Racing Rookie: Alles Walzer! in Saalfelden

Hochspannung, spontane Tanzeinlagen und Verzweiflung – der Racing Rookie in Saalfelden bot alles, bis auf schönes Wetter.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 07.08.2019

Traditionell sind die regenfreien Fenster im durchschnittlichen Salzburger Sommer spärlich gesät. So auch beim Racing Rookie in Saalfelden, der als Wasserschlacht ganz eigene Reize entwickelte. Während nämlich die zahlreichen urlaubenden Familien vermutlich blöd aus dem Fenster ihrer urigen Pension auf ihre nach wie vor am Dachträger befindlichen Mountainbikes schauten, waren die Fiestas und der Focus RS heißer umkämpft denn je, das Stichwort lautet Dach.

Die Unglücklichen, die derweil draußen warteten, verkrochen sich in den kleinen Wartehäuschen des Geländes, deren Luft man bald darauf in kleine, müffelnde Häppchen schneiden konnte. Besonders arm dran waren die Kartfahrer. Sie drifteten durch jede Kurve der gut bewässerten Strecke in ihren immer schwerer werdenden Overalls, gefühlt alle zehn Sekunden drehte sich einer ein. Ob der Donauwalzer, der plötzlich aus den Lautsprechern schallte, die Rookies tröstete, kann man nur mutmaßen. Wir glauben eher nicht.

Selbst das Reglement passte man an die Regenschlacht an: Beim Handling waren nur noch geführte Fahrten erlaubt und um den unterschiedlichen Bedingungen Rechnung zu tragen, wurden aus jeder Kleingruppe die besten Zwei zum Tagesfinale zugelassen anstatt der besten Acht gesamt. Auch beim Tagesfinale auf der Schleuderplatte war der Einfluss des Regens allgegenwärtig. So absolvierte niemand zwei annähernd fehlerfreie Durchgänge. Einen nach dem anderen drehte es ein, viele schlitterten ohne Gegenimpuls wie Bowlingkugeln durch die Pylonen. Diese Eindrücke veranlassten einen Rookie sogar dazu, sich noch vor dem gewerteten Bereich mit dem Rallye-Fiesta in einem Hügel zu vergraben – beide kamen jedoch mit dem Schock davon. Denjenigen, denen bei diesen Bedingungen zumindest zwei passable Durchgänge gelangen, gehört daher unsere größte Bewunderung. Das Tableau fürs Finale in Melk ist mit ihnen komplett.

Die Ergebnisse im Detail zum Download

Die vier neuen Finalisten

Manuel Kurz, 21

© Bild: Julian Sparrer

Wirklich brauchen tut er den Rallye-Fiesta nicht, fährt er doch schon seit heuer Rallyes mit einem selbst finanzierten BMW E36. Für den hauptberuflichen Studenten muss dafür jede freie Minute zum Geldverdienen herhalten, etwa als technischer Zeichner oder Auto-Schrauber. Später will er mit seiner Ausbildung in Erziehungs- und Sportwissenschaften als Mentaltrainer arbeiten, bevorzugt im Alpinsport. Selbst kann man sich aber schwer mental trainieren, meint er. Fürs Finale hat er dennoch ein paar Tricks. Wie die aussehen? Das wird er wohl kaum der Konkurrenz verraten!

Luca Tuschka, 19

Der Salzburger wohnt 50 Meter außerhalb der Stadtgrenze, sieht sich aber dennoch als Städter. Blau zu fahren findet er toll, allerdings nur beim Roten Kreuz: Als Zivi konnte er bei Einsätzen die Sporen geben, ganz vergleichbar mit der Schleuderplatte ist der Druck dort aber nicht. Vor dem Beginn des Medizinstudiums bleibt noch genug Zeit fürs Mountainbiken in den Bergen, und im Winter freut er sich aufs Skifahren – von wegen Städter. Das Finale wird er so locker angehen wie Saalfelden. Da ist er auch Erster vom Vormittag geworden.

Johannes Knaus, 20

Weil es vor drei Jahren trotz Finalteilnahme nicht zum Sieg des Racing Rookie gereicht hat, probierte er es seither jedes Jahr. Und tatsächlich, heuer qualifizierte er sich wieder fürs Finale. Was wie die Lehre eines Motivationsposters klingt, kam auch für Johannes überraschend. Der arbeitet sonst eher beim Touren gehen, Skifahren und Klettern an der perfekten Linie, hin und wieder instruiert er auch seine Freunde am Lenkrad. Ob die das wollen, führt er nicht näher aus. Im Finale darf er dann über sich selbst richten.

Thomas Förg, 20

Der begeisterte Segelflieger programmiert in seiner verbleibenden Freizeit Multiplayer-Computerspiele im großen Stil, um diese gemeinsam mit seinen Freunden zu zocken. Eines seiner beiden Hobbys möchte er zum Beruf machen, deswegen macht er gerade alle nötigen Tests für eine Pilotenausbildung und falls das nichts wird, studiert er Medientechnik und gründet sein eigenes Gaming-Imperium. Der jugendliche Volksmund würde sagen: Läuft bei ihm. Für eine Rallye-Saison im Fiesta ST müsste er seine sonstigen Ambitionen also aufschieben, aber vor solchen Gedanken muss er erst einmal das Finale gewinnen.


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