Günther Raupp und sein Ferrari-Kalender

Günther Raupp, globaler Ferrari-Fotograf Nummer eins und Mann hinter dem offiziellen Ferrari-Kalender, über Anfänge, Glücksfälle und Auswüchse.

04.12.2018 Autorevue Magazin

Ein Beitrag aus der Autorevue Dezember 2018 – Aktuelle Abo-Angeboten findet ihr hier

Ihren ersten, noch in Eigenregie produzierten Ferrari-Kalender haben Sie auf Verdacht nach Maranello geschickt. Zurück kam ein Dankschreiben von Enzo Ferrari persönlich.

Das war ein glücklicher Aufschlag, dass das zu ihm durchgedrungen ist. Heute würde so was wegen der Markenrechte überhaupt nicht mehr funktionieren. Ich habe mich da fotografisch ziemlich ausgetobt. Es war nicht sehr breitenopportun. Aber dem Commendatore hat’s gefallen.

Sie waren damals nicht neu in der Autofotografie.

Ich habe in Stuttgart Malerei studiert und bin erst später zur Fotografie und auch zum Film gekommen. Meine ersten Kunden aus dem Autosektor waren Fiat, Lancia, Jaguar, Porsche, Opel, Ford und so weiter. Zunächst waren es Filme, dann erst kam die Werbefotografie.

Worauf kommt es bei einem Kalender an?

Die Bilder müssen 30 Tage lang faszinieren. Wenn ich am fünften Tag blättere und sage, „was kommt denn im nächsten Monat?“, hat das Bild verloren.

Sie haben Zugang zu den weltweit namhaftesten Sammlern. Wie kriegt man den?

Da gab es den Doyen aller Ferrarisammler, Pierre Bardinon. Ein Schloss in der Auvergne mit teilweise bis zu 80 Rennwagen, alles Ferraris. Dem wurde ich von einem Freund vorgestellt, ich zeigte ihm meinen ersten Kalender von 1985, er blätterte und sagte nach dem dritten Bild: „Okay, und welches Auto willst du zuerst fotografieren?“

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Zusätzlich gibt’s die App „Ferrari Cal“ mit dem Sound jedes abgebildeten Ferraris (Google und Apple-Stores).

Wer Pierre Bardinon kannte, dem stand die Welt offen?

Schon. So kam ich dann später zu Autos von Ralph Lauren, Bob Dusek, Jon Shirley und anderen Großsammlern. Mittlerweile stehen, vor allem in Amerika, die Sammler Schlange und wollen ihre Autos in den Kalender bringen. Das ist zu einer Imagefrage geworden, auch für Topautos. In Europa hingegen muss man mit den Leuten oft wochenlang eine Beziehung aufbauen.

Wie aufwendig ist die Fotografie? Wie viele Leute arbeiten an einem Foto?

Zwei Leute: meine Frau und ich. Das Schwierige ist die Location­suche, die Aufnahme selbst dauert zwei Stunden. Hinzu kommt seit Kurzem der allerdings gewaltige Aufwand der Tonaufnahme, die wir auch machen.

Günther Raupp im Portrait

Sie haben selbst einen Ferrari?

Einen 246 GTS Dino, den ich damals für 35.000 Mark gekauft habe, so viel kostete ein Golf GTI. Den hab ich mit 180.000 Kilometern immer noch.

Wie viel wäre der heute wert?

Der Dino ist mittlerweile Teil der Familie. Aber wenn Sie schon fragen: So um die 350.000 Euro sicher. Aber mir graust vor diesen Preisentwicklungen bei den Oldtimern.

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