen (die wir allerdings nie mit Automatik im Test hatten).

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Er kann auch Kurven

Wobei dann aber lobend anzumerken ist, dass der Camaro, der auf der neuen Alpha-Plattform aufbaut, die auch Cadillac verwendet, ganz angenehm zu fahren ist. Er ist sicher komfortabler als andere Konkurrenten – und er kann tatsächlich auch Kurven. Uns sagt die schwergängige Lenkung ja zu, aber ob sie den allgemeinen Geschmack trifft, wagen wir zu bezweifeln. Dem Wendlinger Karl haben die Bremsen gefallen, da wollen wir zustimmen, aber er sagt halt auch, dass man das Gewicht gut spüre; 1,8 Tonnen sind es. Auf der Rennstrecke ist der Chevy gutmütig, leicht auszurechnen, doch seine bevorzugte Spielwiese ist das nicht, er sieht auf der Landstraße mit langgezogenen Kurven besser aus. Und am besten sieht er aus parkiert vor dem Kaffeehaus, ja, da macht er schon eine gute Figur.

Renaissance in Europa

«radical» kann die Wahl zum «König der Herzen» durchaus verstehen, wir haben es ja auch mehr mit den Underdogs und Fahrzeugen, die nicht gleich so viel kosten wie ein Einfamilienhaus. Und trotzdem: der Camaro war auch die größte Enttäuschung an diesem Supertest. Der Mechtel Fabian drückt das schön aus: Diese amerikanischen Muskeln erleben ja gerade so ein bisschen eine Renaissance in Europa, sie sind preislich interessant und lassen uns den «american dream» (er)leben. Bad boy, muscle car, rumble sound – alles leicht romantisch verklärt, aber leistbar. Bloß wird man im Camaro damit irgendwie enttäuscht, weil er zwar aussieht, aber nicht ist.

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Die Konkurrenz

Und über 50 Riesen sind für uns Normalsterbliche ja schon eine Menge Geld, und da gibt es auf dem Markt Konkurrenten, die das für ähnliches Geld in manchen Bereichen besser machen. Den Mustang sticht er nicht aus, der neue Camaro, und wenn es allein um die Fahrfreud‘ geht, dann würden wir uns auch eher einen Subaru WRX STi aneignen. Doch über die verschiedenen Geschmäcker und Vorlieben lässt sich ja bestens streiten.

Die Supertester 2016

Alle Preise für Österreich (Stand Dezember 2016) 

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • austrodidi

    Warum BRD netto? Bietet das A9uto keiner in Österreich an? NoVA und USt würden ca. 18.000,- ausmachen, womit man bei ca. 62.000,- wäre.

  • Siegi80

    Wieso vergleicht man einen netto Deutschlandpreis mit brutto Österreichpreisen???
    Die NoVA auszurechnen hätte ich euch schon zugetraut. ;)

  • arctic

    OK
    Bei geigercars kostet die Rodel etwa 55.000 incl., legen wir noch 20% drauf dann sind wir bei 66.000€ .

    Eine gscheite Corvette mit 660PS kostet in München etwa ab 120.000€

  • Old

    Sehr geehte Redaktion, liebe Leser. Ich habe soeben einige Falschaussagen des Artikels in einem Posting korrigiert, die Redaktion zögerte nicht, dies sofort zu löschen

  • Old

    die 8Gang Automatik ist von ZF und derzeit das Beste am Markt, schaltet schneller als das Porsche DKG. Werksangabe für die AT von 0-100 ist 4,3s. Überhaupt ist der ganze Artikel mit Falschaussagen durchzogen, offensichtlich um die doppelt so teure aber technisch minderwertigere europäische Konkurrenz zu schützen. Erwähnung von Magnetic Ride, 1LE Racingversion, optionale Recaro Rennsitze usw.?? Fehlanzeige.

  • arctic

    Sehr viel Auto fürs Geld.
    Aber eine Corvette wäre mehr Supercar ,kostet halt mehr das doppelte und wäre etwa in der Nissan GT-R Liga und somit immer noch eine Okkasion

    • Old

      rechnen Sie hier noch knapp 40% Aufpreis für NOVA und CO2 Strafgebühr dazu, das relativiert den Preis…

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