Assoc.Prof. Dipl-Ing. Dr. Manfred Klell ist Geschäftsführer und wissenschaflicher Leiter des Hydrogen Centers Austria in Graz, einer Forschungseinrichtung der TU Graz und der Forschungsgesellschaft für Verbrennungskraftmaschinen unter Beteiligung von Magna und OMV.
 

“Man kann nicht den ganzen Verkehr auf Batterien umstellen”

Manfred Klell, CEO des Hydrogen Centers Austria, über eine Zukunft ohne fossile Energieträger.

03.01.2017 Autorevue Magazin

Warum wollen Sie Autos mit Wasserstoff antreiben, wo doch das batterieelektrische Auto gerade riesige Fortschritte macht? Da ist doch ein Wasserstofftank mit Brennstoffzelle nur ein zusätzlicher Aufwand.
Die Batterie ist momentan gut für kleine Leistungen und kurze Reichweiten. Wasserstoff deckt die Fahrzeuge mit hohen Leistungen und hohem Energiebedarf ab, die auch noch weite Strecken zurücklegen müssen, zumal bei tiefen Temperaturen.

Fern-Lkw sind also mit Batterie nicht elektrisch zu betreiben?
Undenkbar. Immer wenn man große Lasten transportieren muss, ist Wasserstoff viel geeigneter, weil Batterien schwer sind und viel Volumen einnehmen. Sie nehmen viel zu viel Laderaum und Nutzlast weg.

Aber die politischen Entscheidungen und die Strategien der Autohersteller laufen nun doch stark in Richtung batterieelektrisches Auto …
Wir haben selber Hochrechnungen angestellt, aus denen deutlich hervorgeht, dass man nicht den ganzen Verkehr auf Batterien umstellen kann, selbst wenn sich die Speicherdichten verdrei- bis vervierfachen. Der Grund liegt weniger bei den Fahrzeugen als vielmehr bei der Infrastruktur. Wir haben derzeit in Österreich einen Energiebedarf im Verkehr von etwa 100 TWh pro Jahr. Natürlich wird der Verkehr durch Wasserstoff und Batterien effizienter, der Energiebedarf übersteigt aber dennoch die Gesamtkapazität des österreichischen Stromnetzes, das derzeit ca. 65 TWh/Jahr liefert.

Heißt das, Wasserstoff ist neben Strom der zweite Energiepfad, der im Wesentlichen das Erdöl ersetzt?
Genau. Denn diese Zahlen sind mittlere Energiemengen. Wenn man jetzt an Spitzenleistungen denkt, weil der Verkehr ja tagsüber zwei bis drei Spitzen hat und danach die Fahrzeuge wieder geladen werden müssen, reden wir in Wirklichkeit von zwei- bis dreifachen Netzkapazitäten, die notwendig werden. Wenn Sie derzeit auf einer Autobahntankstelle 10 Fahrzeuge innerhalb von je 5 Minuten mit 50 l Benzin betanken, entspricht das einer Betankungsleistung von ca. 60 MW. Es ist undenkbar, solche Leistungen elektrisch über Ladestationen zur Verfügung zu stellen, da gingen in jeder Stadt die Lichter aus.

Das heißt, der Ausbau von Schnellladestationen für Elektroautos wird gar nicht so einfach?
Es gibt vielleicht die eine oder andere Ladestation im Megawattbereich, da können Sie dann drei oder vier Autos laden, es kommen aber 50. Über die Ladedauer wollen wir gar nicht reden. Mit Wasserstoff dauert das Tanken drei Minuten und den Speicher kann man in fast unbegrenzter Größe zur Verfügung stellen.

Werden wir bald mit Wasserstoff fliegen?
Schon in den 1990er Jahren hat es ein EU-Projekt gegeben, wo man statt mit Kerosin mit Wasserstoff fliegen wollte.
Es wäre technisch gegangen, aber es war einfach zu teuer. Kürzlich erst wurde der HY4, ein mit Brennstoffzellen und Elektromotor ausgestattetes Segelflugzeug präsentiert. Wasserstoff kann fossile Energieträger zur Gänze ersetzen.

Das Interview führte Rudolf Skarics.

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