BMW X6: Was gelernt

In manchen Momenten hilft mir eine Ohrfeige mehr als vernichtendes Verständnis. Zum Beispiel, wenn plötzlich ein BMW X6 springt.

Online Redaktion
Veröffentlicht am 26.02.2010

Der X6 fliegt. „Das sollte er nicht“ sind meine letzten Gedanken, bevor mir die Konsequenzen der danach folgenden drei Sekunden in ihrer Gesamtheit bewusst werden.

Aber von vorne. Im Fahrsicherheitszentrum in Teesdorf gibt es eine Kuppe, der eine Linkskurve folgt. Will man an dieser Stelle dynamische Bilder generieren, kann es bei zu sportlicher Fahrweise passieren, dass ein Auto abhebt. Gelernt habe ich, dass dies beim BMW X6 ActiveHybrid (rund 2,5 Tonnen) bei Tempo 80 geschieht. So kam das spektakuläre Bild  (bei dem sich Fans und Kritiker die Waage halten), nämlich der fliegende X6, in der aktuellen Autorevue (3/2010, S. 60) zustande.

Mit vier Rädern in der Luft kann man allerdings kein Auto einbremsen. Auch zwei Reifen am Boden – mit so vielen kommt der X6 nämlich erst einmal auf – reichen nicht aus. Und in dem Moment, wo sich alle Viere wieder auf betoniertem Geläuf befanden, hatte ich die angesprochene Linkskurve schon verpasst.

Im Sommer hätte ich Glück im Unglück gehabt, weil neben der Rennstrecke eine Grün- und eine Betonfläche sind. Also einfach nur das Lenkrad gerade halten und es passiert nichts.

Im Winter wird aber der Schnee neben die Grünfläche geräumt und vereist. Wo die Titanic den Eisberg nur schrammte, schlug der ActiveHybrid nahezu ungebremst auf, brach durch und kam erst auf dem Beton zu stehen.

Die Frontschürze zerbarst beim Aufprall, der rechte Vorderreifen sprang von der Felge, der Kühler wurde abgeschlagen, Teile der Achse krümmten sich unter der Gewalt. Materialschaden in Euro: dem Verfasser bekannt.

Peinlicher kann man eine Fotoproduktion nicht beenden. Neben die Trümmer des X6 kauerte sich das Wrack meiner Seele. Dass die Presseabteilung von BMW nach einer kurzen Schockminute gewohnt professionell reagierte: „So etwas kann passieren, wo gehobelt wird fallen Späne“ machte mir meine Situation nicht leichter. Ich wollte angebrüllt, im besten Fall sogar geohrfeigt werden, ich wollte, dass mir jemand anderes meine Blödheit ins Gesicht schreit, anstatt mich mit ihr allein zu lassen, um selber mit ihr fertig zu werden. Mag den Charakter formen, verhagelt einem die kommenden Tage und Wochen aber nachhaltig.


Voriger
Nächster