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Lucas Auer nach Formel 1-Testfahrten: “Es war ein Wahnsinn”

“Die Autos sind mega zu fahren”: Österreichs Motorsport-Hoffnung Lucas Auer im Interview nach seinem Formel 1-Debüt bei den Force India-Testfahrten am Hungaroring

03.08.2017 Online Redaktion
Am vergangenen Sonntag feierte Lucas Auer sein Formel-1-Debüt bei Testfahrten für Force India in Ungarn. Bei Temperaturen weit jenseites der 30 Grad verbesserte sich der junge Tiroler auf dem Hungaroring um über 1,3 Sekunden. Zur Halbzeit des zweiten Testtages war Auer Fünftschnellster hinter Sebastian Vettel (Ferrari), Lando Norris (McLaren), Kimi Räikkönen (Ferrari) und Carlos Sainz (Toro Rosso). Der Österreicher ist der einzige Nachwuchs-Pilot aus der DTM, der beim Young Driver Test in Ungarn an den Start ging.
© Bild: HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com

Die APA führte nach den Testfahrten ein Interview mit Auer, in dem der 22-jährige Neffe von Gerhard Berger sein Debüt in der Königsklasse des Motorsports Revue passieren lässt:

APA: Sie haben bei ihrem Debüt in der Formel 1 eine praktisch fehlerlose Leistung abgeliefert und sich am zweiten Tag deutlich gesteigert. Wie lautet ihr Resümee?

Auer: “Es war ein Wahnsinn. Danke nochmals ans Team.”

APA: Was war für Sie als Tourenwagen-Pilot der größte Unterschied?

Auer: “Der größte Unterschied liegt im Highspeed-Bereich. Speziell das erste Outing war ein Wahnsinn. Wenn du das erste Mal den Pit-Limiter loslässt und merkst, wie viel Power in dem Auto steckt und wie spät du bremsen kannst. Aber selbst an diesen Speed gewöhnt sich das Auge rasch. Der Unterschied zur DTM lag wohl im Fahrstil, denn mein letztes Formel-Rennen bin ich 2014 gefahren.”

APA: Glauben Sie, dass man nach 103 Runden von einem gelungenen Debüt sprechen kann?

Auer: “Meine gute Vorbereitung hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Die Fitness war trotz der enormen Hitze kein Problem. Wir haben an beiden Tagen einen toughen Run-Plan ohne großartige Probleme abgespult und die Infos bekommen, die wir wollten. Die Formel 1 ist ja erst bei Halbzeit. Ich habe jede Runde dazugelernt und jede Sekunde genossen.”

© Bild: HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com

APA: Wie war die Reaktion des Teams?

Auer: “Beim Briefing wird nicht jeder gestreichelt. Du gehst Punkt für Punkt durch, vor allem Reifen, Aerodynamik und Mechanisches. Aber dein Feedback als Fahrer ist schon enorm wichtig. Das Team hat sehr offene Ohren. Alleine weil Testfahrten so rar sind.”

APA: Wie haben Sie zwischen den beiden Testtagen geschlafen?

Auer (lacht): “Ich habe nichts geträumt und bin um sechs Uhr von alleine aufgewacht. Das war komisch, weil normal brauch’ ich einen Wecker. Aber mein Kopf hat ganz schön gearbeitet und die Freude war in der Früh sofort da.”

APA: Was war der Unterschied zwischen Tag eins und zwei?

Auer: “Am Dienstag war alles neu. Am Mittwoch war der Speed fast schon normal. Übertrieben gesagt war es so, als würdest du nichts anderes kennen. Ich habe das Auto am Mittwoch schon wesentlich besser gekannt. Würde ich morgen nochmals fahren, würde es noch besser gehen.”

APA: Das heißt, da gab es nach wie vor Luft nach oben?

Auer: “Ich weiß aus der DTM, dass das letzte, was du bei einem Test brauchst, ein Defekt ist. Deshalb habe ich speziell in den Kurven vier und elf wegen der Kerbs noch etwas Luft gelassen.”

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APA: Hätten Sie sich gewünscht, mehr Zeit zu bekommen um persönlich noch mehr zu glänzen?

Auer: “Wichtig war, alles richtig zu machen. Tests heißen deshalb Tests, weil man da etwas probiert und versucht, alles fürs Rennwochenende zusammen zu haben. Das ist eben so. Wir haben alle Infos bekommen, ich habe praktisch keinen Fehler gemacht.”

APA: Wie hoch stufen Sie nun ihre Chance ein, irgendwann in einem Formel-1-Team unterzukommen und auch Rennen zu fahren?

Auer: “Die Formel 1 ist die höchste Klasse und die Autos sind mega zu fahren. Ich versuche aber immer, im Moment zu leben und mich haben die guten Ergebnisse des letzten halben Jahres hierher gebracht. Das schwierigste bei uns Sportlern ist ja, dass wir auf Knopfdruck abrufen müssen. Wenn du dann zu viel über 2019 nachdenkst, kann das auch als Schuss nach hinten los gehen. Wenn ich meinen jetzigen Job ordentlich mache, gehen Türen auf und ich bekomme auch meine Möglichkeiten. Wenn du zu viel an die Zukunft denkst und in der Gegenwart schlecht performst, gehen Türen zu.”

APA: Durch den Mercedes-Rückzug aus der DTM sind die Möglichkeiten weniger geworden. Wäre die Formel E für Sie ein Thema?

Auer: “Damit habe ich mich noch nie wirklich auseinandergesetzt. Aber als junger Fahrer solltest du für alles offen sein.”

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APA: Kehren Sie dem Hungaroring wehmütig den Rücken?

Auer: “Ich bin mittendrin im DTM-Meisterschaftskampf. Da ist noch ein ziemlicher Job zu erledigen, weil uns Audi gerade die Hölle heiß macht. Die Formel 1 jetzt, das war einfach eine weitere Möglichkeit. Was die Zukunft bringt, wird uns die Zeit verraten. Ich bin 22 und für alles offen.”

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