Verkehrsminister Jörg Leichtfried in einem selbstfahrenden Auto
 

Die meisten Österreicher wollen (noch) kein selbstfahrendes Auto

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die große Mehrheit der Österreicher autonomen Autos zumindest derzeit noch skeptisch gegenübersteht.

23.12.2016 APA

Seit dieser Woche gibt es die ersten offiziellen Tests mit selbstfahrenden Autos auf einigen Straßenabschnitten in Österreich. Die Mehrheit der Österreicher steht der Technologie aber (noch) skeptisch gegenüber. Demnach würden sich 87 Prozent der Österreicher derzeit bei gleichem Preis kein autonomes Auto kaufen.

Fahrer wollen vorausdenken

Im Rahmen der Umfrage würden 917 Österreicher befragt. Die Untersuchung kommt in ihrem Ergebnis zu keinen wesentlichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen beziehungsweise zwischen Altersgruppen. Beim Autofahren im dichten Stadtverkehr wolle der Fahrer intuitiv vorausdenken, anstatt seinem automatisiert fahrenden Auto hinterher zu sein, erläutert Verkehrspsychologe Gregor Bartl vom Institut “alles-führerschein.at”, das die Umfrage durchgeführt hat. Zudem würden Menschen Risiken geringer einschätzen, wenn sie sie selbst steuern könnten.

BMW rechnet mit autonomen Autos in 5 Jahren auch im Stadtverkehr

Der Südosteuropa-Chef von BMW, Christoph Tschirschnitz, kündigte indes im “Kurier” an, dass das autonome Fahren in Stufen komme. “In der Endstufe circa um 2021 auch im komplexen Stadtverkehr.” Bartl hält dem auf Basis der Umfrage entgegen: “Auch beim Autofahren im dichten Stadtverkehr möchte man intuitiv vorausdenken, statt seinem automatisiert fahrenden Auto hinterher zu sein.”

Teststrecke auch in Wien geplant

Sicher erscheint, dass das Roboterauto-Thema ein relevantes ist. Zum Beispiel baut das Konsortium WienZWA unter dem Motto “Sicherheit aller Menschen im Verkehr” in Wien und Umland ein europäisches Testlabor mit integrierter Teststrecke für automatisiertes Fahren auf. Ab kommendem Jahr wird an der Entwicklung des Konzepts für ein Testlabor mit Teststrecke gearbeitet, wurde heute in einer Aussendung angekündigt. Die Teststrecke – ähnlich jener seit gestern offiziellen Teststrecken nahe Graz – soll nicht nur Autobahnen, sondern auch den Stadtverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr berücksichtigen. “Durch die Kombination aus verschiedensten Fortbewegungsmitteln und der Berücksichtigung der unterschiedlichsten Verkehrssituationen stellt das Testlabor ein internationales Vorzeigeprojekt dar”, so das Konsortium aus den Unternehmen Andata, HiTec und Swarco Futurit gemeinsam mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Der Fokus des Testlabors werde auf der dynamischen Interaktion von Fußgängern, Zweiradfahrern und (semi-)autonomen Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur liegen.

“Hype, der uns blind machen könnte”

“Ich warne vor einem Hype, der uns blind machen könnte”, so Bartl. Der Verkehrspsychologe findet es hinterfragenswert, ob womöglich viele öffentliche Gelder in ein Projekt gesteckt würden, das schließlich von der Gesellschaft nicht angenommen werden könnte. “Es ist auch nicht bewiesen, dass automatisiertes Fahren sicherer ist”, so der Verkehrspsychologe weiter. Selbiges gelte auch für teilautomatisiertes Fahren – etwa bezogen auf automatische Abstandshalter. Denn der Mensch neige dazu, gesteigerte Sicherheit durch riskanteres Fahren zu konterkarieren. Gleichzeitig betonte Bartl, sich persönlich sehr wohl für die etwaige neue Mobilitätsform zu interessieren.

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