v. l. n. r. Michael Fischer, 2013 Der Routinier - Patrick WInter, 2004 Der Virtuose - Christian Senghaus, 2011 Der Vernünftige - Michael Röck, 2016 Der Ambitionierte - Stefan Laszlo, 2008 Der Kämpfer
 

Sagen Sie niemals Rookie zu ihnen!

15 Jahre Racing Rookie: Zeit, Bilanz zu ziehen über den Nachwuchswettbewerb für Renntalente. Wir haben fünf unterschiedliche Siegertypen herausgepickt und nachgefragt, was aus ihnen geworden ist.

05.04.2018 Online Redaktion

Ein Artikel aus der Autorevue Extra 2018Aktuelle Abo-Angeboten findet ihr hier

Begonnen hat es 2004, als sich die autorevue mit Ford und ÖAMTC Fahrtechnik zusammengetan hat, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: für Rennnachwuchs zu sorgen. Entstanden ist in der Folge eine Veranstaltung, die aus der motorsportverrückten Jugend die Besten pflücken soll, um sie zu fördern: der Racing Rookie.

Im ersten Jahr matchten sich über 1500 Rookies zwischen 16 und 19 Jahren in neun Fahrtechnikzentren auf der Schleuderplatte, im Slalom, Kurvenfahren und auf der Kartbahn um das heiß ersehnte Cockpit für eine Saison im Ford Fiesta Cup.

Die Einzelbewerbe haben sich kaum verändert, wohl aber die Gerätschaft, mit der sie absolviert werden: Hatten die zivilen Fiesta 16V der Anfangszeit noch 75 PS, also wenig mehr als moderne Staubsauger, können sich die mittlerweile 480 Teilnehmer, die heute an fünf Standorten an den Start gegen, auf bis zu 350 PS austoben – die kumulierte Mannleistung hat also zugenommen. Seit 2014 dürfen die Gewinner übrigens den Rallye-Fiesta mit nach Hause nehmen – ein schöner Anreiz.

Nun zur Bilanz: 14 Sieger gingen in 14 absolvierten Saisonen hervor, und keiner von ihnen hat uns enttäuscht. Manche von ihnen strahlen aber besonders hell, durch Erfolg, Leidenschaft, oder das Vermitteln der eigenen Fähigkeiten. Neben aktiven Rallyespezialisten wie Julian Wagner oder Sebastian Kletzmayr trifft das zum Beispiel auf die von uns ausgewählten fünf zu; warum, lesen Sie auf den folgenden beiden Seiten.

Abgesehen davon ging es beim Racing Rookie aber immer um die Vermittlung von Fahrspaß und kontrolliertem Heizen. Erhitzte Gesichter und in die erschöpfte Mimik eingebrannte Grinser bezeugen: Ziel erreicht! Nun die Fanfaren: Daten zur Anmeldung für den 15. Racing Rookie gibt es hier.

Fünf Racing Rookies und was aus ihnen wurde

Michael Röck, 2016 Der Ambitionierte

Er war der dritte Rookie, der den Fiesta behalten durfte, den ersten mit Turbo. Seine erste Saison im Vorjahr bezeichnet er als Lehrjahr. Das Hören auf den Beifahrer, das Nachtfahren, den ganzen Rallye-Ablauf muss man erst einmal verinnerlichen. In seiner Klasse wurde er trotzdem Zweiter. Beifahrer wie Martin Tomasini, Kerstin Heiß und Patrick Faustner trugen ihren Teil dazu bei. „Die Nervosität kann mir trotzdem keiner nehmen“, die Fortschritte jedoch waren enorm. Ziel für diese Saison ist, die seriennahe Klasse zu gewinnen. Die Strecken sind ihm langsam bekannt, die Sicherheit ist da; jetzt geht es darum, schneller zu werden. Entsprechend ambitioniert setzt er sich die Ziele: Heuer soll der Sieg bei den Seriennahen herausschauen, nächstes Jahr dann vielleicht ein Aufstieg in eine höhere Klasse. Der Papa kümmert sich um die Sponsoren, damit Michael den gemeinsamen Traum leben kann und Zeit für sein Fahrzeugtechnik-Studium hat. Sein Wunschberuf: Entwicklungsingenieur bei Audi oder Porsche, wofür seine Rennsporterfahrung durchaus dienlich ist.

Patrick Winter, 2004 Der Virtuose

Nicht wenige prophezeiten dem Racing Rookie der ersten Saison den ganz großen Wurf. Von 2005 bis 2012 war Patrick Winter im Rennsport unterwegs und rührte mit seinem Talent die Werbetrommel für die Rennfahrer-Nachwuchsförderung namens Racing Rookie. 2009 stieg er vom Fiesta auf einen Lancer Evo IX um, mit dem er zwei Saisonen durchwegs aufs Stockerl fuhr und Siege holte. Die erfolgreiche Partnerschaft mit Eddy Schlager hielt jedoch nur kurz. Danach war es an ihm, Sponsoren aufzutreiben. „Wenn ich nicht so schnell gewesen wäre, hätte ich schon vorher aufgehört.“ Mittlerweile hat er seiner Frau versprochen, nichts mehr ins Rennfahren zu investieren. Jetzt wird das Haus abbezahlt. Sein Focus RS ist blau, „weil das der Swimmingpool ist“. Sein erfolgreiches Racing-Engagement brachte ihn 2011 schließlich als Instruktor zu ÖAMTC Fahrtechnik, bei der er seine Leidenschaft nun ausleben kann. Aber trotzdem: Nach dem Zusehen bei der Jänner-Rallye ist er fast durchgedreht. „Eine Rallye ohne Druck zu fahren, das wär es schon.“ Renn-Ruhestand klingt anders.

© Bild: Andreas Riedmann

Michael Fischer, 2013 Der Routinier

Bereits zwei Jahre vor seinem Triumph beim Racing Rookie fing er als Sechzehnjähriger im Team seines Vater beim Histocup an. Seitdem ist er auf die Rundstrecke fixiert, die Rallyesaison 2014 nach dem Racing Rookie hatte in seiner Karriere eher Intermezzo-Charakter. Trotzdem war sein runder Fahrstil, auf der Rundstrecke geformt, auch bei den Rallyes ein Vorteil. Mit einem Tank und einem Satz Reifen pro Rallye kam er aus, nie hat er eine Kehre mit der Handbremse genommen. Indes ging es auf der Rundstrecke weiter bergauf. 2015 absolvierte er sein erstes 24-Stunden-Rennen am Nürburgring, kamen vermehrt Renneinsätze in der Langstreckenmeisterschaft VLN und im Histocup. Seit 2016 ist er bei einem Schweizer Team; der Eigner unterlag Michael in Italien und war so beeindruckt, dass er ihn danach anheuerte. Beruflich konfiguriert und verkauft er MAN-Nutzfahrzeuge, seine restliche Zeit verbringt er auf der Strecke. Und das äußerst erfolgreich: Mittlerweile ist er 25 Wochenenden im Jahr auf Rennen, heuer stehen bereits je ein Klassensieg in Dubai und in Silverstone in der 24h Series zu Buche. Bevorzugter Untersatz ist momentan ein BMW 235i Cup, aber zurückblickend sieht Michael seinen Weg recht gelassen: „Die Distanzen werden länger, aber im Endeffekt kochen alle nur mit Wasser.“ Die GT3 wäre interessant, am Red Bull Ring durfte er beim ADAC-GT-Masters schon schnuppern.

Stefan Laszlo, 2008 Der Kämpfer

Wenn Stefan Laszlo über seine Rennfahrerlaufbahn spricht, erzählt er wie von einem Gefecht. Den Clios und Hondas wollte er in den Folgesaisonen nach seinem Sieg beim Racing Rookie Paroli bieten. Dafür rüstete er mit ein paar Motorsport-Teilen den Trophy-Fiesta auf. Den konnte er Ford günstig abkaufen, geholfen hat ein wertmindernder Überschlag. 2011 wurde Stefan Junioren-Staatsmeister und 2013 Vizemeister in der Zweiliterklasse, aber mit der geringen Leistung wurde es zunehmend schwieriger, ganz vorne mit dabei zu sein. 2017 versuchte er es mit einem aufbaubedürtigen Impreza, doch schon im ersten Rennen hatte er einen Motorschaden. Jetzt nehmen ihn der Hauskauf von letztem Jahr und die Rolle als frisch gebackener Vater persönlich und finanziell voll ein. Nach eigener Aussage schwach beim der Sponsorensuche, finanzierte sich seine Rallyekarriere also selbst. Die Familie steuerte auch etwas bei, weil „bei uns sind alle motorsportverrückt.“ Wie lange pausiert wird, ist noch unklar. Erst wenn das Budget für die Motorelektronik da ist, wird weitergemacht. Weil er keine halben Sachen macht, und ans Aufhören denkt er sowieso nicht. Denn vor einigen Jahren mit dem vergleichsweise schwachen Fiesta auf manchen Kursen mit den Mitsubishi Lancer Evos mithalten zu können, war schon ein ganz besonderes Gefühl. Diesen Mann wird die Rallye nie loslassen.

Christian Senghaus, 2011 Der Vernünftige

Als Quereinsteiger fuhr er eine Saison und wurde Junioren-Champion der Austrian Rallye Challenge. Ford organisierte alles, er musste sich um nichts kümmern, „das war ein tolles Jahr“. Er, eigentlich immer Tiefstapler, bekam plötzlich Selbstbewusstsein mit Mario Tomasini als Beifahrer und machte Schritt für Schritt die Erfahrung, dass er es kann. Bei den letzten Rennen der Saison hielt er voll drauf und konnte mit den Großen mitmischen. Da der Rallye-Fiesta damals noch nicht verschenkt wurde, entschied sich Christian lieber für die eigene Wohnung als den Rennsport. Mit Happy End: Seit 2012 gibt er nebenberuflich in der ÖAMTC Fahrtechnik sein Wissen weiter, auch an die kommenden Racing Rookies. Es juckt ihn aber noch immer. Weil er selbst mit dem frontgetriebenen Fiesta dauernd quer unterwegs war, ist die österreichische Driftchallenge der Plan. Die Serienklasse ist leistbar, „du brauchst maximal einen Käfig, auf der Hinterachse kannst du auch die alten Winterreifen haben.“ Durchaus eine vernünftige Variante, unvernünftig zu sein.

Alle Sieger des Racing Rookies

  • 2004: Patrick Winter
  • 2005: Rene Hofstätter
  • 2006: Alexander Krapesch
  • 2007: Lukas Langstadlinger
  • 2008: Stefan Laszlo
  • 2009: Matthias Kaiser
  • 2010: Oliver Fischer
  • 2011: Christian Senghaus
  • 2012: Sebastian Kletzmayr
  • 2013: Michael Fischer
  • 2014: Julian Wagner
  • 2015: Marco Schöbel
  • 2016: Michael Röck
  • 2017: Patrick Knoll
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