Formel 1: Keine Sternstunden in Österreich – Verstappen siegt in Spielberg

Für Mercedes stand der Grand Prix von Österreich 2018 unter einem schlechten Stern, sowohl Hamilton als auch Bottas schieden aus – davon profitierten neben Sieger Verstappen auch die beiden Ferrari-Piloten.

01.07.2018 APA

Red Bull hat den ersten Sieg beim Formel-1-Heimrennen in Spielberg gefeiert. Zur Freude von Tausenden niederländischen Fans gewann Max Verstappen am Sonntag vor dem Ferrari-Duo Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel. Mercedes erlebte in der Steiermark, wo die “Silberpfeile” davor seit 2014 immer gewonnen hatten, ein Debakel. Sowohl Lewis Hamilton als auch Valtteri Bottas schieden wegen Defekten aus.

Vierter Karriere-Sieg für 20-jährigen Verstappen

Für Verstappen war es vor den Augen von Firmenchef Dietrich Mateschitz der erste Sieg 2018 und der insgesamt vierte in seiner Karriere. “Das ist großartig! Vor all diesen Fans auf dem Red Bull Ring – mit einem Red Bull. Großartig!”, sprudelte es aus dem 20-Jährigen nach Überfahrt der Ziellinie heraus. Vor dem Rennen hatte es wahrlich nicht nach einem Red-Bull-Triumph ausgesehen. Am Freitag und Samstag hatte das Austro-Team das Tempo von Mercedes und Ferrari nicht mitgehen können.

“Viele Blasen”

“Es war auch sehr hart, die Reifen in den Griff zu kriegen. Man musste wirklich auf sie achtgeben, es gab viele Blasen. Wir haben es geschafft, bis zum Ende durchzuhalten”, merkte Verstappen an. Insgesamt 185.000 Zuschauer strömten am gesamten Wochenende laut offiziellen Angaben zum Geschehen auf dem Red Bull Ring. Seit dem Comeback der Formel 1 in Österreich im Jahr 2014 war das der zweithöchste Wert.

Ferrari im Glück

Auch bei Ferrari gab es Grund zu jubeln. “Ich denke, es ist ein gutes Resultat für das Team”, meinte der Finne Räikkönen. “Wir haben ihn am Ende gejagt, aber sind nicht ganz hingekommen”, sagte Vettel, der in der WM-Gesamtwertung wieder die Führung von Hamilton übernahm. Der Deutsche liegt eine Woche vor dem Großen Preis von Großbritannien in Silverstone allerdings nur einen Zähler vor dem britischen Titelverteidiger. Auch in der Konstrukteurswertung ist nun Ferrari vor Mercedes die Nummer eins.

Mercedes-Rennen unter schlechtem Stern

Für die Silbernen stand der 31. Österreich-Grand-Prix ziemlich bald unter einem schlechten Stern. Nach dem Aus von Pole-Position-Mann Bottas wegen eines Getriebeschadens in der 14. Runde verpasste die Mercedes-Boxenregie die gute Möglichkeit, beim zweiten Auto frische Reifen aufzustecken. Dadurch geriet Hamilton im Vergleich zur Konkurrenz ins Hintertreffen, bei einem späteren Boxenstopp verlor er drei Positionen. Im 63. Umlauf musste er seinen Wagen schließlich wegen fehlenden Benzindrucks abstellen.

Reifen-Problematik

Die Reifen spielten eine Hauptrolle an diesem Nachmittag. Denn bei der Soft-Mischung von Hersteller Pirelli kam es spätestens ab der Halbzeit des Rennen bei allen zu verstärkter Blasenbildung. Hamilton und Daniel Ricciardo mussten deshalb jeweils einen zweiten Stopp einlegen und verloren viel Zeit. Bei Ricciardo war das Rennen an seinem 29. Geburtstag wenig später wie bei Bottas wegen eines Getriebedefekts vorzeitig beendet. Der Australier lag an fünfter Stelle, als er ausschied.

Doppelte Freude bei Haas

Beim US-amerikanische Haas-Team jubelte man unterdessen nach dem 50. Rennen in der Formel 1 über Historisches: Der Franzose Romain Grosjean fuhr unmittelbar vor seinem dänischen Teamkollegen Kevin Magnussen auf den vierten Platz. Es war das beste Resultat für Haas seit dem ersten Rennen in Australien 2016.

Mercedes-Chefstratege nimmt Schuld auf sich

Kurz nach dem Start war die Welt für Hamilton noch in Ordnung. Der 33-Jährige und Räikkönen legten einen Blitzstart hin und zogen an Bottas vorbei. Räikkönen fiel dann schnell auf Platz vier hinter Verstappen zurück, Ricciardo verbesserte sich unterdessen um zwei Positionen auf den fünften Platz. In Runde 14 stellte Bottas seinen Mercedes neben der Strecke ab, was zu einem Einsatz des Virtuellen Safety Car führte. Red Bull und Ferrari nutzten diese Phase jeweils für den Doppel-Wechsel auf die härteste Reifemischung, während Hamilton auf der Strecke blieb. “Das war mein Fehler”, meldete sich Mercedes-Chefstratege James Vowles, nachdem er von Hamilton auf die schlechten Zustand seiner Pneus angesprochen worden war. Nach seinem Boxenstopp in Runde 25 auf Soft fiel der Brite auf Rang vier zurück und wurde später auch von Vettel überholt. “Es tut mir leid”, entschuldigte sich Vowles noch einmal bei Hamilton.

Technische Probleme sorgten bei Mercedes für Renn-Aus

Letztlich fiel das menschliche Versagen aber nicht ins Gewicht, da die Technik versagte. Für Mercedes bedeutete das den ersten Grand Prix ohne Punkte seit Spanien 2016. Damals waren Hamilton und Nico Rosberg ausgeschieden, nachdem sie kurz nach dem Start kollidiert waren. Damals hatte Verstappen seinen ersten Sieg gefeiert.

“Schlimmster Tag seit Spanien 2016”

“Das ist für mich der schlimmste Tag seit Spanien 2016”, betonte Teamchef Toto Wolff in Erinnerung an den 15. Mai vor zwei Jahren, als Hamilton in Montmelo mit seinem damaligen Teamkollegen Nico Rosberg kollidiert war. Damals hatte zuletzt kein “Silberpfeil” die Zielflagge gesehen. Und Hamilton hatte seit seinem Ausfall am 2. Oktober 2016 in Malaysia zuletzt 33 Mal en suite gepunktet. Ein Benzindruckproblem sorgte diesmal für den “Nuller” des 33-jährigen Briten.

“Das muss man schnell vergessen”

“Es war ein abnormaler Tag. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das muss man schnell vergessen”, lautete der treffende Kommentar von Hamilton.  “Ich muss das Positive mitnehmen, aber es war ein harter Schlag für das Team”, meinte der geschlagene Champ, der nun in der WM wieder einen Zähler hinter Ferrari-Star Sebastian Vettel liegt. “So brutal kann Motorsport sein, heute hat es uns mit voller Wucht getroffen”, ergänzte Wolff. “Wir haben das Rennen auf den Plätzen eins und zwei kontrolliert, dann scheidet Valtteri wegen des Hydrauliklecks aus und wir reagieren nicht. Dadurch haben wir das Rennen verloren”, fasste der 46-jährige Wiener nochmals zusammen.

Lektion gelernt?

“Fehler passieren, wo Menschen arbeiten. Wir müssen alle Konsequenzen ziehen”, forderte indes Niki Lauda, der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams. “Es kommt auf jedes Detail an. Wir waren am nächsten bei der Boxeneinfahrt, da geht es um jede Sekunde. Die paar Sekunden, abgelenkt durch den Bottas-Ausfall, haben dazu geführt. Es ist ärgerlich. Wir müssen schauen, dass wir das alles korrigieren.” Für Wolff und Co. ging es deshalb noch am Sonntagabend zurück nach England. “Schon morgen um 8.00 Uhr früh werden wir in der Fabrik sein, um zu analysieren, was falsch gelaufen ist, damit wir die Fehlerquote minimieren und das Beste am kommenden Rennwochenende in Silverstone rausholen können”, kündigte der Mercedes-Motorsportchef an, bevor er aus der Steiermark abreiste.

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