Dani Pedrosa Interview MotoGP Honda
 

Dani Pedrosa im Interview: „Ich kann das Leben anderer besser machen“

Hondas MotoGP-Dauerbrenner Dani Pedrosa persönlich: Wie ihn eine Begegnung mit einem Fan veränderte.

22.05.2018 Online Redaktion

Ein Interview von Gerald Enzinger für die Autorevue Extra 2018.

Du hast dein halbes bisheriges Leben in der MotoGP verbracht. Haben sich Dinge geändert?
Sehr! Vor allem bei den Teams selbst. Und wir haben jetzt viel mehr Bikes am Grid. Sehr viele Piloten können nun jederzeit um den Sieg mitfahren. Das macht die MotoGP aufregend. Das Interesse der Medien ist nun viel -größer. Der Sport wächst enorm.

Welche Ära war die beste?
Die wahre Herausforderung ist, dass du dich auf jede Ära einstellst. Der Wechsel ist stetig, und jeder ist erst einmal mit Frust verbunden. Aber sobald du ein Gefühl für die neue Situation bekommen hast und du dich auch technisch darauf eingestellt hast, geht es voran. So ist jede Ära für sich spannend.

Dani Pedrosa Interview MotoGP Honda
© Bild: redbullcontentpool

Was alle Fans an dir fasziniert: dass du mit so vielen völlig unterschiedlichen Motorrad-Generationen doch immer wieder gewonnen hast. Hat der Erfolg in Zeiten von Veränderung ein Geheimnis?
Natürlich habe ich da meine Geheimnisse. Eines ist: die richtige Einstellung zu haben. Du brauchst immer Zeit, aber musst für jede neue Situation ein Ziel haben: Nämlich, der Schnellste von all den Typen hier zu sein, der eine Idee hat, wie man mit den neuesten Entwicklungen und Regeln umgeht. Es ist wie das Rennen draußen auf der Strecke. Aber auch hier gilt freilich: Du brauchst das Team dafür und die Ingenieure, die das gut können. Ohne diese Leute bist du aufgeschmissen. Jeder Erfolg von dir geht nur mit ihnen.

Ist es in Zeiten der Veränderung besser, sich extrem mit der Materie zu beschäftigen? Oder tut es gut, Dinge entspannt zu sehen?
Für mich ist es besser, offen zu bleiben. Man muss Dinge in Relation sehen, differenzieren können. Wenn du dich zu sehr auf einen Punkt konzentrierst, dann verlierst du den Überblick.

Für viele Menschen bist Du ein Vorbild. Kaum einer hat so viele schwere Unfälle und so komplizierte Verletzungen überstanden und ist immer wieder zurückgekommen. Hast Du ein spezielles „Reset“-System entwickelt, das du nach Rückschlägen anwendest?
Meine Motivation ist die Motivation. Das klingt kryptisch, heißt aber so etwas wie: Ich will performen! Ich will die Dinge richtig machen! Ich hasse es, etwas akzeptieren zu müssen, das ich nicht akzeptieren will! Ich hasse es, nicht am Punkt zu sein! Wenn ich etwas besser machen kann, dann gibt es für mich nur den einen Antrieb: es besser zu machen! In schwierigen Zeiten lässt mich das wiederauferstehen. Auch weil ich die Erfahrung mit Tiefpunkten habe: Ich weiß, ich bin in der Lage, den Schalter umzulegen – und nur mehr nach vorne zu schauen, ohne auf Schmerzen oder Zweifel zu achten.

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Spürst Du, dass Du für Menschen in Nöten eine Inspiration bist?
Total! Kürzlich habe ich ein Mädchen in den USA getroffen. Sie hatte davor eine schwere Hirnerkrankung und musste operiert werden. Als sie aus der Narkose aufwachte, war sie komplett gelähmt. Sie konnte nicht mal die Finger bewegen. Es dauerte ein Jahr, bis sie sprechen und gehen konnte.

Ein harter Weg.
Dann erzählte sie mir, dass ich in all der Zeit ihre Motivation war, ihre In-spiration. Sie sagte: „Du bist der Typ, der immer am Boden liegt – und dann wieder aufsteht. Durch dich habe ich es geschafft! Tag für Tag!“

Was für ein Kompliment.
Ich war so tief berührt wie nie zuvor. Da wurde mir bewusst: Ich kann das Leben von anderen Menschen besser machen. Sogar von Leuten, die ich nicht einmal kenne. Alleine mit meiner Haltung, alleine mit der Art, wie ich mich in der MotoGP bewege. Viele Leute sehen das nicht, oder sie rechnen nur in WM-Punkten. Aber ich habe erkannt: Eine WM zu gewinnen, das ist fantastisch, und das ist mein Traum. Aber das Herz anderer Menschen zu wärmen, ihre Seele zu berühren, ist der viel größere Sieg in meinem Leben. Da macht Ruhm Sinn.

Dani Pedrosa Interview MotoGP Honda
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Was sagst du zum Auftritt von KTM in der MotoGP? Mike Leitner arbeitet dort, er war viele Jahre lang dein Crew-Chief.
Mike ist ein feiner Typ mit einer sehr starken Mentalität und viel Passion fürs Racing. Wir reden immer gern über alte Geschichten, die wir gemeinsam erlebt haben. Die MotoGP ist brutal hart. Selbst die Besten schaffen kein Wochenende ohne Probleme. -Immer ist etwas. So gesehen hat KTM einen tollen Job gemacht.

Dein Team ist ein Riese: Honda.
Sie haben Tradition im Rennsport. Sie wissen, wer sie sind. Sie stehen zu ihren Werten. Sie gehen ihren Weg, was immer andere Leute im Paddock meinen. Ihre Qualität ist es, zu wissen, was sie gut können. Sie sind gut darin, eine Gruppe aufzustellen, so, dass alle in die gleiche Richtung arbeiten.

In der Formel 1 ist das schwieriger.
Formel 1 und MotoGP sind einander so ähnlich und doch so unterschiedlich. Ich selbst finde Autorennen spannend, es reizt mich – aber ich denke, da gäbe es viel zu lernen für mich.

Bleibst du bis zum Ende der Karriere bei Honda, oder ist der Aufbau eines kleineren Teams eine Option? Also etwa KTM.
Das alles ist für mich noch weit weg. Aber es gilt wie immer im Leben: Niemand weiß, was kommt (lacht).

Zu Dani Pedrosa

Dani Pedrosa wurde am 29. September 1985 in Sabadell (Spanien) geboren. Er ist dreifacher Weltmeister in den Kategorien 125 ccm (2003) und 250 ccm (2004, 2005). Er ist der einzige Pilot der Motorrad-WM, der seit dem Jahr 2002 (!) in jedem Jahr zumindest einen Weltmeisterschaftslauf gewonnen hat. Nur der WM-Titel in der MotoGP ist ihm bislang verwehrt geblieben – trotz drei Vizeweltmeisterschaften und drei dritten Plätzen im WM-Klassement. Viele Experten sagen: mit 51 kg ist der 160 cm kleine Spanier zu leicht für die MotoGP-Raketen. Pedrosa hat 54 GP-Rennen gewonnen. Er hat alle seine bislang 277 WM-Läufe auf Honda bestritten.

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