Dauertest-Abschluss: VW Beetle Cabriolet 50s 1,6 TDI

Halbjahres-Test: Über das Gute des Einfachen, das zähe Ringen um Sauberkeit und den subtilen Humor der Autohersteller.

Veröffentlicht am 27.12.2013

Natürlich muss ein Beetle ­Cabriolet die Weisheit von ­einer besseren Gestern-Welt zitieren, in der das dankbare Wertschätzen des Einfachen noch etwas zählte: Ein halbes Jahr waren wir ohne Einparkhilfe, ohne Lichtautomatik, ohne Navigationssystem unterwegs, wir waren auf uns selbst angewiesen und übten uns in Bescheidenheit (oder das, was wir manchmal dafür halten). Beim Rückwärts-Ein­parken jedenfalls mischte sich gelegentlich auch Demut ins Spiel. Das Beetle-Heck ist blind schwer einschätzbar, vor allem wenn das Verdeck zu ist.

vw beetle cabriolet 1,6 TDI 50s cckpit innenraum mittelkonsole
ROT AUF SCHWARZ Die mittigen Zusatzinstrumente sind ein netter Aufputz. Allerdings ist es etwas kindisch, die Turbolader-Aktivitäten eines Diesels zu beobachten.

VW Beetle Cabriolet 50s Edition

Wir haben vor einem halben Jahr zur 50s-Edition gegriffen, einem Einführungs-Sonder­modell, das es heute als solches nicht mehr gibt. Man kann es jedoch (mit Preisdifferenz) aus dem Grundangebot nachkonfigurieren: Design-Ausstattung, schlichtes Schwarz, beige Ledersitze, Felgen im „Circle Black“-Design (17’’), die an den Käfer-Urahn erinnern, und ­einige Extras wie die Zusatz-­Instrumente, an denen man zum Beispiel die Aktivität des Turboladers nachvollziehen kann, was bei einem Diesel ­allerdings ein etwas bemühter Witz ist.

vw beetle cabriolet 1,6 TDI 50s handschuhfach

Der 1,6 TDI ist ein modernes Pendant zum luftgekühlten Boxer

Was jedoch für den 1,6-Liter-Diesel unseres Testwagens spricht: Er passt zur modernen Käfer-Art. Gefühlt ist er heute ungefähr das, was seinerzeit der luftgekühlte Boxer war. Nicht technisch, vielmehr akustisch. Rau reibt der Selbstzünder an den Ohren wie ein luftgetrocknetes Frottee-Handtuch und durchblutet das Gewissen. Dazu kommt das manuelle Fünfganggetriebe, das einen die Mechanik auf simple Art körperlich spüren lässt. ­Alles läuft auf ein Rücktrainieren der Wahrnehmung hinaus.

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Zu den schönsten einfachen Freuden zählt die Option, das Stoffverdeck aufmachen zu können und sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Mit Haube, Schal und Handschuhen macht das auch abseits des Sommers Spaß, mehr sogar als im Hochsommer-Grill-Modus, jedenfalls solange man auf seine Nebenhöhlen aufpasst.

Klavierlack und helle Ledersitze sind Schmutzfänger

Seine Reinlichkeitsansprüche muss man dann etwas zurückschrauben. Staub legt sich gnadenlos auf die glänzenden Kunststoff-Oberflächen, die so tun, als wären sie Klavierlack. Und über die Zeit hat sich auch das helle Leder (€ 2.775,–) nicht als die beste Wahl entpuppt. Die intensive Art, mit der wir über den Sommer im Beetle das Leben genossen haben, hat Spuren hinterlassen, weshalb man wohl die Wahlfreiheit nutzen und sich eine dunkle Variante aussuchen sollte, auch wenn dann der Auftritt bei offenem Dach, na ja, vielleicht etwas mutlos wirkt.

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Naja Man könnte mit dem Beetle ­Cabrio zum Schifahren fahren. Wer will?

Der Beetle, ja, das kann man ruhig so sagen, hat uns eine fröhliche Zeit beschert. Unsere Wangen waren stets rosig und wir haben uns prächtig amüsiert. Über das wattierte Windschott etwa, das wir im winzigen Kofferraum spazieren führten und genau zweimal fürs Fotografieren montierten. Alleine das Denkmuster für die Montage hat uns großartig unterhalten. Und wie wir mit einem Augenzwinkern an die gute alte Zeit erinnert wurden, als Wasser jedes Mal, wenn wir bei Regen den kleinen Heckdeckel aufmachten, zart in den Kofferraum tröpfelte. Diesen subtilen Humor haben wir Wolfsburg nicht zugetraut.

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BESCHEIDENHEIT? Kein Kofferraum für große Reisen. Fürs Wochenende in Mariazell reicht es aber allemal.

Zum ersten Teil des VW Beetle Cabriolet Halbjahres-Tests.


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