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Elektroautos: CO2-Bilanz besser als bisher angenommen? [Neue Studie]

Elektroautos: CO2-Bilanz besser als bisher angenommen? [Neue Studie]

Die Ökobilanz von Elektroautos ist umstritten. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass der von den Stromern verantwortete CO2-Ausstoß doch geringer sei, als bisher angenommen.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 07.09.2020

Elektroautos werden auch in Österreich immer beliebter, die Kritik an den nur vermeintlich emissionsfreien Fahrzeugen bleibt aber laut: Als wesentliche Kritikpunkte werden meist die CO2-intensive Batterieproduktion sowie die Herkunft des Ladestroms ins Feld geführt, die die vermeintliche Umweltfreundlichkeit von Elektroautos zunichte machen sollen. Untermauert wurde diese Argumentation von einer Studie des info-Instituts aus dem Jahr 2019, die einem Tesla Model 3 in Deutschland eine schlechtere Ökobilanz als einem Mercedes C220 d bescheinigt hat. Die Studie wurde damals heftig kritisiert, das Thema nun von der Technischen Universität Eindhoven im Auftrag der deutschen Grünen Bundestagsfraktion erneut untersucht – mit deutlich abweichenden Ergebnissen, die wiederum den Befürwortern von E-Mobilität in die Karten spielen.

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Elektroautos vs. Verbrenner

In der ifo-Studie wurde errechnet, dass der CO2-Ausstoß des Tesla im günstigen Fall um etwa ein Zehntel und im ungünstigen Fall um ein gutes Viertel über dem Ausstoß des Diesel-Mercedes liege: Das Model 3 mit Long Range Dual Motor käme demnach je nach Art und Ort der Batterieherstellung auf 155 bis 180 Gramm CO2 je Kilometer, der Mercedes lediglich auf 141 Gramm. Die neue Studie von der Technischen Universität Eindhoven kommt auf gänzlich andere Zahlen: Ein Tesla Model 3 verursache pro gefahrenem Kilometer lediglich 91 Gramm CO2, ein Mercedes C 220d hingegen 260 Gramm. Das entspräche einem geringeren CO2-Ausstoß von 65 Prozent, mit dem das Elektroauto in Sachen Ökobilanz voranfahren soll.

Durch die CO2-Emissionen bei der Batterieproduktion haben die Stromer zu Beginn ihres Autolebens bereits einen Rückstand gegenüber Verbrennern – das bestätigt auch die neue Studie der TU Eindhoven. Allerdings hole ein Tesla Model 3 diesen Rückstand nach 30.000 zurückgelegten Kilometern wieder auf, heißt es in der Studie.

Untersucht wurden aber nicht nur der Tesla und der Mercedes aus der umstrittenen ifo-Studie, sondern auch weitere Fahrzeuge. Dabei wurde beispielsweise das CO2-Äquivalent eines VW eGolf (78 g/km) dem eines Toyota Prius (168 g/km) gegenübergestellt. Nach 28.000 Kilometern habe der eGolf seinen durch die Batterieproduktion entstandenen Rückstand wieder eingefahren, so die Studienautoren.

Neue Werte als Berechungsgrundlage

Die unterschiedlichen Ergebnisse können vor allem auf die neuen Werte, die den Berechnungen zugrunde gelegt wurden, zurückgeführt werden.

Batterieproduktion

In früheren Studien wurde für die Produktion einer Kilowattstunde Batteriekapazität ein CO2-Ausstoß von 175 Kilogramm angenommen. Dieser Wert gilt allerdings als veraltet, die zugrundeliegende Studie aus dem Jahr 2017 wurde mittlerweile aktualisiert, das CO2-Äquivalent für die Produktion einer Kilowattstunde Batteriekapazität auf 85 Kilogramm nach unten korrigiert. Die Technische Technische Universität Eindhoven ging auf Basis einer Reihe jüngerer Publikationen sogar von einem noch geringeren Wert von 75 Kilogramm aus.

Lebensdauer der Batterie

Auch für die angenommene Lebensdauer der Batterie kam ein neuer Wert zum Tragen. Frühere Studien waren von 150.000 Kilometern ausgegangen, die TU Eindhoven geht in ihrer neuen Veröffentlichung aber von 250.000 Kilometern aus. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass moderne Untersuchung aber sogar auf eine Lebensdauer von mehr als 500.000 Kilometern hindeuten.

Strommix

Auch der Strommix, mit dem Elektroautos “betankt” werden, hat einen wesentlichen Einfluss auf deren Ökobilanz. Die ifo-Studie berief sich für ihre Berechnungen auf alternative marginale Energiequellen für den Strom sowie den tatsächlichen Strommix Deutschlands aus dem Jahr 2018, kalkuliert wurde mit einem CO2-Ausstoß von 0,55 kg je kWh. Die TU Eindhoven geht hingegen von gerade einmal 250 Gramm CO2-Äquivalent pro kWh aus. Auch der prognostizierte weitere Anstieg des Ökostrom-Anteils am deutschen Strommix wurde in der neuen Studie berücksichtigt.