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1949 – Zeitgenossen: The Saabish Way of Abstieg

In 60 Jahren von einer Stütze des schwedischen Selbstbewusstseins zur Pleitefirma.

11.08.2010 Autorevue Magazin

Das Schicksal von Saab ist dieser Tage in eine unschwedische, folglich unwürdige Konfusion und Hektik zwischen „Letzte Meldung“ und „Allerletzte Meldung“ hineingeraten. Die letzte Meldung war: Der schwedische Sportwagen­hersteller Koenigsegg (40 Mitarbeiter, 70 Autos – nicht jährlich, sondern seit Beginn der Serienproduktion im Jahr 2000) übernimmt mit Investorenhilfe Saab von General Motors. Die allerletzte Meldung vor Redaktionsschluss: Da wird möglicherweise doch nichts draus, weil einer der Investoren abgesprungen ist. Was derzeit am Tisch liegt, ist eine Absichtserklärung und die Beteuerung von Saab, dass die Stimmung positiv sei.

Wenn nichts aus dem Koenigsegg-Deal wird, könnte es tatsächlich bald eine Automarke weniger geben: 2008 hat Saab 93.000 Autos verkauft, 25 Prozent weniger als im Jahr davor. 150.000 müssten es für eine rentable Produktion sein. Im Februar hat das Unternehmen Gläubigerschutz beantragt. Es schuldet dem Mutterkonzern GM 833 Millionen Euro. Ähnlich viel müsste für eine Fortsetzung der Produktion aufgestellt werden – für die zumindest schon ein neues Modell bereitsteht: Der Saab 9-5, groß wie die S-Klasse und im April 2010 startbereit (siehe Seite 27), basiert auf dem Buick LaCrosse und soll den Neustart Saabs mithilfe eines Angriffs auf die etablierte Oberklasse befeuern. Man merkt dieser Strategie an, dass sie bei General Motors entworfen wurde, ein Abschiedsgruß nicht ohne Humor.

Die Geschichte Saabs ist eine seltsame Mischung aus Innovationsgeist und Beharrungsvermögen. Für letzteres steht etwa die Grundform aller Saabs, die schon in den ersten Prototypen zu finden ist – sie ist Teil der von den Saab-Leuten so genannten Saabishness, die der Marke über die Jahrzehnte hinweg eine treue Stammkundschaft bewahrt hat (Saabishness ist was Ähnliches wie Englishness: schrullig, liebens- und bewundernswert, tatsächlich gut und doch immer auch ein wenig hintennach).

Mit Beharrung hat auch die Tatsache zu tun, dass von der Marke so selten Lebenszeichen kommen. Wie aber auch anders? Ein kleiner Hersteller kann alleine nicht oder kaum überleben, selbst wenn er eine feine Nische findet. Ein Modellfeuerwerk ist da nicht zu erwarten. Als Saab in den Neunzigern am Ende war, ist es mit GM an den falschen Partner geraten. Das Mutterschiff ist – aus eigener Schuld – selber am Sinken.

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