Radical Mag Pontiac GTO 1964 Courtesy of RM Auctions
 

1964 – Veteran: Wer hats erfunden?

Das Ende kam erst später. Aber der Anfang war viel schöner.

22.03.2011 radical mag

Alles hat seinen Anfang. Und auch wenn gerade in der Auto-Industrie noch so mancher behauptet, er habe dies oder jenes als erster auf den Markt gebracht, also: erfunden, den ersten SUV, den ersten Mini-Van, das erste Coupé-Cabrio, so gibt es doch auch Dinge, bei denen ganz klar ist, wem die Ehre gebührt. Erfreulich ist, dass sich in diesem Fall eine ganze Ära, eine wunderbare Zeit an einem einzigen Automobil festmachen lässt: Es geht um die «muscle cars», welche die 60er Jahre in den USA so sehr prägten, und das Automobil ist der 64er Pontiac GTO.

Wobei: die ersten GTO waren eigentlich keine eigene Modell-Reihe, sondern ein so genanntes «package», das für einen Aufpreis von 296 Dollar für die 64er Pontiac Tempest Le Mans bestellt werden konnte. Es handelte sich eindeutig um einen Versuchsballon, und der damalige Pontiac-Chef, Pete Estes, war skeptisch, dass sich das Ding auch wirklich verkaufen liess. Also gab er die Zusage für eine erste Serie von 5000 Exemplaren. Als er Ende des Jahres nachzählte, musste er eingestehen, dass er zu Unrecht skeptisch gewesen war: 1964 wurden insgesamt 32’450 GTO-«packages» verkauft, 18’422 Hard-Tops, 7’384 Zweitürer und 6’644 Cabrios. Gerüchte, dass auch einige Kombis gebaut wurden, konnten nie bestätigt werden.

Radical Mag Pontiac GTO 1964 Courtesy of RM Auctions

Hinter der Idee für den GTO standen John DeLorean, Anfang der 60er Jahre Chef-Ingenieur von Pontiac und in der Folge eine der schillerndsten Persönlichkeiten der amerikanischen Auto-Industrie, Russell Gee, ein Motoren-Ingenieur, und Bill Collins, ein Fahrwerk-Spezialist. Das Trio hatte ein Problem: Anfang 1963 hatte die General-Motors-Plüschetage den einzelnen Marken das Engagement in Renn-Aktivitäten verboten. Pontiac war aber eine sportliche Marke und hatte immer Werbung mit seinen Rennerfolgen gemacht, also brauchte man dringend etwas, was das jüngere, sportlichere Publikum ansprach. Die Lösung war relativ einfach: Es wurde ein 389-ci-Motor (6,4 Liter Hubraum), der eigentlich für die «grossen» Pontiac-Modelle Catalina und Bonneville reserviert war, in das eine Stufe kleinere Modell Tempest eingepflanzt. Weil es sich bei diesem «package» nur um eine Option handelte, konnten DeLorean, Gee und Collins die Weisungen aus der Chef-Büros umgehen, und Pontiac-Chef Estes war kein Spielverderber für seine wilde Truppe.

Den Namen soll DeLorean beigesteuert haben. Ja, natürlich handelte es sich dabei um eine klare Kopie der Bezeichnung des Ferrari 250 GTO, der 1962 auf die Strasse gekommen war und schon damals Legende war. Und nein, natürlich konnten etwa 100 Prozent der Amerikaner nichts mit einen Namen, der eine Abkürzung für «Gran Turismo Omologato» ist, anfangen, aber es tönte auch auf englisch ganz hervorragend.

Also, 296 Dollar, das war schon damals nicht wirklich viel Geld. Und wenn man bedenkt, dass die Basis-Motorisierung des Tempest Le Mans ein 215-ci-Sechszylinder (3,5 Liter Hubraum) war, dann war der 6,4-Liter-V8, der mit einem Carter-AFB-Vierfach-Vergaser auf 325 bhp bei 4800/min (max. Drehmoment 580 Nm bei 3600/min) kam, schon allein die Versuchung wert. Doch dann kam noch so einiges dazu: Es gab dann noch einen Doppel-Auspuff, einen verchromten Luftfilter, eine stärkere Kupplung (logisch!), eine manuelle Dreigang-Schaltung mit einem Hurst-Schalthebel, steifere Federn, zusätzliche Stabis vorne, grössere Räder (7,50 x 14) mit Rotwand-Reifen, Lufteinlässe auf der Motorhaube. Doch damit war noch nicht fertig, auf Wunsch gab es auch noch ein manuelles 4-Gang-Getriebe (mit lang übersetzter Hinterachse) oder Zwei-Gang-Automatik (Super Turbine 300), drei Zweifach-Vergaser (das gab dann schon 348 bhp bei 4900/min; max. Drehmoment 580 Nm schon bei 3200/min), mit Stahl eingekleidete Bremsschläuche, ein Sperr-Differential, grössere Kühler, ein «Handling»-Paket und natürlich noch die Dinge, die das Leben im Auto angenehmer machen. Voll ausgerüstet, kam so ein 64er GTO dann auf stolze 4500 Dollar – und dafür kriegte man damals auch schon eine ganz nette Corvette.

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