Dauertest-Einstieg: Toyota GT86

Es ist eng, es ist laut, es ist unbequem. Ich will es! Dauertest-Einstieg Toyota GT86.

Veröffentlicht am 05.08.2013

Das Einparken im Schnee ist eine Lotterie. Oder besser: der Stillstand. Beim Anfahren ­versucht die Differenzialsperre zwar tüchtig den Grip zwischen den Hinterrädern zu verteilen, steht man dabei in einer ausgefahrenen Kuhle, steigt die Spannung. Dann ­helfen entweder ein entschlossener Gasfuß oder freundliche Passanten, die einem den essenziellen kleinen Schubser mitgeben. Zur Ehrenrettung: Es ist uns nur einmal passiert. An einer Stelle, wo der kettenbewehrte LKW der Straßenmeisterei auch seine liebe Not hatte, wieder in Fahrt zu kommen. Das war es aber auch schon mit Problemen im Winter. Auf der Habenseite ­dagegen: viele schöne, langgezogene Drifts und überhaupt mehr Spannung im Leben. Ausgeschmierte Kurven­kom­bina­tionen, dass die Schneeräumer nicht wissen, ob sie dir mit ­Applaus huldigen oder einfach den Vogel zeigen sollen. Oder ambitionierte GTIs, die mit der Handbremse ums Eck holpern, während im GT86 ­alles geschmeidig und mit ­hoher Eleganz von der Hand geht. Wir danken für die Wie­der­auferstehung des Heck­antriebs und freuen uns auf ein hetziges Jahr.

toyota gt86 scheinwerferDauertest Toyota GT86

Es war ja wirklich höchste Zeit, dass sich in Toyotas ­Modellpalette was tut. Lauter brave Zweckerfüller im Port­folio – wären nicht die Hybriden, die zumindest das Technikerherz höher schlagen lassen, herrschte in Sachen Emotion tote Hose bei Toyota. So gesehen ist der GT86 auch ein ­Befreiungsschlag. Sein Name? Eine Reminiszenz an den AE86 – ein Corolla-Coupé im Achtziger-Lineal-Design mit Heck­antrieb, das nicht nur in Japan Kultstatus genießt, außerdem stecken Bohrung und Hub des Boxermotors dahinter. Der wiederum verrät die enge Verwandtschaft mit dem Subaru BRZ, dem eineiigen Zwilling des GT86. Ein Teil von Fuji Heavy Industries – die Mutter von Subaru – gehört Toyota, womit die Verwandtschafts­verhältnisse geklärt wären.
Die typischen Boxer-Eigenschaften stehen dem GT86 gut: Die Drehfreude passt perfekt zu einem Sportwagen, der charakteristische Klang ebenso. Dass einem das Drehmoment anfangs etwas milde erscheint, zeigt nur, wie turboverdorben wir mittlerweile sind. Doch es stimmt schon: Unten ist der Vortrieb milde, Leistung stellt sich erst mit steigender Drehzahl ein. Richtige Freude kommt hinzu, wenn der Zeiger auf dreiviertel zwölf zeigt – das sind dann etwa 5000 Touren. Bei 7000 gibt’s die Höchst­leistung, bei 7500 klopft dir der Begrenzer streng auf die Finger. Für alle Zweifler: So schön ­linear kon­trollierbar, wie es eben nur ein Sauger kann – es gibt durchaus Situationen, wo man den Dreh­moment­punch eines Turbos eher nicht braucht.

toyota gt86 cockpit

Fahrfreude pur mit dem GT86

Denn der GT86 ist ein ehrlicher Typ, einer mit Handschlagqualitäten. Er vermittelt einem das, was bedauerlicherweise immer mehr in den Hintergrund rutscht: die Essenz der Fahrfreude. Bei Warp-Ge­schwin­­digkeit auf der Autobahn wird es im Innenraum laut – und das ist gut so. Kein voll isolierter Kokon (wie ihn die Deutschen gerne bauen), bei dem du erst beim Tritt auf die Bremse entsetzt feststellst, wie schnell du eigentlich bist. Der gute Sportwagen lässt dich die Geschwindigkeit auch fühlen. Oder das Aufsaugen von kurvigem Geläuf: Das elektronische Fangnetz lässt sich mit Ausnahme des ABS völlig ­de­akti­vieren, auch wenn sich in manchen Situationen ein Warnlämpchen blinkend wichtig macht. Kommt das Heck, spritzt einem nicht das Adrenalin aus den Ohren. Es lässt sich spielerisch einfangen und mit Gasschüben kontrollieren – dem langen Radstand und der guten Abstimmung sei’s gedankt. Hier werden keine ­Unschärfen mit Elektronik gebügelt. Die direkte Lenkung spielt sauber mit, so man sich an das dezent synthetisch-­elektrische Servo gewöhnt hat. Einzige Voraussetzung: rutschiger Belag, Regen oder Schnee. Auf griffigem Asphalt reicht es grad für ein Rutscherl, für qualmende Hinterreifen fehlt es schlicht an Schmalz. Wer’s nicht glaubt, kann es mit galaktischem Geschwindigkeitsüberschuss am Kurveneingang probieren. Geht dann auch quer. Dazu würden wir aber ein abgesperrtes Übungsgelände nahelegen.

Der Innenraum

Was bleibt fürs tägliche ­Leben, wenn man die Sportlichkeit ausblendet? Die Sitze vorne sind schlicht toll, was Passform und Seitenhalt angeht – hinten hingegen haben wir nicht einmal ­probiert einzusteigen. Ein ­theoretischer Abstand zwischen vorderer Rückenlehne und Sitzfläche hinten ist zwar vorhanden, aber kaum erwähnenswert und nutzbar. Der Kofferraum per se wäre nicht einmal so klein, würde er nicht an der Befüllbarkeit wegen des kleinen ­Deckels leiden. Schleierhaft auch, weshalb man die Rückbank nur vom Innenraum aus umlegen kann. Das Rätseln um eine Heckklappe gibt Antwort auf eine ungestellte Frage: Es ist der blech­gewor­de­ne Beweis, dass eine offene Version nachgereicht werden wird.

Der Verbrauch

Der Durst hält sich dank geringem Gewicht und Direkteinspritzung in Grenzen – bei uns stehen einstweilen 9,3 Liter durchschnittlich im Fahrtenbuch, die Fahrweise war ­dabei allerdings ganz dem Auftreten angepasst. Zwei Dinge gehen uns jedoch jetzt schon ab: Das sonst untadelige Mul­timediasystem könnte durchaus mehr Punch aus den Lautsprechern vertragen, um Lang­strecken zu versüßen.

Und dann wäre da noch die Sache mit einem automatisch abblendenden Innen­spiegel: Die Anzahl an SUVs, die aus dem ersten Stock reinleuchten, wird in Zukunft gewiss nicht weniger.

Hier geht’s zum Dauertest-Zwischenbericht des Toyota GT86
Hier geht’s zum Dauertest-Abschluss des Toyota GT86 


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