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Winterreifentest 2013 – Glatteis ist überall

Es ist eine hohe technokratische Kunst, den Reifen anständiges Benehmen beizubringen. Die meisten Hersteller beherrschen sie auch, aber nicht alle.

Autorevue Magazin
Veröffentlicht am 03.11.2013

Reifentesten ist eine sehr aufwendige und damit teure Angelegenheit. Außerdem müssen neue Reifen schon vor der Saison getestet werden, oft schon bevor die Konsumenten das Produkt im Handel vorfinden. Aber wie soll man Winterreifen bereits im Sommer testen? Alles geht, wenn man nur will. Seit 1. November gilt in Österreich die Winterreifenpflicht.

Winterreifen 2013: So wird getestet

Europäische Autofahrerclubs und Konsumentenschützer haben sich deshalb zu diesem Zweck zusammengeschlossen und testen kontinuierlich übers Jahr Sommerreifen und Winterreifen. Bei Winterreifen muss man dann schon in Regionen ausweichen, wo es auch während unseres Sommers winterliche Bedingungen gibt, also üblicherweise in der südlichen Hemisphäre. Diese wirklich umfassenden Reifentests finden unter der Leitung des deutschen Autofahrerclubs ADAC nach sehr strengen Regeln statt, die auch immer wieder an aktuelle Erfordernisse angepasst werden. Zum inneren Kreis des Testteams gehört auch Friedrich Eppel, der Reifenexperte des ÖAMTC.  ÖAMTC und der Verein für Konsumenteninformation veröffentlichen die Ergebnisse dann auf ihren Webseiten und in ihren Zeitschriften, namentlich „Auto-Touring“ und „Konsument“. Interessierten Beobachtern wird vielleicht aufgefallen sein, dass beide Organisationen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dahinter steht trotzdem ein und derselbe Test. Die geringfügigen Unterschiede ergeben sich lediglich aus der Interpretation der Resultate. Die Konsumentenschützer legen einen etwas höheren Wert auf die Umweltkriterien und zeichnen sich durch eine etwas dezentere Wortwahl aus, zum Beispiel „sehr gut“ statt „hervorragend“. Diese Exzellenzstufe wird aber bei Reifentests ohnehin nie erreicht, womit die besten Reifen „gut“ (Konsument) oder „sehr empfehlenswert“ (ÖAMTC) sind.

Reifenvergleich: Breite Mittelklasse, kaum Totalversager

Wichtig ist zu bemerken, dass die Ergebnisse oft über viele Reifenmarken hinweg sehr nahe beisammen liegen, dass also mitunter zwischen dem fünften und dem zehnten Platz kaum ein Unterschied ist. Deshalb sollte man sich die Ergebnisse erst recht genauer ansehen. Die Preise die vorne stehen, sagen oft nicht viel über die wahren Kosten aus. Für den, der viel fährt, ist der Verschleiß ein ganz wichtiges Kriterium. Die besten Reifen beim Verschleiß erzielen oft die doppelten Reichweiten. Nicht ganz so drastisch die Unterschiede im Rollwiderstand. Hier liegen die besten und schlechtesten immer zwischen 0,4 und 0,6 Liter Kraftstoffverbrauch pro 100 km auseinander, das können immerhin zehn Prozent sein. Schlechte Winterreifen müssen nicht unbedingt auch schlecht auf Eis und Schnee sein. Es gibt chinesische Produkte, die beherrschen Eis und Schnee ganz gut, versagen aber bei Matsch und Nässe total. Aber genau das haben wir im Winter am öftesten. Dies ist der Spagat, der die guten und die schlechten Reifen unterscheidet.

Wer braucht Winterreifen?

In urbanen Regionen mit gutem Winterdienst und wenig Schneefall fragen sich viele, ob sie überhaupt Winterreifen kaufen sollen. Hierzu folgende Tatsachen: Die Gummimischung von Sommerreifen ist bereits bei Temperaturen um die plus fünf Grad schwer gestresst, Seitenführung verringert sich, Bremswege verlängern sich. Es muss also noch gar nicht richtig Winter sein, zeigen Winterreifen schon ihre Vorteile. Und wer Allradantrieb hat braucht erst recht Winterreifen, denn mit Allrad kommt man sicher immer und überall hinauf, aber ohne Winterreifen nicht mehr heil hinunter, ganz abgesehen von unendlichen Bremswegen mit Sommerreifen im Winter.

Kosten und Nutzen von Winterreifen

Die zusätzlichen Kosten für Winterreifen werden gefühlsmäßig oft überschätzt, denn während die Winterreifen montiert sind, nutzen sich die Sommerreifen ja nicht ab und umgekehrt. Auch bei den Preisen fürs Umstecken und Einlagern der Räder funktioniert der freie Markt: Die Diskonter haben die Fachwerkstätten schon so unter Preisdruck gesetzt, dass die Markenwerkstätte, bei der man das große Service machen lässt oft sogar schon günstiger ist. Feilschen ist nicht nur beim Reifenpreis wichtig, verhandeln Sie auch gleich anständige Bedingungen für Montage und Lagerung. Die empfohlenen Listenpreise der Reifenhersteller werden praktisch nur in ausweglosen Notsituationen bezahlt.


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