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7 - Die Winterreifenpflicht ignorieren
 

7 Winter-Todsünden für Auto und Autofahrer

Eine dieser 7 Winter-Todsünden ist wohl jedem schon mal untergekommen. Wir sagen euch, was ihr in der kalten Jahreszeit besonders beherzigen solltet.

11.01.2017 Online Redaktion

Von falscher Starthilfe, Streusalz bis hin zum Klassiker “Sommerreifen im Winter” gibt es gerade in der kalten Jahreszeit sehr vielfältige Möglichkeiten, euer Auto, euch selbst und andere Verkehrsteilnehmer unnötigen Gefahren auszusetzen. Es folgen die 7 Winter-Todsünden für Auto und Autofahrer:

1 – Im Winter auf die Autowäsche verzichten

© Bild: Keystone / Getty Images

Das Streusalz auf den Straßen kann jedem Auto massiv zu setzen. Es frisst sich durch die Karosserie oder durch Dichtungen und kann so zu sehr teuren Folgeschäden führen. Immer wieder hört man aber vom Mythos, dass man bei Minusgraden das Auto keiner Autowäsche aussetzen soll. Das gilt allerdings nur dann, wenn die Außentemperaturen so niedrig sind, dass das Waschwasser unmittelbar gefriert und so zu Schäden z.B. an Dichtungen führen kann. Um das zu vermeiden sollte auf eine Handwäsche im Idealfall verzichtet werden – eine Wäsche in einer Waschstraße ist aber gerade im Winter aufgrund des erwähnten Salzes auf den Straßen unbedingt anzuraten.

  • Wichtig: Nicht nur die Karosserie, sondern auch der Unterboden des Fahrzeuges sollte unbedingt gewaschen und so vom Streusalz befreit werden, um spätere Rostbildung zu verhindern.
  • Ebenso wichtig wie die Reinigung selbst ist die Trocknung danach: Gerade die Scheibenwischer, Türschlösser und Türspalten sollte dabei zusätzlich per Hand getrocknet werden, um ein Einfrieren danach zu verhindern.
  • Tipp: Türschlösser vor der Wäsche zukleben oder mit Silikonspray einsprühen um ein Eindringen des Waschwassers zu verhindern.

2 – Immer nur Kurzstrecken fahren

© Bild: Jonas Vandall Ortvig / EPA / picturedesk.com

Reine Kurzstreckenfahrer muten ihrem Fahrzeug nicht nur im Winter einiges zu: Der Motor wird bei kurzen Fahrstrecken nie richtig warm, in der Folge können sich Wasser und Kraftstoff im Öl ansammeln, was die Qualität des Öles rasch sinken lässt. Der Verschleiß nimmt zu und teure Folgeschäden drohen, wenn das Motoröl nicht regelmäßig gewechselt wird.

Im Winter kommt bei Kurzstrecken noch ein weiteres Problem hinzu

Die Autobatterie wird durch die Kälte ohnehin bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Um eine Autobatterie wieder richtig aufzuladen, sind aber mindestens 20 km Fahrt nötig, andernfalls wird die Batterie immer ein Stück weiter entladen und geschwächt.

3 – Mit verschmierter Windschutzscheibe fahren

© Bild: Vilheldm Gunnarsson / AFP / picturedesk.com

Die Feuchtigkeit im Inneren des Fahrzeuges, zusätzlich das Wischen mit nicht mehr ganz sauberen Reinigungslappen (oder dem Jackenärmel…) sorgen für Schlieren an der Scheibe, was bei Gegenverkehr oder –licht, die Sicht schnell in Richtung null sinken lässt.

  • Vor dem Einsteigen Schuhe und andere Kleidungsstücke von Schnee und Eis befreien, um möglichst wenig Feuchtigkeit in das Fahrzeuginnere gelangen zu lassen.
  • Gerade im Winter sollten also unbedingt die Reinigungslappen für die Scheibeninnenseite regelmäßig ausgetauscht bzw. gereinigt werden.

4 – Mit hoher Drehzahl bei kaltem Motor anfahren

© Bild: Tim Boyle / Getty Images

Ein kalter Motor braucht etwas Zeit, um den Öldruck aufbauen zu können und alle Teile/Lager mit einem ausreichenden Ölfilm zu versorgen. Wer mit hoher Drehzahl nach einem Kaltstart anfährt, riskiert, dass der Schmierfilm abreißt – mit den allseits bekannten Folgen und Schäden. Dieser Effekt wird im Winter bzw. bei niedrigen Temperaturen im Winter noch verstärkt. Deshalb: Beim Anfahren hohe Drehzahlen unbedingt vermeiden!

5 – Eiskratzen mit dem Scheibenwischer

© Bild: KARL-JOSEF HILDENBRAND / EPA / picturedesk.com

Eine vereiste Frontscheibe sollte immer mit einem Eiskratzer von Schnee und Eis befreit werden. Wer aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit den Scheibenwischer zum Eiskratzen benutzt, beschädigt die Gummilippe des Wischers – die Scheibe kann danach nicht mehr schlierenfrei sauber gewischt werden, ein Austausch der Wischer ist somit unerlässlich.

Wer außerdem noch größere Mengen Schnee mit dem Scheibenwischer anstatt per Hand entfernen will, muss zudem damit rechnen, dass der Motor des Scheibenwischers rasch den Geist aufgibt.

  • Enteisungsspray hilft dabei, das Eis auf der Scheibe innerhalb weniger Sekunden zu schmelzen – die Scheibe kann danach bequem und rasch von den Eisresten befreit werden.
  • Ein ganz und gar keine gute Idee ist es, die eisbedeckte Frontscheibe mit heißem Wasser zu “behandeln”. Der große Temperaturunterschied kann in dem Fall innerhalb von Sekunden zu Rissen in der Scheibe führen.

6 – Elektronik-Totalschaden durch falsche Starthilfe

© Bild: HERBERT PFARRHOFER / APA / picturedesk.com

Pluspol mit Pluspol und Minuspol mit Minuspol verbinden, starten und: Läuft. Oder? Dass Starthilfe für “leere” Autobatterien nicht ganz so einfach funktioniert, beweisen immer wieder Berichte von Werkstätten, die nach einer falsch durchgeführten Starthilfe nur mehr eines diagnostizieren können: Totalschaden der gesamten Fahrzeugelektronik.

Die häufigsten Fehler, die dazu führen

Vertauschen von Plus- und Minuspol, das Überbrücken bei geöffneter Zündung (richtig: Vor dem Überbrücken Schlüssel abziehen und einige Minuten warten), das Verwechseln von Haupt und Komfortbatterie, Masseschluss durch Berührung der beiden Fahrzeuge während des Überbrückens, Explosion von gebildetem Knallgas in der Batterie durch Funkenschlag, usw.

Und so klappt´s richtig mit der Starthilfe

  • Die mit dem Plus-Symbol gekennzeichneten Pole des Spenderfahrzeugs mit denen am Pannenauto verbinden (rotes Kabel).
  • Dann das schwarze Kabel an dem Minuspol im Spenderfahrzeug klemmen und das andere Ende mit einem massiven Metallteil im Motorraum des Pannenautos verbinden – und nicht, wie oft fälschlich praktiziert, mit dem Minuspol der Batterie – denn genau das kann zur oben erwähnten Explosion von Knallgas in der entladenen Batterie führen.
  • Erst nach diesen Schritten wird der Motor des Spenderfahrzeuges gestartet. Danach gilt: Einige Minuten warten, um der leeren Batterie etwas Energie zuzuführen. Erst dann sollte ein Startversuch des Pannenfahrzeuges erfolgen.
  • Wichtig danach: Ist der Startversuch erfolgreich, sollten im Pannenfahrzeug einige Stromverbraucher eingeschaltet werden, wie z.B. Lüftung oder die Heckscheibenheizung. Dies soll als Puffer dienen, um möglicherweise auftretende Spannungsspitzen abzufedern, die entstehen können, wenn die Überbrückungskabel in umgekehrter Reihenfolge (zuerst das schwarze Kabel, danach das rote Pluskabel) wieder gelöst werden.
  • Wichtig: Sofern die Batterie noch einigermaßen funktionstüchtig und ladefähig ist, ist danach eine längere Fahrt (ca. 1 Stunde) erforderlich, damit sich die entleerte Batterie wieder so weit erholen kann, dass der nächste Startversuch erfolgreich ist.

Eine noch genauere Anleitung wie ihr richtig Starthilfe gebt findet ihr hier.

7 – Die Winterreifenpflicht ignorieren

© Bild: Jan Pitman / Getty Images

Der Klassiker zum Schluss: Noch immer sind im Winter Autofahrer unterwegs, die aus Faulheit oder auch Selbstüberschätzung keine Winterreifen montiert haben. Zur Erinnerung: Von 1. November bis 15.April gilt in Österreich die witterungsabhängige Winterausrüstungspflicht. Also müssen bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen Winterreifen montiert sein. Als winterliche Fahrbahnverhältnisse gelten übrigens: Schnee, Schneematsch oder Eis auf der Fahrbahn.

  • Wer diese Pflicht ignoriert, muss mit drastischen Folgen rechnen: Im Fall eines Unfalles mit Sommerreifen drohen neben zivilrechtlichen auch strafrechtliche Folgen.
  • So kann z.B. die Kaskoversicherung eine Zahlung wegen grober Fahrlässigkeit (und genau als solche gilt das Fahren mit Sommerreifen bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen) verweigern.
  • Dazu kommen Geldstrafen die bei 35 Euro beginnen, bei einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer aber auf bis zu 5.000 Euro ansteigen können.
  • georg giglinger

    Der E-Autofahrer kann über solche Probleme nur lachen! ;-)

    • Andi

      Wir reden auch von “AUTOS”!!! ;-)

    • Peter Huber

      Hallo Georg, aber die Punkte 1, 3, 5, 7 haben nichts mit dem Antrieb zu tun…

    • georg giglinger

      Hallo Peter! Außer Punkt 7 sind alle anderen Punkte beim E-Auto deutlich besser.
      Zu 1.) Der Unterboden ist dicht verkleidet und geschlossen und damit weit nicht so anfällig für Rost. Es gibt ja auch keinen heißen Auspuff, Kat oder Partikelfilter.
      Zu 3 und 5.) Da jedes E-Auto eine sehr effiziente “Standheizung” hat wird man sowohl Eis auf der Scheibe als auch feuchte Innenscheiben sehr schnell los. Das kann ich aus Erfahrung bestätigen. Warme Heizungsluft kommt nach ca. 1 Minute, da kein großer schwerer Motor aufgeheizt werden muss. Und eine Wärmepumpe hilft Strom sparen. Ich hatte noch nie ein Auto das im Winter so gut heizt wie mein E-Auto. Einer der echt großen Pluspunkte! Meist spare ich mir das Eiskratzen, die 2 Minuten stehen sind auch schon egal.
      Und sogar bei 7.) ist das E-Auto meist im Vorteil. Es rutscht nicht so leicht weil die Gewichtsverteilung deutlich besser ist und ASR sowie ESP bei E-Antrieben schneller und besser regelbar ist. Versuch mal einen Tesla in der Kurve zum Ausbrechen zu bringen. Trotz mind. 330PS gelingt das nur bei wirklich glatter Fahrbahn. Aber Winterreifen sind natürlich Pflicht.

    • Franz A

      Ja, Punkt 6 kannst da vergessen.

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