Testbericht: Toyota RAV4 2,0 D-4D Executive

Aus dem verspielten Segmentgründer und Allrad-Floh wurde ein slicker Alleskönner mit Gardemaß.

Veröffentlicht am 31.05.2014

Eitel sind wir nicht. Aber ein klein wenig Aufmerksamkeit würde uns schon gut tun. Ein verrenkter Hals hier, ein verstohlener Blick da … aber nichts. Der Toyota RAV4 ist naturgemäß in seiner vierten Generation nicht mehr der Vorreiter, der er 1994 bei der Markteinführung war. Damals wurde der Begriff SUV erfunden und auch gleich mit viel Lust am Leben gefüllt.

Der Toyota RAV4 prägte den Begriff SUV

Heute ist die Situation eine andere. Wer SUV fährt, will gepflegten Alltag und nicht rumblödeln. An diesen Ansprüchen ist der RAV4 ­gewachsen. Zweiliter-Diesel­motor, Allradantrieb, mehr als viereinhalb Meter Länge. No Nonsense.

Toyota RAV4 2,0 D-4D Executive 2014 kofferraum laderaumabdeckung
Doppelter Boden und ebener Kofferraum.

Der Kofferraum setzt Maßstäbe

Wie groß dieses Auto tatsächlich ist, merkt der Fahrer erst, wenn er den Kofferraum braucht. Die Rücksitzbank lässt sich eben umklappen, so stehen 1846 Liter Laderaum zur Verfügung. Benchmark. Die Hutablage ver­schwindet dabei im doppelten Boden, der dafür eine eigene Halterung hat. Wer will, könnte sogar ­bequem in diesem Auto übernachten. Aber das wollen RAV4-Fahrer eher nicht. Eine höchst theo­retische Stärke also.

Das trifft auch auf den ­Allradantrieb zu, der eher als umfangreiches Sicherheitspaket verstanden werden sollte denn als kernige Offroad-Option. ­Bestes Beispiel ist der Sport­modus. Wird der aktiviert, schickt das System in Kurvenfahrten präventiv zehn Prozent der Kraft an die Hinterachse.

Hier fehlt nur noch eine Holzapplikation, dann steht das Perioden­system der Innenraum-Elemente.
Hier fehlt nur noch eine Holzapplikation, dann steht das Perioden­system der Innenraum-Elemente.

Ein richtig großes Auto für Familie und Langstrecken

Die souveränen, aber nicht übermäßig sportlichen 124 PS des Einstiegsdiesels sind es nicht, die diese Option nötig machen, vielmehr ist es das Gesamtkonzept. Der RAV4 ist mittlerweile ein wirklich großes Auto mit hohem Schwerpunkt. Nissan Qashqai, Hyundai iX35, VW Tiguan, Skoda Yeti, Audi Q3 und ­Mercedes GLA sind allesamt kürzer als Toyotas Pionier.

Ideal also für Familien­ausflüge und Langstrecken. Der gemütliche Grundton der Fahrzeuggattung wurde entspannt in den Innenraum übertragen. Die Japaner machen hier vieles richtig – von den vielen Ablagen bis zur Qualitätsanmutung.

Toyota RAV4 2,0 D-4D Executive 2014 sitze hinten rückbank

Vor allem in der Executive-Ausstattung. Hier ist der untere Armaturenträger, die Unterlippe sozusagen, mit feinem Leder bespannt. Das sieht nach Oberklasse aus. Wozu die ­Bedienelemente dreigeteilt und auseinandergerissen sind, bleibt ein Geheimnis. Im Schatten der Lippe, auf Höhe des Schalthebels, liegen Sitzheizung und Sportmodus. ­Darüber sitzt die Klimasteuerung samt eigenem Display, darüber der Touchscreen für alles andere. Außer für die Uhrzeit. Die präsentiert einem ein Casio-Restbestand aus den 1970ern – ein letzter Funke Nostalgie. Christian Seidel


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