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Zurück zur Emotion, mit der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio 2016

Die neue Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio setzt auf starke Emotionen, auf 510 PS die auf die Hinterachse losgelassen werden, puren Sound und noch mehr.

08.06.2016 radical mag

Nun, gut: Alfa Romeo Gulia Quadrifoglio. Wie die Giulia (den ersten Fahrbericht gibt es hier), aber halt mit 510 PS. Nur auf der Hinterachse. Und auf Wunsch mit manuellem Getriebe. Das ist doch schon mal eine wunderfeine Ansage in diesen Zeiten von Plug-in-Hybriden und Konnektivitätswahn und der Androhung vom autonomen Einherrollen.

Was bei der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio 2016 wirklich zählt

Diese virtuelle Zweitwelt gibt es selbstverständlich auch in der Giulia, es geht anscheinend nicht mehr anders. Doch darüber wollen wir auch gar keine weiteren Worte mehr verlieren, verschwenden, denn wir haben es bei Giulia als Quadrifoglio endlich wieder einmal mit einem Fahrzeug zu tun, das mehr Emotionen vermitteln kann als eine Universitätsausbildung in IT-Technologien oder ein stundenlanges Studium der Gebrauchsanweisung. Eine solche braucht man bei dieser Italienerin auch nicht, denn erstens ist sie schlecht übersetzt und zweitens: reinsetzen, anschnallen, Maschine anwerfen, losfahren.

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© Bild: Werk

Die letzten ihrer Art

Ein klassischer Viertürer mit 510 PS an der Hinterachse – wo gibt es das noch im offiziellen Verkaufsprogramm? Ja, natürlich, so ein bisschen der BMW M3 (431 PS) und ein bisschen mehr der Mercedes-AMG C63 S (510 PS), aber das war es dann schon, denn Audi macht derzeit nicht mit im Spiel, bei Jaguar ist im gleichen Segment (vorerst) schon bei 340 Pferdchen Schluss. Man könnte natürlich auch eine Stufe höher gehen, RS6, XF, dann M5 und E63 S, vielleicht auch noch den Ghibli von Maserati, doch dann kommt man auch gleich in andere Preis-Kategorien (außer beim Ghibli). Mit 85.900 Euro steht die Giulia Quadrifoglio angeschrieben, das ist schon mal ein sehr feines Argument. Wenn wir dann auch noch die vielleicht etwas absurde Berechnungsmethode Euro/Höchstgeschwindigkeit einführen wollten, dann steht der Alfa mit seinem 307 km/h Spitze sehr alleine da. Wohl auch deshalb haben sich die Carabinieri ihn als Spielzeug angeschafft. (Und ja, sieht auch in Blau gut aus. Und in Weiß. Und ja, sieht als Quadrifoglio schon besser aus als im Normalprogramm.)

Wir gaben uns den Handschalter

Der kommt mit relativ heftigen Pedaldruck auf die Kupplung, da wird man ein bisschen üben müssen, bis man ihn sauber vom Start wegbringt. Ist er in Bewegung, gefällt der 6-Gänger mit ausgesprochen kurzen Schaltwegen und dort feiner Präzision sowie sehr guten Übergängen. Was sicher auch an den 600 Nm maximalem Drehmoment liegt. Was aber nicht gut ist: von der 3. in die 2.. Denn weiter links ist dann oben noch der Rückwärtsgang, deshalb hat es da so etwas Leerraum, und wenn man im Eifer des Gefechts ein bisschen zu heftig zieht, ist dann da: nichts. Daran wird man sich aber gewöhnen können, nehmen wir mal an. An diese richtig guten Sparco-Karbon-Schalensitze gewöhnt man sich besser nicht, sonst will man nichts mehr anderes.

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© Bild: Werk

Und was ist mit dem Turboloch?

Die Maschine, eine eigene Entwicklung, wie Alfa gern betont, aber eigentlich ein um zwei Zylinder verkürzter V6-Vollalu-Block aus dem Ferrari California T mit noch 2,9 Liter Hubraum, überzeugt mit herrlicher Drehfreude (für einen Turbo) und grober Leistungsentfaltung (logisch, Turbo). Das berühmte Loch, ja, es ist da, aber man muss es suchen, in für einen italienischen Motor völlig unpassenden Drehzahlbereichen; die verzögerte Gasannahme ist auch da, ja, aber da werden wir dann wirklich kleinlich, wenn das Füßlein tatsächlich so schnell zu zucken vermag, dann sollte man die Sportart wechseln. Im richtigen Leben, da draußen auf der Straße, wird man beides nicht bemerken.

Motorsound der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio

Denn: der Quadrifoglio übertönt eh alles. Man darf sich schon etwas wundern, wie Alfa solch einen Lärm durch die Abnahme bringt, aber spätestens seit 8C/4C wissen wir ja, dass die Italiener irgendwie andere Messmethoden haben. Oder die italienischen Prüfer etwas auf den Ohren. Uns sei es recht, es ist dies ja herrliche Musik, die der Alfa auf die Gehörgänge knallt, richtig laut, richtig dreckig, schön fies. Und bei höheren Drehzahlen wird das zu einem Inferno, wie man es bisher eigentlich nur von Ferrari kennt. Ob man das auf der Langstrecke dann aber wirklich unbedingt braucht – nun ja. Verbrauch: auf dem Papier nur 8,5 Liter. Wie weit das dann im richtigen Leben reicht, da draußen auf der Straße, wissen wir nicht, aber können uns gut vorstellen, dass es vielleicht nur 50 Kilometer werden.

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© Bild: Werk

Ein richtigrichtig gutes Fahrwerk

Selbstverständlich gibt es für die verschiedenen Bedürfnisse auch verschiedene Fahrstufen. Erstaunlich ist, dass man getrost in der schärfsten Variante unterwegs sein kann, trotz der 510 PS. Dann ist das ESP zwar weg, doch die Giulia ist derart fein ausbalanciert (50:50, eh klar), dass es genau das ist, was man will. Dann geht sie zwar quer, wenn man nur schon mit der Wimper zuckt, doch sie macht das mit Ansage und jederzeit bestens kontrollierbar; ist man zu grob auf dem Gas, wird der Winkel einfach noch weiter, ist man zu zurückhaltend, pendelt sich die Italienerin von selbst wieder ein. Dabei hilft die zwar sehr direkte, aber auch feinfühligst bedienbare Lenkung (Heckantrieb! Und ein aktiver Frontsplitter, der bei Bedarf mehr Druck auf die Vorderachse gibt) sowie das verhältnismäßig weich abgestimmte Fahrwerk. Denn, nein, mit der bekannten Härte deutscher Premium-Produkte hat die Giulia auch als Quadrifoglio gar nichts am Hut, und das ist gut so. Wir kennen das von einigen Ferrari-Meisterwerken: hart federn, weich dämpfen. Eine Hilfe bei diesem richtigrichtig guten Fahrwerk ist aber sicher auch das Gewicht von nur 1.525 Kilo; der M3 kommt auf 1.630 Kilo, der gleich starke Benz trägt gleich 200 Kilo mehr durch die Gegend (wobei, die Angaben sind da mancherorts etwas unterschiedlich…). Und muss diese dann halt auch bremsen. Was bei der Giulia auch mit optionalen Karbon-Keramik-Dingerens möglich ist, doch schon die normalen Anker verlangsamen tüchtig genug.

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© Bild: Werk

Und so hat man dann einfach Freude

Es braucht keine Hi-End-Stereoanlage und auch kein gespiegeltes Smartphone – für den Quadrifoglio braucht man leere Straßen, möglichst viel Zeit und Freude daran, ein Automobil mit allen Sinnen erleben zu wollen. Wahrscheinlich wird nur eine kleine Minderheit die böse Giulia mit manuellem Getriebe bestellen, doch genau diese händische Bedienung passt bestens zu diesem Wagen. Wenn beide Füße und beide Hände und beide Hirnhälften und die Ohren und die Augen in Funktion sind, dann ist der Mensch alerter, wacher – und dann ist das Vergnügen immens. Mit dem 510-PS-Hammer hat Alfa Romeo ein Spielzeug geschaffen, das wir den Italienern in dieser Souveränität eigentlich nicht (mehr) zugetraut hätten. Und wohl deshalb ist die Freude umso grösser. Wir würden ihn übrigens auch als Kombi nehmen.

Vielen Dank für diesen Beitrag an die Kollegen von radical-mag.com

  • joeh

    Eini stzen, starten….grinzzeeeen, wegfahren..leben!

    Für olle anderen gibts eh de herrlichen Marketingleichen und Prämiumsabbler
    die wh. alle etwas peinlich hochgesezt in ihren dis-proportionalen Speck-urkomisch-Verkerln rumeiern und blöd in den 5-zoll-licht-gott glotzen, weil die Karre halt urfad, langweilig und 0 8 15 austauschbar ist..

    ROT BLUT LEBT…. ein echtes Auto unter all den Leichen!

    bella machinnaaaaaaaaaaaaa :)

  • Mettfreund

    Was für ein Bericht! So etwas spezifisches wollte ich schon lange mal wieder lesen. Einfach mal keine nervigen und ünnötigen Angaben über einen zu kleinen Fond, Ergonomie oder Multimediaschwachsinn wie es die Autobild macht! Hier wurde das Auto wunderbar subjektiv und emotional bewertet. Man hat beim Lesen regelrecht LUST bekommen, dass rote Biest selbst über die Landstraße zu treiben!
    Und genau so ein Fahrbericht gehört sich für einen Alfa. Ein Auto für Menschen die lieber mal aus den Bauch entscheiden, den Moment genießen. Bei diesem Wagen scheint der Weg das Ziel zu sein.
    Schön zu sehen, dass sich Alfa aus der Asche erhebt!
    Neben meinen zuverlässigen, aber etwas langweiligen Audi habe ich immer noch meinen 18 Jahr alten Alfa 156 V6 mit 240.000km aus Erstbesitz.–> Ich habe es nie bereut :)

  • mmeier

    Das Fahrzeug schein wirklich sehr, sehr gelungen zu sein und hebt sich schön vom Mainstream ab (v.a. auch im Innenraum bei den Standard-Modellen). Bin am Salon in Genf fast in jedes Auto dieser Klasse gesessen. Ausser dem Alfa waren alle irgendwie gleich (schwarz, öde, überladen, austauschbar). Man fühlt sich gleich wie in einer Rennmaschine. Nach über 1j Verspätung glaube ich auch nicht, dass die Entwicklung zu kurz war. Das Werk in Cassino ist zudem gut (Bravo, Delta, Giulietta, alle problemlos). Ich hoffe, mancher Kunde goutiert das nun auch. Die Presse war bisher erstaunlich fair – auch dieser Artikel ist sehr gut, neutral und vorurteilslos…gratulation. Wie ich aus eigener Erfahrung weiss (hatte einen Lancia) sind die Zeiten schlechter Qualität längst vorbei. Klar gibt es „Montagsautos“, aber die gibt es leider überall…auch bei Premium-Marken und Japanern…

  • Joe1980

    Als Alfisti ist man fast schon zu Tränen gerührt. So schön
    ist die Giulia. Allein das sie überhaupt da ist. Angst hat man gehabt die
    letzten Jahre das es langsam zu Ende geht. Aber es ging schon oft zu Ende mit
    Alfa doch immer wieder kehrten sie zurück. Das die Rückkehr diesmal derart geil
    ist hätte man sich nie träumen lassen. Reden kann man viel aber nun wurde
    gezeigt. Ja, ja, ja!!! Es wurde alles gehalten. Danke Sergio Marchionne. Fürs
    retten, versprechen, zeigen und halten. Ich bin stolz ein Alfisti zu sein. Tja
    und mein 159 fährt seit 7 Jahren ohne Problem und einer einzigen Spur von Rost.
    FORZA ALFA

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