Dauertest-Einstieg: Škoda Octavia Combi 4×4 2,0 TDI Elegance

Wir schnappen uns das zweitbeliebteste Auto der Österreicher und fragen uns ein halbes Jahr lang, warum es nicht das beliebteste ist.

Veröffentlicht am 01.03.2014

Im Sommer 2013 geschah die Katastrophe: Hyundai über­holte Skoda bei den Neuzulassungen, die tschechische Traditionsmarke musste ihren zweiten Platz (hinter VW) an den koreanischen Aufsteiger abgeben. Das lag nicht nur an der guten Modellpalette von Hyundai, sondern auch an der vergleichsweise schwachen Aufstellung von Skoda: Yeti und Fabia waren nicht mehr ganz frisch, die Verkaufserfolge der neuen Modelle Rapid und Citigo eher traurig, und der große Superb spielt ohnehin in der Orchideenliga.

Aber dann kam der neue Octavia. Und der hat es geschafft, Skoda zumindest im November wieder klar vor Hyundai zu setzen. Seitdem beobachten wir ein Kopf-an-Kopf-Rennen von zwei Marken, die sich gegenseitig nichts schenken.

Skoda Octavia 4x4 2,0 TDI Elegance vorne seite front

Dauertest, um zu sehen, was den Octavia so erfolgreich macht

Wir wollen sehen, was den Octavia so erfolgreich macht, und holen zum Dauertest aus. Natürlich in der Kombivariante, und um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, haben wir auf die Allrad-Version gewartet. Ein gutes Rüstzeug für ein vielbefahrenes Jahr ist der 2,0-Liter-TDI mit 150 PS (110 kW) und 320 Nm, der stramm zur Sache geht, ohne den Fahr­gästen ins Gesicht zu plärren. Präsent ist der Motor wohl, aber eher als heimelige Grundschwingung denn als störende Lärmquelle. Verbrauch bislang: 6,1 Liter, dank viel Autobahn.

Die restliche Konfiguration ist das Ergebnis mehr oder ­weniger praktikabler Entscheidungen. Die helle Innenausstattung zum Beispiel dürfte ein Tribut an den Fotographen gewesen sein. Noch genießen wir das helle Ambiente, aber schon jetzt, nach 5000 Kilometern, ist das Armaturenbrett auf Höhe Fahrerknie schwarz gefärbt. Die Alcantara-Sitze werden wohl noch folgen. Großartig ist dafür das Navigationssystem mit Panorama-Bildschirm: Die Bedienung ist intuitiv bis in die tiefste Menü-Ebene. Als Sicherheitspolster haben wir außerdem das City-Notbremssystem geordert.

Skoda Octavia 4x4 2,0 TDI Elegance ablage
FÜR DEN ALLTAG Diese Ablage ist mit der Fahrzeugantenne verbunden und verbessert den Empfang des Telefons.

Elegant, zeitlos, Octavia

Ein Lichtblick in der tristen Jahreszeit ist auch die hellblaue Lackierung, die sogar dreckig noch was hermacht und die Linienführung perfekt zur Geltung bringt. Der Skoda Octavia ist elegant, zeitlos und passt in jedes Umfeld. Jede Schwerfälligkeit, jede Schwülstigkeit und auch der allerletzte Überrest von Ostblock-Wehmut wurde weggebügelt. Das Auto ist jetzt so geradlinig gezeichnet, dass man ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man es schief einparkt. Dennoch ist der Skoda nicht so ­eiskalt und unnahbar wie ein Audi A3.

Skoda Octavia 4x4 2,0 TDI Elegance kofferraum heckklappe
Keine Klagen im Kofferraum: groß, glattflächig, einladend.

Vergesssen sie den Passat

Unterwegs fällt zunächst einmal auf, was für einen Sprung dieses Auto in Sachen Wertigkeit gemacht hat. Um es kurz zu machen: Vergessen Sie den VW Passat. Weder das VW-Logo noch die Sitze, die die Oberschenkel etwas kräftiger unterstützen, sind 7.000 Euro Aufpreis wert – und in Sachen Geräuschkulisse, Fahrkomfort und Ausstattungsmöglichkeiten steht der Octavia dem großen Volkswagen um nichts nach. Genauso beim Platzangebot: Von 610 bis 1740 Liter Kofferraumvolumen schenken sich die beiden Kombis nichts.

Und schließlich ist der ­Octavia bis ins letzte Detail dem Alltag gewidmet. Der Smartphone-Halter im Cupholder und der Mistkübel im Türfach sind nette Spielereien, viel beeindruckender ist die Übersicht: So viel Ausblick beim Einparken hatten wir zuletzt im VW Golf Variant, Baujahr 1993. Entsprechend haben wir uns freudestrahlend Einparkautomatik und Rückfahrkamera gespart. Die Parksensoren sind bei der Elegance-Ausstattung schon serienmäßig.

skoda octavia rückbank sitze
Großartig ist die Übersichtlichkeit nach hinten, das Auto ist auch ohne elektronische Hilfe gut abschätzbar.

Die Schwächen

Etwas zu viel der Informa­tion bringt das Zentraldisplay, das Uhrzeit, Kilometerstand, Tempomat, Gangwahl, Speedlimit, Himmelsrichtung und das ganze Bordcomputer-Brimborium kommuniziert, und zwar permanent und in Vollfarbe. Bekannt nervig ist die Tempomat-Bedienung am Blinkerhebel, wir haben schon jemanden lichtgehupt auf der Autobahn. Bleiben noch die Ziereinlagen als ­Kritikpunkt, die stark an die ­Eudora-Waschmaschine zuhause erinnern. Soll uns nichts Schlimmeres in den Sinn kommen in diesem Jahr.


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