Das spektakulärste Formel 1-Rennen der Saison zum Nachschauen

In Ungarn waren die Silberpfeile glücklos – Mercedes-Motorsportchef Wolff: “Wir haben in einem Rennen mehr Schwierigkeiten gehabt als in der ganzen Saison”

Veröffentlicht am 27.07.2015
Wer den gestrigen Formel 1-Grand Prix von Ungarn nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen. Denn, so viel sei schon einmal verraten: Es gibt viel Chaos. Action und Überraschungen, aber keinen Mercedes-Piloten am Podium. Das ist eine kleine bis mittlere Sensation, die es seit 28 Rennen nicht mehr gegeben hat: Seit dem Grand Prix von Brasilien 2013 fand sich immer mindestens ein Silberpfeil am Stockerl. Alleine deshalb ist das Rennen, das gestern in Mogyrod bei Budapest stattgefunden hat, sehenswert.

Das komplette Formel 1-Rennen von Ungarn 2015

Überraschungen am Podium

Überraschend holte sich am Sonntag Ferrari-Star Sebastian Vettel den ersten Platz in Ungarn. Auch die Plätze 2 und 3 verblüfften: Die beiden Red Bull-Piloten Daniil Kwjat und Daniel Ricciardo fuhren die ersten Podestplätze für die Bullen in dieser Saison ein. Die favorisierten Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg mussten sich mit den Plätzen 6 bzw. 8 zufriedengeben.

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© Bild: ANDREJ ISAKOVIC / AFP

Hamilton baute WM-Führung trotzdem aus

Hamilton baute seine WM-Führung dennoch leicht aus. Nach zehn von 19 Rennen liegt er 21 Punkte vor Rosberg und 42 vor Vettel. Dabei lief es für den Weltmeister alles andere als nach Plan. Hamilton verpatzte erst den Start, war neben der Strecke, beschädigte im Finish sein Auto und kassierte auch noch eine Durchfahrtsstrafe. Am Ende hatte er Glück, dass Stallrivale Rosberg im Zweikampf mit Ricciardo einen Reifenschaden erlitt.

“Wir haben in einem Rennen mehr Schwierigkeiten gehabt als in der ganzen Saison”

“Wir haben in einem Rennen mehr Schwierigkeiten gehabt als in der ganzen Saison”, meinte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. “Für uns war es ein richtig schlechter Tag im Büro.”

Vettel schloss zu Senna auf

Vettel landete den 41. GP-Sieg seiner Karriere, zog damit in der ewigen Bestenliste mit der drittplatzierten Legende Ayrton Senna gleich. Im Moment seines Triumphes dachte der Deutsche aber auch an den vergangene Woche verstorbenen Franzosen Jules Bianchi. “Wir wissen, dass er früher oder später Teil dieses Teams gewesen wäre”, sagte Vettel am Funk über den einstigen Ferrari-Nachwuchsfahrer.

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© Bild: Dan Istitene / Getty Images Sport

Vettels erster Sieg in Ungarn

Für Vettel war es der zweite Saisonsieg nach seinem Coup in Malaysia. “Ich bin sehr, sehr stolz, mit diesem Sieg auch die Ungarn-Statistik aus dem Weg geräumt zu haben.” Auf dem Hungaroring hatte der vierfache Weltmeister noch nie gewonnen. Die Strecke ist immer für Überraschungen gut. Seit Michael Schumacher, der 2004 für den bisher letzten Ferrari-Triumph dort gesorgt hatte, hat kein Ungarn-Sieger im selben Jahr auch die WM gewonnen.

Hamilton: “Es hätte schlimmer sein können”

Zumindest diese Bilanz könnte Hamilton beruhigen. Beim Briten überwog aber der Frust, ausgerechnet in seinem “Wohnzimmer”, in dem er schon viermal triumphiert und alle Trainings bis hin zum Qualifying dominiert hatte, so schlecht abgeschnitten zu haben. “Es war ein wirklich schlechter Tag, aber manchmal passiert so etwas”, sagte Hamilton lapidar. “Es hätte auch schlimmer sein können.” Zwischenzeitlich war er sogar die WM-Führung los gewesen, als Rosberg hinter Vettel auf Platz zwei lag. Ricciardo attackierte im Finish aber mit den schnelleren weichen Reifen. Es kam zu einer Berührung, bei der sich Rosberg den Reifen aufschlitzte und Ricciardo den Frontflügel beschädigte. Dennoch reichte es für den Australier noch zu Rang drei.

Ricciardo: “Verrücktes Rennen”

“Es war ein verrücktes Rennen”, meinte Ricciardo. “Dieses Podium fühlt sich wie ein Sieg an. Ich bin schon lange nicht mehr hier oben gewesen.” Red Bulls bisher bestes Saisonergebnis war ein vierter Platz von Kwjat in Monaco. Der Russe avancierte nun mit 21 Jahren nach Vettel zum zweitjüngsten Podestfahrer der Formel-1-Geschichte. Kwjat: “Es war ein sehr hartes Rennen. Ich habe heute gelernt, niemals aufzugeben.”

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© Bild: Mark Thompson / Getty Images Sport

Kurven bringen Chancen für Red Bull

Das tun die Bullen generell nicht. “Sobald die Kurven gegenüber den Geraden überwiegen, haben wir eine Chance. Die Entwicklung unseres Autos geht stetig voran”, sagte Motorsportdirektor Helmut Marko, der sich auch über den vierten Platz von Toro-Rosso-Youngster Max Verstappen freute. Unmittelbar dahinter sorgte Ex-Weltmeister Fernando Alonso für das mit Abstand beste Saisonergebnis für McLaren.

Hülkenberg verliert seinen Frontflügel…

Eine Safety-Car-Phase hatte das Feld kurz nach Rennhalbzeit zusammengeschoben. Force-India-Pilot Nico Hülkenberg war wegen eines ohne Fremdeinwirkung abgebrochenen Frontflügels in der ersten Kurve abgeflogen.

Nico Hülkenbergs Frontflügel verabschiedet sich

Perez sorgt für Schrecksekunde

Schon im Training hatte sein Teamkollege Sergio Perez mit einem spektakulären Überschlag nach einem Bruch der Radaufhängung für eine Schrecksekunde gesorgt.

Sergio Perez / Pastor Maldonado-Crash in Ungarn

Räikkönen musste aufgeben

Ferrari steuerte nach einem überragenden Start von Vettel und Kimi Räikkönen lange Zeit sogar auf einen Doppelsieg, den ersten seit mehr als fünf Jahren, zu. Der Finne musste aber mit einem Defekt am Energierückgewinnungssystem aufgeben. Die Zielvorgabe von zumindest zwei Saisonsiegen ist dennoch bereits zur Saisonhalbzeit erreicht. Die Formel 1 verabschiedet sich nun in eine vierwöchige Sommerpause. Das nächste Rennen geht erst am 23. August in Belgien über die Bühne.

Endstand des Formel-1-Grand-Prix von Ungarn am Sonntag in Mogyorod bei Budapest nach 70 Runden a 4,381 km:

 

1.Sebastian Vettel (GER)Ferrari1:46:09,985
2.Daniil Kwjat (RUS)Red Bull+15,748
3.Daniel Ricciardo (AUS)Red Bull+25,084
4.Max Verstappen (NED)Toro Rosso+44,251
5.Fernando Alonso (ESP)McLaren+49,079
6.Lewis Hamilton (GBR)Mercedes+52,025
7.Romain Grosjean (FRA)Lotus+58,578
8.Nico Rosberg (GER)Mercedes+58,876
9.Jenson Button (GBR)McLaren+1:07,028
10.Marcus Ericsson (SWE)Sauber+1:09,130
11.Felipe Nasr (BRA)Sauber+1:13,458
12.Felipe Massa (BRA)Williams+1:14,278
13.Valtteri Bottas (FIN)Williams+1:20,228
14.Pastor Maldonado (VEN)Lotus+1:25,142
15.Roberto Merhi (ESP)Manor+2 Runden
16.Will Stevens (GBR)Manor+4 Runden

Ausgeschieden: Nico Hülkenberg (GER) Force India, Sergio Perez (MEX) Force India, Kimi Räikkönen (FIN) Ferrari, Carlos Sainz jr. (ESP) Toro Rosso

Schnellste Runde: Daniel Ricciardo in 1:24,821 (68. Runde)

WM-Stand (nach 10 von 19 Rennen):

 

1.Lewis Hamilton (GBR)Mercedes202
2.Nico Rosberg (GER)Mercedes181
3.Sebastian Vettel (GER)Ferrari160
4.Valtteri Bottas (FIN)Williams77
5.Kimi Räikkönen (FIN)Ferrari76
6.Felipe Massa (BRA)Williams74
7.Daniel Ricciardo (AUS)Red Bull51
8.Daniil Kwjat (RUS)Red Bull45
9.Nico Hülkenberg (GER)Force India24
10.Romain Grosjean (FRA)Lotus23
11.Max Verstappen (NED)Toro Rosso22
12.Felipe Nasr (BRA)Sauber16
13.Sergio Perez (MEX)Force India15
14.Pastor Maldonado (VEN)Lotus12
15.Fernando Alonso (ESP)McLaren11
16.Carlos Sainz jr. (ESP)Toro Rosso9
17.Jenson Button (GBR)McLaren6
18.Marcus Ericsson (SWE)Sauber6

Konstrukteurs-WM (nach 10 von 19 Rennen):

 

1.Mercedes383
2.Ferrari236
3.Williams151
4.Red Bull96
5.Force India39
6.Lotus35
7.Toro Rosso31
8.Sauber22
9.McLaren17

 

Nächstes Rennen: Grand Prix von Belgien am 23. August in Spa-Francorchamps.


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