Cockpitschutz “Halo” spaltet Formel 1

Von Vettel (“Es wäre dumm und ignorant, so etwas nicht zu nutzen”) bis Verstappen (“Ich verstehe nicht, warum wir es brauchen”): Die Meinungen zum Formel 1-Cockpitschutz “Halo” gehen stark auseinander.

28.07.2017 Online Redaktion

Der umstrittene Cockpitschutz “Halo” kommt 2018 – egal, ob die Piloten das wollen oder nicht. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander – so kommen aus den Fahrerlagern sowohl positive als auch negative Stimmen. “Wenn Teile von Autos rumfliegen, wird es dich nicht schützen”, kritisierte etwa Red Bull-Fahrer Max Verstappen den Flip-Flop-ähnlichen Bügel. “Ich verstehe nicht, warum wir es brauchen.” WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel hingegen unterstützt die Entscheidung des Weltverbandes FIA: “Es wäre dumm und ignorant, so etwas nicht zu nutzen”, so der deutsche Ferrari-Pilot mit Blick auf Unfälle in der Vergangenheit.

© Bild: Clive Mason Getty Images Sport

“Zu sicher, um noch aufregend zu sein”

Vor allem bei der Frage, ob die Boliden durch das neue Sicherheits-System ihren speziellen Charakter einbüßen, herrscht Uneinigkeit. “Es muss einen besseren Weg geben. Wir kommen in einen Bereich, wo es zu sicher ist, um noch aufregend zu sein. Ein gewisses Risiko gehört zum Image der Formel 1”, kommentierte Haas-Pilot Kevin Magnussen. Dieser Meinung schließt sich auch Renault-Fahrer Nico Hülkenberg an: “Ich bin nicht sicher, ob diese zusätzliche Sicherheit nötig ist”, so der Deutsche. “Halo” sei bei Vorfällen effektiv, deren Wahrscheinlichkeit bei “eins zu einer Million” liege. Auch Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda kritisierte die Einführung des Cockpitschutzes als “absolute Fehlentscheidung” und sprach von einer “Überreaktion” der FIA, da das Restrisiko für die Fahrer ohnehin schon sehr klein sei. Die Sicherheit müsse zwar stets verbessert werden, “Halo” sei aber alles andere als ausgereift, so der Österreicher.

© Bild: Mark Thompson Getty Images Sport

“Ästhetik kümmert mich nicht”

Doch auch Vettels Sicht der Dinge findet weitere Verfechter. “Die Sicherheit steht immer an erster Stelle”, meinte etwa Force-India-Pilot Sergio Perez. Auch der McLaren-Fahrer Fernando Alonso verwies wie Kollege Vettel auf tödliche Unfälle wie die der früheren Rennfahrer Henry Surtees und Justin Wilson, die durch einen Cockpitschutz wohl verhindert worden wären. “Wenn wir in der Zeit zurückgehen könnten, um ihre Leben zu retten, wären wir glücklich. Die Ästhetik kümmert mich nicht”, so der Spanier. Auch die FIA selbst wies im Vorfeld des Grand Prix von Ungarn die Kritik erneut zurück. “Die Fans werden sich daran gewöhnen”, sagte FIA-Renndirektor Charlie Whiting. Die bisherigen Tests mit “Halo” hätten überwältigend positive Ergebnisse erzielt.

© Bild: Clive Mason Getty Images Sport

“Es wird nicht so schlimm, wie manch einer denkt”

Zudem haben die Teams bis zum Beginn der kommenden Saison die Chance, das “Halo”-System im Rahmen des Regelwerks ins Design ihrer Autos einzubeziehen und auch mit Werbung zu verzieren. “Es wird nicht so schlimm, wie manch einer denkt”, versicherte Whiting. Darauf setzt auch Lewis Hamilton. “Die Autos sind schon jetzt zu schwer. Ich hoffe, sie verringern das Gewicht noch”, sagte der britische Mercedes-Star. Seine Prognose: “Ich denke, dass wir uns auf ein geschlossenes Cockpit zubewegen.”

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