Brieftauben erster Weltkrieg mobiler Taubenschlag
 

Brieftaubenbusse: Twitter, before it was cool

Brieftauben waren einst so wichtig, dass sie eigene Busse bekamen, mit denen sie dorthin gefahren wurde, wo Kommunikation wichtig war.

30.03.2018 Online Redaktion

Auftritt Cher Ami. Es war 1918, Major Charles Whittlesey und seine 9. Kompanie waren bei Verdun von den Deutschen eingekesselt wurden. Weil die Alliierten das nicht wussten kam zum Dauerbeschuss der Deutschen auch noch Beschuss der befreundeten Truppen. Also wurde Cher Ami losgeschickt. Ein Tauben-Weibchen. Sie flog durch den Kugelhagel, wurde schwer verletzt, lieferte aber die Nachricht bei der 77. Infanterie Division ab. 25 Minuten brauchte sie für 40 Kilometer Luftweg. Ihre Nachricht rettete 194 Soldaten das Leben. Cher Ami bekam dafür die Kriegsauszeichnung „Croix de guerre“ verliehen.

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© Bild: Archiv

Brieftaubenbusse im Krieg

Bis heute schaffen es Forscher nicht, schlüssig das Heimfindeverhalten von Brieftauben zu erklären. Allein die Umsetzung ist klar: Wer die Tiere außerhalb ihrer gewohnten Heimat einsetzen will, der muss sie von ihrem Heimatschlag zum Abflugort bringen. Zum Beispiel zur Front. Im ersten Weltkrieg waren rund 100.000 Brieftauben im Einsatz. Auch wegen ihrer Zuverlässigkeit. Trotz Dauerbeschuss kamen rund 95 Prozent der Nachrichten zum Zielort.

Die Herstellung der mobilen Taubenschläge war eine Herausforderung. Die Fahrzeuge mussten trotz ihrer Größe robust und geländefähig sein. Dazu mussten sie individuell sein, damit die Tauben wieder zurück finden. Die britische Armee benutzte während des ersten Weltkrieges umgebaute Doppeldeckerbusse. Die Franzosen verwendeten Busse der Marke Berliet.

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Im zweiten Weltkrieg hatten Brieftauben ebenfalls große Bedeutung. Der US Arme Pigeon Service setzte rund 54.000 Brieftauben ein, die britische Armee noch einmal 250.000. Mittlerweile wurden die Tiere hauptsächlich nachts eingesetzt, um Beschuss und Verluste zu minimieren. Auf der anderen Seite hatten die Deutschen Falken trainiert, die auf Brieftaubenjagd gingen.

Cher Ami und G.I. Joe

Auch im zweiten Weltkrieg gab es einen Brieftaubenheld: G.I. Joe. Im Jahr 1943 hatten britische Truppen sehr rasch die Stadt Calvi Vecchia in Italien eingenommen. Auch, weil die deutschen Truppen keine Gegenwehr leisteten. Damit hatten die Alliierten jedoch nicht gerechnet. Weil die Kommunikation unterbrochen war, wollten sie die Stadt, die jetzt voll mit britischen Truppen war, bombardieren. G.I. Joe flog samt Nachricht zum amerikanischen Kommandostützpunkt und verhinderte den Fliegerangriff.

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